BURGSINN

Museumsfreak gibt Kulturtipps

Pflichtbesuch: Unbedingt ansehen lautet Mario Eiseles Tipp für das Brandenburger Tor in Berlin. Der Burgsinner unterhält einen Kulturblog, auf dem er Sehenswürdigkeiten und Museen bewertet.
Pflichtbesuch: Unbedingt ansehen lautet Mario Eiseles Tipp für das Brandenburger Tor in Berlin. Der Burgsinner unterhält einen Kulturblog, auf dem er Sehenswürdigkeiten und Museen bewertet. Foto: Björn Kohlhepp

Mario Eisele ist unersättlich. Objekt seiner Begierde sind Sehenswürdigkeiten. Vor allem Museen aller Couleur haben es dem 19-jährigen Burgsinner angetan. Ganz begeistert ist er etwa vom Deutschen Verpackungsmuseum in Heidelberg. Für ihn ist dieses Museum klar unterschätzt.

Damit das nicht so bleibt, bewertet er Museen und Sehenswürdigkeiten und gibt Tipps auf seiner eigenen Seite im Internet. Er sei der Erste mit einer solchen Seite, sagt Eisele. So lässt der 19-Jährige nun die ganze – zumindest deutschsprachige – Welt wissen, was er von den Attraktionen hält. Mal ist er begeistert, mal empfindet er ein Museum als Tortur.

Im Verpackungsmuseum gebe es unter anderem eine von nur noch drei Packungen einer Zigarettenmarke, die nur auf der Titanic verkauft worden sei. Für ihn ist das Museum deshalb ein Geheimtipp. Gar nicht gut weg kommt bei ihm hingegen das Foltermuseum im oberbayerischen Burghausen. Das Museum befindet sich in einem alten Folterturm der örtlichen Burg. Was erst einmal nicht schlecht klinge, meint Eisele, sei aber grottig umgesetzt. Die „drei, vier Nachbauten von Folterinstrumenten“, lieblos und kaum erklärt, empfand der 19-Jährige bei seinem Besuch als Folter.

„Das Foltermuseum liegt auf dem Weg zur Hauptburg“, schreibt er in seinem Bewertungsblog und fügt hinzu: „Einfach daran vorbeigehen und sich die Folter und das Geld sparen.“ Zwei von zehn Punkten gibt er dem Museum immerhin doch – die zwei Punkte verdankt es lediglich der „mittelalterlichen Atmosphäre im Turm“. Nur das „Haus der Natur“ auf dem Feldberg hat er als gleichermaßen schlecht empfunden.

Eisele kann stundenlang durch Museen tigern. Seine Freundin Verena, eine Salzburgerin, ist zwar ähnlich gepolt, aber nach drei Museen an einem Tag kann sie es auch mal gut sein lassen. Er hingegen hat sich etwa bei einem Museumsurlaub in Heidelberg gedacht: Da geht doch noch eins. Da seine Freundin, die auch mitbewertet, Österreicherin ist, finden sich momentan besonders viele österreichische Museen in seiner Bewertungsliste.

Mit 14, 15 – einem Alter, in dem sich Jungs meist für andere Dinge interessieren – sei es bei ihm mit der Leidenschaft für Museen losgegangen, erzählt er. Von seinen Eltern habe er das nicht unbedingt, die habe er eher dazu zwingen müssen, mit ihm mitzukommen. Seine Freunde daheim fänden sein großes Interesse für Museen auch etwas rätselhaft, aber beim Panzergucken im Museum für Militär- und Zeitgeschichte in Stammheim (Lkr. Schweinfurt) seien sie doch mit von der Partie gewesen.

Eisele sagt, dass er selbstverständlich nur Attraktionen bewertet, die er selbst besucht hat. Deswegen macht er sich bei Besuchen nun immer Notizen – und er fotografiert meistens auch selbst. Die Bayerische Schlösserverwaltung ärgere ihn ein wenig, weil die in ihren Schlössern überhaupt keine Fotos erlaube. Es amüsiere ihn dann aber, zu sehen, wie Angestellte japanischen Fototouristen hinterherliefen.

Die Idee zu seinem Bewertungsblog ist ihm im Botanischen Garten in Würzburg gekommen. Im Garten habe er sich gedacht, dass man dort einiges besser machen könnte. Was verbesserungswürdig ist, kann man nun auf seiner Internetseite nachlesen: Den Garten müsse man erst mal finden, da er schlecht ausgeschildert sei, und der Rundweg sei unübersichtlich gestaltet. Ansonsten ist er sehr angetan und gibt dem Botanischen Garten acht Punkte.

Und warum gleich eine eigene Internetseite dafür? Für Hotels und Bücher gebe es schon jede Menge Bewertungsseiten, aber eben nicht für Museen, Ausstellungen und Sehenswürdigkeiten wie Schlösser und Burgen, Gärten und Zoos.

Eisele, der nach der Wirtschaftsschule in Würzburg ein freiwilliges ökologisches Jahr absolviert und dann Spenden für Greenpeace gesammelt hat, möchte eine Ausbildung anfangen. Natürlich mache er sich Hoffnungen, dereinst seinen Lebensunterhalt zumindest teilweise von seinen Bewertungen bestreiten zu können, etwa durch Sponsoren oder Werbung auf seiner bisher werbefreien Seite.

Der Kultur- und Sehenswürdigkeiten-Blog ist im Internet zu finden unter

www.kultur-und-mehr.blogspot.de

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