LOHR

Mitten im selbstbestimmten Leben

95 Jahre und kein bisschen müde: Bärbel Blenk feiert an diesem Montag Geburtstag. Foto: Rita Gress

„Man muss Sympathie haben für das, was man macht, dann gelingt es auch“, sagt Bärbel Blenk. Ihre Worte beschreiben sie selbst. An diesem Montag begeht sie ihren 95. Geburtstag.

Die Jubilarin hat einen hellwachen Geist, ist voller Temperament, Energie und Lebensbejahung. Sie versorgt sich eigenständig und steht mit beiden Beinen im selbstbestimmten Leben. „Wir dürfen uns da nicht einmischen, sonst kriegen wir eines auf den Deckel“, scherzt Sohn Josef „Seppl“ Blenk (bis 2016 SPD-Fraktionsvorsitzender im Stadtrat). Mit dem Aufstehen macht die Seniorin ihren Plan für den Tag. „Wenn alles geklappt hat, gehe ich zufrieden schlafen.“

Als sie 90 war, kaufte sie sich eine neue Küche und tauschte ihr altes Auto gegen eines mit Servolenkung. Auf Anraten ihres Sohnes setzt sie sich seit Weihnachten nicht mehr ans Steuer. „Leider!“, seufzt sie. „Aber meinen Führerschein gebe ich nicht ab.“ Ihr nächster Seufzer: Sie reise nicht mehr. In Brasilien, Russland und fast ganz Europa sei sie gewesen, nur nicht in England. Da möchte sie gerne hin, „aber es geht ja keiner mit.“ Seppl Blenk lacht: „Unsere Mutter meint noch immer, sie sei jung.“

Wenn sie über ihre fünf Enkel und zehn Urenkel spricht, strahlt sie. Ingo (44) wohnt seit vier Jahren mit der Oma im Haus in der Diebsbrunnenstraße. Er vermachte ihr die „Pflegekinder“ Hühner, Hasen und Katze.

Bei Breakdance-Auftritten ihres ältesten Urenkels Dominik (26) ist Bärbel Blenk dabei, egal, ob in Gießen, Würzburg oder Lohr. Kurz hebt sie den Finger: „Dem habe ich fest auf die Füße getreten, damit er einen ordentlichen Beruf erlernt. Was wäre, würde er hinfallen und müsste aufhören?“ Jetzt fange er sein Studium zum Physiotherapeuten an.

Das „Ziegelhütten-Mädle“ (heute Springerhof) Bärbel gehört zur Familie Fisch-Höfling und damit zu einer der ältesten Familien Lohrs. Ihr Vater Christoph war Fischermeister und Sandschöpfer, ihre Mutter Maria stammte aus Gunzenhausen in Mittelfranken. Bärbel ist die Drittgeborene von vier Kindern. Ihr Vater hätte einst sein Fischrecht an die Söhne abgeben können, doch konnten beide dieses nicht mit ihren Berufen in Einklang bringen. Das Recht erlosch. Es an die Töchter zu übertragen sei damals nicht erlaubt gewesen.

Mit 16 Jahren ging die junge Bärbel nach München und wurde dort als Rotkreuzschwester verpflichtet. 1943 kam sie nach Lohr zurück, um ihre schwerkranke Mutter zu pflegen. Im selben Jahr heiratete sie ihren Mann Josef. 1944 wurde sie als Lagerschwester und Betreuerin von Shitomir-Deutschen aus der Ukraine im St. Josefsheim in Pflochsbach eingesetzt.

„Kräuterweible“

1945 brachte sie Sohn Seppl zur Welt, 1947 Wilhelm. Bärbel Blenk arbeitete 40 Jahre lang im Service im Hotel „Post“ in Lohr. Ihre liebste Beschäftigung nach Feierabend war das Sammeln von Kräutern und Weidenröschen. Es brachte ihr den Namen „Kräuterweible“ ein. Bis heute macht sie Ringelblumensalbe und Kräutertees selbst.

Zwei Jahrzehnte lang war sie Triebfeder der „großen Tombola“ in Lindig und gründete die „Stickstube“. Beider Erlös kam karitativen Zwecken zugute. Für ihr soziales Engagement wurde sie 2002 von der Stadt ausgezeichnet, 2006 verlieh ihr der Landkreis die Verdienstmedaille in Bronze.

Mittlerweile lässt sie diese Aktivitäten ruhen. Sie stricke nur noch für die Jüngsten in ihrer Familie. Aufgegeben hat sie das Tanzen in der St. Pius-Tanzgruppe und das regelmäßige Schwimmen im Freibad.

Die Jubilarin ist verwitwet, auch ihre Geschwister sind verstorben. Ihren Festtag begeht sie im Kreis ihrer Familie und dann noch einmal mit über 30 Nachbarn. „Das wird eine größere Sach'“. Ihr Strahlen spricht für sich.

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