Lohr

Mopper und Schnüdel im Modell fertig

Roland Schaller in seiner Garage bei den letzten Handgriffen an den fast fertiggestellten Modellen der Mopper und Schnüdel Plastik.  Foto: Wolfgang Weismantel

Im Jahr 2018 kam der Lohrer Künstler Roland Schaller auf die Idee, für seine Heimatstadt eine Skulptur der traditionellen Mopper und Schnüdel zu gestalten. Jetzt sind die tönernen Modelle für die Gießerei fertig.

Schon 1996 hatte Schaller das Motiv um die Spitznamen der gebürtigen Lohrer und der Zugezogenen in einer karikaturistischen Zeichnung verarbeitet und nahm es jetzt für dieses Projekt wieder auf. Den in Lohr geborenen Mopper muss man sich als eine herzhafte Blutwurst hausgemachter Art vorstellen. Der zugezogene Schnüdel wirkt dagegen eher wie der Zipfel einer leeren Wurst, von der wenig Leckeres zu erwarten ist. Sie stehen für einen ganz speziellen schrägen lokalen Humor, den hier geborene und zugezogene Bürger der Stadt auf ihre Weise pflegen und der sie verbindet.

Erster Entwurf schon 2018

Den ersten Entwurf einer Skulptur mit diesen beiden Kerlen zeigte Schaller anlässlich der Jubiläumsausstellung der Gruppe Spess-Art 2018 in der Alten Turnhalle. Ein Jahr später hat er das Modell für die Bronzeskulptur nun fertiggestellt, das in diesen Tagen in die Gießerei gebracht wird.

Vorausgegangen war im April die Zustimmung des Stadtrates, der sich mehrheitlich für das Kunstwerk ausgesprochen hatte. Ein wesentlicher Grund dafür dürfte wohl neben der Gestaltung der Figuren und ihrer Wirkung im Stadtbild die Tatsache gewesen sein, dass Roland Schaller dieses Projekt für die Stadt kostenfrei realisieren möchte. Er erklärte sich bereit, die notwendige Summe von mindestens 45000 Euro über verschiedene Aktionen selbst aufzutreiben. Unmittelbar danach legte er los.

Garage zum Atelier gemacht

Für den langen, aufwendigen Arbeitsprozess, der ihn beinahe täglich beschäftigte, nutzte der Künstler seine Garage als Atelier, weil er entsprechend viel Raum benötigte. Um die Modelle herzustellen, verwendete er dabei als Grundlage für die Figuren ein geschweißtes Gerippe aus Eisenstäben. Darüber befestigte er eine Verkleidung aus Fliegendraht.

Danach hat er die plastisch hervortretenden Partien mit Bauschaum aufgefüttert, so dass anschließend die Modellierung der Details mit einem Spezialton erfolgen konnte. Zuletzt ging es nur noch darum, die Feinheiten mit einem Messer herauszuschneiden oder mit einer Feile die Oberfläche sanft für besondere Effekte zu bearbeiten.

Jetzt sind die Modelle der dreiteiligen Plastik nach sechsmonatiger Arbeit fertig und der Betriebsleiter der Gießerei Grundhöfer in Niedernberg kommt demnächst nach Lohr, um sie in Hinblick auf den komplizierten Guss in Augenschein zu nehmen. Wenn alles nach Plan läuft, können die Plastiken im Frühjahr aufgestellt werden. Der genaue Standort steht noch nicht fest, aber es gibt bereits mehrere Vorschläge, wie etwa im oberen Bereich der Städtischen Anlage oder vor dem neuen Rathaus rechts neben dem Eingang, über die dann zu entscheiden sein wird.

Urwüchsige Geschichten über Alt-Lohrer und Zugezogene
Früher erzählte man sich in Lohr die Erlebnisse und Begegnungen der Mopper und Schnüdel im Alltag oder beim Stammtisch. Dabei war es egal, ob sie wirklich historisch weit zurückreichten oder gerade erst erfunden worden waren. So erklärt Karl Anderlohr vom Lohrer Geschichtsverein die unterschiedlichen Versionen zu den Anfängen dieser Figuren. Er fügt hinzu, dass es schwer zu bestimmen sei, wie lange es diese eigenwillige, ironische Art der Begegnung zwischen Urlohrern und zugezogenen Bürgern schon gibt. Jedenfalls gehe es dabei immer um »die merkwürdigsten Sachen, an die man sich gut erinnern konnte«.
Nicht wenige der Geschichten, so Anderlohr, seien sogenannte »Wandersagen«, die man in leicht geänderte Form fast überall erzählt bekommt und die einfach an die lokale Situation angepasst worden seien.
Eine Auswahl der Mundartgeschichten über Mopper und Schnüdel kann man sich an sechs verschiedenen Stellen auf Hörbänken im Stadtgebiet von Lohr anhören.
Wer genauer erfahren will, was diese Typen so alles erlebt und sich gegenseitig humorvoll an den Kopf geworfen haben, der kann das bei dem Lohrer Historiker Otto Schecher nachlesen. Er hat all die »grundehrlichen, nicht immer ganz feinen« Geschichten schon vor Jahren veröffentlicht.
Das kleine Buch unter dem Titel "Do kö(nn)ste doch…" kann man zum Beispiel in der Stadtbücherei finden. Wie im Vorwort zu lesen ist, handelt es sich bei den Texten um "humoristische Kostbarkeiten", die auf keinen Fall verloren gehen dürften. Gesammelt hat sie der Autor durch mündliche Überlieferungen einzelner Alt-Lohrer Bürger vor allem bei Stammtischen. Außerdem konnte er auf Artikel der Lohrer Zeitung seit 1939 zurückgreifen. (ww)

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