Gemünden

Mutter wollte ihm nichts zu essen machen: Mann rastete aus

Ein 24-Jähriger aus dem Raum Marktheidenfeld stand in Gemünden vor Gericht, weil er seinen Stiefvater und seinen Bruder verletzte.
Das Amtsgericht in Gemünden. Foto: Michael Mahr

Das "scharfe Schwert der Freiheitsstrafe" bekam ein 24-jähriger Mann in seiner Verhandlung vor dem Amtsgericht Gemünden zu spüren. Er hatte in einem Familienstreit seinen Stiefvater und seinen Bruder verletzt. Einsitzen muss der ungelernte Arbeitslose jedoch nicht, denn Richterin Laura Paczesny setzte die zehnmonatige Freiheitsstrafe zur Bewährung aus.

Gewalttätigkeiten waren dem 24-Jährigen aus dem Raum Marktheidenfeld in der Vergangenheit nicht fremd. Bei nahezu allen acht im Bundeszentralregister registrierten Straftaten war Gewaltanwendung im Spiel. Bisher wurde alles mit zum Teil schon hohen Geldstrafen geahndet. Dieses Mal ließen Richterin und Staatsanwalt gleich durchblicken, war eine Geldstrafe kein Thema mehr.

Mann verletzte Stiefvater und jüngeren Bruder

Am 19. Mai war es in der Wohnung der vierköpfigen Familie gegen 22 Uhr zur nun verhandelten Auseinandersetzung gekommen. Der 24-Jährige hatte seiner Mutter berichtet, dass er bei einem Unternehmen zur Probe arbeiten kann. Gleich darauf wollte er noch etwas zum Essen gemacht haben. Die Mutter verweigerte die Zubereitung der Mahlzeit, wollte ins Bett. Darauf kam es zum Streit, der dann eskalierte. Dem Stiefvater schleuderte der Randalierer den gepackten Rucksack ins Gesicht. Den jüngeren Bruder warf er auf den Boden, verletzte ihn dabei durch Schläge und Tritte.

Daraufhin erfolgte der Rausschmiss aus der elterlichen Wohnung für den 24-Jährigen, der über sich selber sagt: "Ich bin ein aggressiver Mensch." Bei einem Freund in einem Nachbarort fand er Unterkunft, um "nicht auf der Straße zu landen".

Mutter: "Er ist kein schlechter Mensch"

Inzwischen konnten die Wogen wieder geglättet werden. Nach einer Aussprache und vielen Entschuldigungen wurde er wieder im Haushalt aufgenommen. "Er ist kein schlechter Mensch", meinte seine Mutter vor Gericht. "Wir haben uns in der Familie lieb, sehr lieb sogar und darum kracht es auch manchmal", schilderte sie das Familienleben. Allerdings, so die Frau weiter, "wird es Zeit, dass er den Arsch hoch kriegt, Arbeit findet und die Finger vom Alkohol lässt". Schwere körperliche Arbeit, bei der er die Wut raus lassen kann, wäre das, was ihr Sohn brauche.

Drogen und Alkohol waren lange Zeit schlechte Wegbegleiter für den Angeklagten, der ziemlich nervös in der Anklagebank saß und unruhig ständig mit Fingern, Händen und Armen hantierte. Drogen, so behauptete er, sind seit ein paar Wochen passé. Alkohol trinkt er aber immer noch. Therapien oder Gespräche bei Psychologen, Psychotherapeuten oder Ergotherapeuten hat er bis jetzt kategorisch abgelehnt. Nun sei er aber zu einer Therapie bereit, erklärte er der Richterin. Auch schwebt ihm die Teilnahme an einem Aggressionstraining vor.

Stiefvater und Bruder verweigerten die Aussage

Zum Vorfall im Mai verweigerten sowohl der 58-jährige Stiefvater wie auch der 19-jährige Bruder des Angeklagten die Aussage. So beantragte der Staatsanwalt eine Freiheitsstrafe von einem Jahr. Diese kann auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden. Zudem hielt er die Verhängung von 150 Stunden gemeinnütziger Arbeit für angebracht. Für die Bewährungszeit soll dem 24-Jährigen ein amtlicher Bewährungshelfer an die Seite gestellt werden.

In ihrem Urteil folgte Richterin Laura Paczesny weithin dem Antrag des Staatsanwalts, hielt aber zehn statt zwölf Monate Freiheitsstrafe für ausreichend. Dafür muss der Verurteilte jedoch innerhalb von sechs Monaten nachweisen, dass er sich um einen Therapieplatz bemüht hat. Der Angeklagte nahm das Urteil an. Die Staatsanwaltschaft gab noch keine Erklärung ab.

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