MITTELSINN

Mittelsinn ist das Christbaumdorf schlechthin

Um sie dreht sich alles: Christbäume aus dem Sinngrund.

Die Eröffnung des „Christbaumdorfes Mittelsinn e. V.“ an der Scheune am Bergsee war ein Medienereignis. Schon Tage vorher drehten Fernsehanstalten im Dorf, und am Mittwoch stand die deutsche Weihnachtsbaumkönigin Saskia Blümel aus Moisburg im Fokus von zahlreichen Pressevertretern und rund 150 Gästen.

Der Vorsitzende des Vereins, Uwe Klug, hieß die Besucher willkommen, darunter viele Bürgermeister der Region, Landrat Thomas Schiebel, Staatsminister i.R. Eberhard Sinner und der Geschäftsführer der Dorfgemeinschaft Hohenroth, Mario Kölbl. Holzöfen sorgten für Wärme, in den Buden wurden Stärkungen angeboten.

150 000 Bäume pro Jahr

Mit 250 Hektar Anbaufläche ist Mittelsinn der Hauptort der Christbaumerzeugung im Sinngrund, und rund 150 000 Bäume liefern die 30 Produzenten im Jahr. „Wir liefern den Menschen den Inbegriff von Weihnachten“, erklärte Schriftführerin Simone Engelhaupt, „welcher Ort wäre also besser geeignet, genau DAS Christbaumdorf zu werden?“

Seit 50 Jahren werden hier Christbäume angebaut, deren Kulturen heute das Erscheinungsbild der Landschaft rund um das Dorf prägen, sagte der stellvertretende Vorsitzende Ulrich Sachs: „Wenn es ein Christbaumdorf gibt, dann ist es doch Mittelsinn.“

Im Frühjahr 2016 entwickelte sich die Idee von der Gründung eines Vereins, um die Mittelsinner Christbäume als regionale Marke zu bewerben. Schnell wurde klar, dass die Fokussierung allein auf Christbäume der Gemeinde und dem Sinngrund nicht gerecht wird.

Der mittlerweile auf über 100 Mitgliedern angewachsene Verein setzt sich für alle regionalen Produkte ein und macht keinen Unterschied zwischen konventioneller und ökologische Erzeugung. Ulrich Sachs lud zu den Adventsmärkten am 10./11. und 17./18. Dezember im Dorf ein. „Unser Verein möchte einen aktiven Part im Dorfleben Mittelsinns einnehmen, frei nach des Bürgermeisters Motto „Das Dorf, das die Gemeinschaft lebt“, sagte Sachs.

Norddeutsche Herkunft

Mit einem herzlichen „Moin Moin“ verriet die Weihnachtsbaumkönigin Saskia Blümel, im hellen Ballkleid mit Zepter in der Hand, ihre norddeutsche Herkunft. Sie stammt aus einem Christbaumbetrieb und vertritt den natürlichen Weihnachtsbaum in ganz Deutschland. 3000 Christbaumerzeuger gibt es im Land. Blümel bewertete den Schulterschluss zur Vermarktung der regionalen Produkte als richtigen Weg. Auch 2016 werde die Nordmanntanne der beliebteste Weihnachtsbaum sein. „Der Baum aus der Region rückt immer mehr in den Vordergrund“, sagte Blümel.

Zum vierten Male veranstaltet der Bundesverband der Weihnachtsbaumerzeuger eine Aktion zugunsten der SOS-Kinderdörfer. Für jeden gekennzeichneten Baum kommt ein Euro in den Spendentopf, sodass in den vier Jahren 50 000 Euro eingesammelt wurden.

„Ich bin hier aus Überzeugung“, erklärte Landrat Schiebel. Die Weihnachtsbaumerzeugung und das Christbaumdorf bündelten alle Interessen der regionalen Vermarktung und böten außerdem Mittelsinn eine gute Plattform, sich zu präsentieren. Er erinnerte an die aufwendige Arbeit der Erzeuger in den Plantagen, die ganzjährig gepflegt werden müssen. Schiebel freute sich über die Unterstützung der politischen Gemeinde für das Projekt. „Anders als bei den normalen Weihnachtsmärkten ist man hier näher am Kunden.“

Als „Vater der Weihnachtsbäume“ bezeichnete Klug Eberhard Sinner, mit dessen Einfluss der Christbaumanbau zur echten Einnahmequelle geworden sei. Und Sinner riet nicht nur den Gästen, ihren Christbaum im Sinngrund zu kaufen. „Hier in Mittelsinn gibt es die schönsten Weihnachtsbäume Deutschlands“, erklärte er und dankte allen, die sich in Mittelsinn für die gute Sache engagieren.

Wenn sich in Zeiten der Vereinsmüdigkeit ein neuer Verein mit dem Ziel gründe, „die Heimat, konkret das Dorf Mittelsinn und den Sinngrund ideell zu fördern, das Miteinander zu stärken und die Förderung der Heimatpflege und der -kunde voranzubringen“, sei das Grund zur Freude, erklärte Bürgermeister Peter Paul. Die Hände in den Schoß legen, die demografische Entwicklung hinnehmen, die Landflucht beklagen, ohne dagegen etwas zu unternehmen, wäre das Schlechteste für ein Dorf. Paul wünschte, dass das „Christbaumdorf Mittelsinn“ eine Erfolgsgeschichte werde. Als Bürgermeister sei er aber Sprachrohr für alle Bürger, und „es muss erlaubt sein, darauf hinzuweisen, dass manche im Ort dem ausgerufenen Christbaumdorf nicht nur Positives abgewinnen können“. Dazu zitierte er Henry Ford: „Das Geheimnis des Erfolgs ist, den Standpunkt des Anderen zu verstehen.“

In Vertretung des kurzfristig verhinderten Bundestagsabgeordneten Bernd Rützel sprach SPD-Kreisvorsitzender Sven Gottschalk. Er würdigte den Einsatz für die Gemeinschaft und die Förderung der Region. Ihm gefalle der Gedanke eines Christbaumlehrpfades, der Kindern zeige, woher der schöne Baum am Weihnachtsabend komme. „Die Botschaft der Christbäume aus Mittelsinn geht in alle Welt hinaus“, meinte er.

Pfarrer Gunnar Zwing und Diakon Konrad sprachen den Segen und dankten Gott für das Gedeihen der Christbäume. Zum Schluss sägte Landrat Schiebel assistiert von der Weihnachtsbaumkönigin symbolisch den ersten Christbaum. Er geht ans SOS-Dorf Hohenroth.

-> Lesen Sie ein Interview

mit Saskia Blümel auf Seite 29

Diakon Walter Konrad (links) und Pfarrer Gunnar Zwing (rechts) im Gespräch mit Ulrich Sachs vom Verein Christbaumdorf. Foto: Ivana Biscan
Manuel Müller von der Goikel-Bräu präsentiert zwei Weihnachtsbiere.

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