Main-Spessart

Most wurde ausländischem Priester zum Verhängnis: Unfall gebaut

Mit Apfelwein gefüllte Gläser. Foto: Arne Dedert/dpa

Nicht der Messwein war's, sondern fränkischer Most: Nach dem Gottesdienst in einem Dorf im Landkreis Main-Spessart war ein ausländischer Priester vor einem halben Jahr abends bei einer christlichen Familie zu Gast. "Da haben wir geplaudert und Most getrunken", erzählte der 45-Jährige in Gemünden vor Gericht. Denn seine Wirkung hatte der Apfelwein, der mehr Alkohol enthält als Bier, nicht verfehlt: Betrunken baute er auf dem Heimweg am Steuer eines Autos einen kleinen Unfall und fuhr danach weiter. Seinen Führerschein bekommt der Aushilfspriester nun frühestens in ein paar Monaten wieder.

Der Priester entschuldigte sich vor Gericht. "Das war wirklich das erste Mal, dass ich Most getrunken habe." Er habe auf dem Weg zum Auto nichts Besonderes gespürt. Eigentlich hätte er die rund zwei Kilometer auch laufen können, aber es habe an jenem Abend im Mai geregnet, weswegen er das Auto nahm. Beim Abbiegen passierte es: Er fuhr zwei Verkehrsschilder um. Er dachte, es habe sich vielleicht um die Bordsteinkante gehandelt, sagte der Priester aus. Kurz nach dem Unfall wurden bei ihm 1,32 Promille Alkohol festgestellt.

Der Aushilfspriester wollte zuerst mit seinem Pfarrer reden

Warum er nach dem Unfall weiterfuhr, anstatt gleich die Polizei zu rufen, dafür führte er mehrere Gründe auf. "Ich muss zuerst mit dem Pfarrer reden, egal was passiert", nannte er als ersten Grund. Der Pfarrer müsse ihm dann sagen, was er zu tun habe. Zudem gehörte das Auto dem Bistum. Er sei zwar jetzt seit zwei Jahren in Deutschland und habe auch hier den Führerschein gemacht, aber er habe in der Fahrschule ehrlicherweise nicht alles verstanden und war nun das erste Mal in einer solchen Situation. Drittens sei es in seinem Heimatland üblich, zunächst einen sicheren Ort aufzusuchen, bevor man die Polizei ruft.

Auf der Weiterfahrt räumte er laut Polizeibericht in einer Straße noch vier Stühle ab. Ein Zeuge beobachtete das Geschehen und verständigte die Polizei. Der bei der Mostfahrt verursachte Schaden betrug rund 7000 Euro. Dem 45-Jährigen wurde der Führerschein entzogen.

Priester ist auf den Führerschein angewiesen

Sein Verteidiger wollte mit dem Einspruch gegen den Strafbefehl vor allem erreichen, dass die verhängte Sperrfrist von 14 Monaten, in der sein Mandant keinen neuen Führerschein bekommen darf, gesenkt wird. Der Priester sei auf den Führerschein angewiesen, weil er in der großen Pfarreiengemeinschaft mal hier, mal da in kleinen Orten Gottesdienst halten müsse, die Rorate-Messen im Advent sogar morgens um 6 Uhr.

Richterin Kristina Heiduck erkannte an, dass der Angeklagte geständig war und sich aufrichtig entschuldigt hat, blieb aber bei der Sperrfrist von 14 Monaten, die jedoch um die bereits verflossenen sechs Monate reduziert werden. Außerdem wurde er zu einer im Vergleich zum Strafbefehl etwas reduzierten Geldstrafe in Höhe von 60 Tagessätzen à zehn Euro verurteilt.

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