GEMÜNDEN

Mitsing-Theater in der Scherenburg

In den 50ern schwingen die Frauen die Röcke . . .
In den 50ern schwingen die Frauen die Röcke . . . Foto: Michael Mahr

Mitsummen, Mitklatschen, Mitsingen – es dauerte nur ein paar Takte, bis die Zuschauer ihren Teil beisteuerten zur Premiere der Musikrevue „Petticoat und Minirock“. Zweieinhalb Stunden schipperten sie an Bord des Dampfers MS Frankonia erst den Main hinab, um sich nach der Pause (und ein Jahrzehnt später) an Bord der MS Calamari im Mittelmeer wiederzutreffen.

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Petticoat+Minirock

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Von den „Caprifischern“, die Rudi Schuricke in den 50er Jahren bekannt gemacht hat, bis zu Drafi Deutschers „Marmor, Stein und Eisen bricht“ reichte die Palette der Lieder, die an Bord angestimmt wurden. Chubby Checker twistete, Bill Haley rockte, und die Zuschauer gingen begeistert mit.

Gemeinsamer Spaziergang

Gut eineinhalb Stunden bevor die ersten Takte Musik in der Scherenburg erklangen, war der Gemündener Marktplatz Treffpunkt vieler Gäste. Gemeinsam ging es hinauf in den Ronkarzgarten, wo traditionell der Premierenempfang stattfindet. „Die Festspiele sind ein Sinnbild für Lebensfreunde“, stellte Hans Michelbach fest, der Vorsitzende des Festspielvereins.

Sie liefern einen Beitrag zur Identität und seien der Beweis, dass Kultur nicht nur in Großstädten zu Hause ist, sondern auch in kleinen Städten auf dem Land, wo mit wesentlich geringeren Mitteln etwas auf die Beine gestellt werde.

Das in Gemünden auf die Beine Gestellte – die Scherenburgfestspiele – will der Festspielverein „auf Dauer etablieren“, sagte Michelbach. Deswegen sei die gemeinnützige GmbH „Scherenburgfestspiele Main-Spessart“ in Gemünden gegründet worden. Sie soll die Schaffung einer überdachten Spielstädte mit 650 Plätzen hinter der Burgmauer ermöglichen, für die man Fördermittel erhofft.

„Ab heute ist wieder Festspielzeit“

Michelbach dankte allen Sponsoren, den Mitwirkenden bei den Aufführungen sowie dem Festwirt und wünschte allen Zuschauern schöne Stunden. Julia Kiefer, die Geschäftsführerin des Festspielvereins, hatte Michelbach für den Premierenempfang entschuldigt. „Sie muss, um Kosten einzusparen, selbst auf der Bühne stehen“, scherzte er.

Landrat Thomas Schiebel zollte in einer launigen Rede den Scherenburgfestspielen seinen Respekt, da sie nicht nur die Gemündener gewonnen haben, sondern sich einen Namen gemacht haben in der unterfränkischen Kulturszene und die touristische Attraktivität der ganzen Region bereichern.

„Ab heute ist wieder Festspielzeit“, verkündete Bürgermeister Jürgen Lippert und zeigte sich stolz, dass nach dem gerade erst zu Ende gegangenen Kirchweih- und Heimatfest schon das nächste Großereignis in der Stadt beginnt. „Da soll mal einer behaupten, in Gemünden wäre nichts los!“

„1954, das waren noch Zeiten“

Intendant Peter Cahn sieht Parallelen zwischen Theater und Fußball – bei beiden „muss man mit Leib und Seele dabei sein“. Würde sich sein Ensemble in der Premiere jedoch so verkaufen, wie die deutschen Kicker in Russland, „dann gingen wir besser runter, Eis essen“, sagte. „Aber wenn wir es schaffen, sie in die 50er zu entführen – 1954, das waren noch Zeiten!“

Cahn stellte kurz auch die beiden anderen Stücke der 28. Scherenburgfestspiele vor. Nach dem musikalischen Ausflug in die 50er und 60er Jahre geht es am Freitagvormittag um 10 Uhr erstmals ins Taka-Tuka-Land, mit Pippi Langstrumpf und ihren Freunden.

Vor große Probleme habe sie das dritte Stück gestellt, die Komödie „Außer Kontrolle“, wegen der politischen Lage in Bayern und Berlin, so Cahn. Denn es waren aktuelle Namen in den Text eingearbeitet worden, unter anderem der von Angela Merkel. „Wir hatten Angst, dass es einen anderen Bundeskanzler gibt.“ So schnell hätte man den Text nicht umkrempeln können.

-> Kultur Seite 14

. . . und die Männer sind hin und weg.
. . . und die Männer sind hin und weg. Foto: Michael Mahr
Die Musikrevue „Petticoat und Minirock“, die heuer die die Scherenburgfestspiele eröffnete, entführte die Zuschauer an Bord von Schiffen.
Die Musikrevue „Petticoat und Minirock“, die heuer die die Scherenburgfestspiele eröffnete, entführte die Zuschauer an Bord von Schiffen. Foto: Michael Mahr
Hans Michelbach, der Vorsitzende des Festspielvereins, eröffnete den Premieren-Empfang im Ronkarzgarten mit seiner Stellvertreterin Manuela Rubenbauer.
Hans Michelbach, der Vorsitzende des Festspielvereins, eröffnete den Premieren-Empfang im Ronkarzgarten mit seiner Stellvertreterin Manuela Rubenbauer. Foto: Michael Mahr

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