Karlstadt

Müllgebühren in Main-Spessart steigen wieder

Seit mehr als 20 Jahren waren sie gesunken. Der Landkreis sagt "Fehlwürfen" in Biotonnen den Kampf an.
Gegen Störstoffe im Biomüll will der Landkreis künftig konsequent vorgehen. Am häufigsten landet in Plastiktüten verpackter Biomüll in den Tonnen. Foto: Karlheinz Haase

Erstmals seit 1997 steigen im Landkreis Main-Spessart wieder die Müllgebühren. Der Umweltausschuss empfiehlt dem Kreistag einstimmig eine Erhöhung um durchschnittlich 9,5 Prozent. Doch auch mit dieser Lösung müssen die Bürger rückwirkend zum Jahresbeginn weniger bezahlen als vor zehn Jahren. Künftig wird es zudem Sanktionen bei falsch befüllten Tonnen geben – von Nichtleerung bis zum teuren Ersatz von Biomülltonnen und Papiertonnen durch Restmülltonnen.

Für die meisten Haushalte und Tonnengemeinschaften mit der kleinen 120-Liter-Tonne liegt die jährliche Mehrbelastung im Bereich von 12 bis 17 Euro, die Abfuhr der doppelt so großen 240-Liter-Tonnen kostet 29 Euro mehr.

Die Gebühren müssen kostendeckend sein

Grundsätzlich müssen die Müllgebühren kostendeckend sein. Wie Martin Oppmann, der Leiter des Bereichs Abfallwirtschaft, im Umweltausschuss erklärte, werden auftretende Unter- oder Überdeckungen werden jeweils in den nächsten Kalkulationszeitraum übernommen. Der beträgt im Landkreis Main-Spessart immer vier Jahre. Nach der letzten Erhöhung zum 1. Januar 1997 konnten die Müllgebühren viermal gesenkt werden.

Auch im letzten Kalkulationszeitraum wurde ein Überschuss erwirtschaftet. Die fast drei Millionen Euro verteilen sich aber ungleich auf die Jahre: 2016 und 2017 waren es je 1,2 Millionen Euro, was besonders der Annahme des Bauschutts von der Mainbrücke Gemünden auf der Kreismülldeponie zu verdanken ist und den guten Erlösen aus den Altpapierverkäufen. Für Papier aber ist der Preis vor drei Monaten massiv eingebrochen. Im Jahr 2018 kamen noch 370 000 Euro Kostenüberdeckung zusammen, im Jahr 2019 nur noch 220 000 Euro. Insgesamt entlastet die Überdeckung die Müllgebührenzahler in den nächsten vier Jahren jeweils um eine dreiviertel Million Euro, weil mit Verzinsung kalkuliert wird.

Wöchentliche Leerung von Großbehältern möglich

Seit 2016 gab es aber auch Kostensteigerungen, unter anderem für Personal, die Müllverbrennung und die 2019 eingeführten Mülltonnen im Eigentum des Landkreises. Die Kosten steigen von knapp 38 Millionen Euro im letzten Kalkulationszeitraum auf nun 39,4 Millionen Euro, während die Erlöse von 9,2 auf 6,5 Millionen Euro fallen.

Neben den moderaten Erhöhungen wird ab diesem Jahr auch die wöchentliche Leerung von Großbehältern mit 1100 und 5300 Litern, im Amtsdeutsch "Vierrad-Gefäße" genannt, angeboten. Das war ein Wunsch von vielen Kunden, die solche Behälter schon bisher wöchentlich leeren lassen, aber auf Abruf. Zum Vergleich: Ein 1100-Liter-Behälter alle zwei Wochen leeren zu lassen kostet jetzt jährlich 1284 Euro sowie wöchentlich 2043 Euro, ab Abruf sind es 51,50 Euro.

Relativ am meisten teurer wird der Grüngutsack mit 120 Litern, der jetzt 3,60 statt 2,50 Euro kostet. Der Preis für einen gleichgroßen Restmüllsack samt Leerung steigt um 30 Cent auf 4,30 Euro.

Kontrollen der Tonnen werden möglich

Der Landkreis nutzt die Gebührenänderung auch zur Aktualisierung seiner Abfallwirtschaftssatzung. Insbesondere wird dort nun genau definiert, was in die Biotonne darf, es werden Kontrollen insbesondere der Papier- und Biotonnen möglich sowie Sanktionen bei Falschbefüllung. Bekanntlich schlug das Humuswerk Main-Spessart im Jahr 2019 wegen Störstoffen aus der Biomüllabfuhr Alarm. In der Sitzung wurde ein Bild von der Abfuhr aus der Lohrer Altstadt vom 23. Januar gezeigt, auf dem zahlreiche Plastiktüten zu sehen sind. In der Satzung sind Kunststofftüten und kunststoffähnliche Abfallsäcke explizit verboten, auch wenn es einen Nachweis zur biologischen Abbaubarkeit gibt. Ebenfalls nichts in den Biotonnen verloren haben Kleintierstreu, Tierkadaver, Fäkalien, Erdaushub und Straßenkehrricht.

Sollte so etwas in der Tonne sein, muss sie der Kreis künftig nicht mehr leeren. Der Verursacher kann dann den Inhalt nachsortieren, über Restmüllsäcke entsorgen oder die Tonne bei der nächsten Restmüllabfuhr "sonderleeren" lassen. Letzteres kostet 16 Euro Verwaltungsgebühr plus drei Cent je Liter Gefäßgröße, also rund 20 Euro für eine 120-Liter-Tonne. Als "Ultima Ratio" kann der Kreis die Bio- oder Altpapiertonne bei fortgesetzten Verstößen gegen die Trennpflicht abziehen und durch eine gebührenpflichtige Restmülltonne ersetzen.

Der Umweltausschuss empfiehlt dem Kreistag einstimmig, die neuen Gebühren und geänderten Satzungen zu beschließen. Während die Gebühren rückwirkend zum Jahresanfang gelten werden, wird die Abfallwirtschaftssatzung erst mit Veröffentlichung, vermutlich im Mai oder Juni, in Kraft treten. Dennoch soll mit den Gebührenbescheiden, die üblicherweise im April verschickt werden, schon über die Änderungen informiert werden – insbesondere über die Trennpflicht und mögliche Sanktionen.

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