KARLSTADT

Nach 1950 explodierte Karlstadt

Jahrhundertelang war Karlstadt innerhalb der Stadtmauer geblieben. Extrem eng bebaut, benötigte die Stadt lediglich eine Fläche von 13 Hektar. Innerhalb von einem Jahrhundert sind rund 140 Hektar hinzugekommen, also gut das Zehnfache. Industrie- und Gewerbegebiete sind da noch gar nicht mitgerechnet. Das meiste entstand sogar innerhalb von nur 50 Jahren – zwischen 1950 und 2000. Wo es vorher kleinstrukturierte Felder mit Obstbäumen und Hecken gab, sind jetzt Häuser, Garagen und Straßen.

Das Kapuzinerkloster war im 17. Jahrhundert außerhalb der Karlstadter Stadtmauer gebaut worden. Ab 1900 wagten sich weitere Gebäude wie das Amtsgericht – heute Amt für Landwirtschaft – oder die evangelische Kirche aus dem Mauerring heraus.

45 Hektar Siedlungsfläche

Vor dem Zweiten Weltkrieg deutete sich mit einigen Wohnhäusern die spätere enorme Expansion an. Auch aufgrund der zugezogenen Flüchtlinge und Vertriebenen kam es nach dem Krieg zu einem enormen Bauboom im Areal zwischen Arnsteiner Straße und Grobenstraße sowie zwischen Bahnlinie und der späteren Bodelschwinghstraße. Rund 45 Hektar umfasst dieses Gebiet. Mitgerechnet sind das Gelände der Zentralschule und der Förderschule und die Fläche der Realschule mit Turnhalle und Hallenbad.

Hier wurden laut der von Manfred Schneider fortgeführten Chronik „Karlstadt – Geschichte einer Stadt in Franken“ 1949 nach dem Krieg 26 Privathäusern und drei Landkreiswohnblocks errichtet. 1950 folgten fünf städtische Wohnblocks mit 34 Wohnungen. Ende 1951 entstand die Baracken-Siedlung im Stationsweg. 100 Personen mit 65 Kindern lebten hier. Die Baracken wurden 1966 durch zwei neue städtische Blocks ersetzt.

Neue Läden in der Siedlung

1953 kamen die Zahnstraße, Dükerstraße, Ostlandstraße, Schlesierstraße und die Kapuzinerstraße hinzu. In dieser Siedlung eröffneten Geschäfte wie Schuhmann (Lebensmittel), die Bäckereien Frisch und Dietrich, die Metzgereien Dorsch und Ehehalt, die Drogerie Rehbock, das Gasthaus Schricker, Zahnarzt Schmitt.

In den 1960er Jahren wurden Wohnhäuser gebaut im sieben Hektar großen Gebiet zwischen der Grobenstraße, der Echterstraße und der Bodelschwinghstraße. Weitere sechs Hektar wurden südlich der Arnsteiner Straße bebaut.

Konzentrierte Bauweise

Bis zum Fuß des Saupurzels reichte das 14 Hektar große Baugebiet der 1970er Jahre am Tiefenweg. Mit Reihenhäusern und Bungalows wurde hier eine konzentrierte Bauweise verwirklicht. Parallel entstand Ende der 1970er Jahre das Gymnasium. Zusammen mit der Dreifachturnhalle und dem Stadion wurden rund zehn Hektar Land dafür verwendet.

Etwas aufgelockerter mit einer Mischung aus Reihenhäusern und Einzelhäusern ging es in den 1980er Jahren zwischen dem Heideweg und der Echterstraße weiter. 15 Hektar umfasst dieses Gebiet.

Wie weit noch?

Erstmals intensiv diskutiert, wie weit man in die Landschaft hineinbauen dürfe, wurde beim Baugebiet am Saupurzel. Nachdem versprochen wurde, dass es sich hier um ein „ökologisches“ Baugebiet handeln werde, glätteten sich die Wogen. So entstanden in den 1990er Jahren östlich des Berliner Rings auf einer Fläche von sechs Hektar Kettenhäuser mit großzügigen Freiflächen und parallel dazu oberhalb des Stadions weitere Häuser, die erstmals an den Hang des Saupurzels gebaut wurden. Zudem wurde in den 1990er Jahren das knapp sechs Hektar große Feld zwischen Echterstraße und Eußenheimer Straße bebaut. In dieser stadtnahen Lage erfolgte die Bebauung verdichtet.

Mit weiteren circa zwei Hektar erfolgte in den 2000er Jahren der Lückenschluss in der Gegend der ehemaligen Hühnerfarm zwischen der verlängerten Echterstraße und der Eußenheimer Straße.

Auf 18 Hektar addieren sich die Baugebiete Steinlein und Wurzgrund, die circa in den 2000er Jahre und derzeit bebaut wurden und werden.

In Karlstadt sinkt die Bevölkerungszahl in den nächsten 17 Jahren laut Hochrechnung um circa sieben Prozent. 2009 hatte die Kreisstadt noch 14 919 Einwohner, zum April 2018 waren es sogar 15 001, aber 2029 werden es nur noch 13 710 sein. Durchschnittlich ist eine Wohnung in Karlstadt 103 Quadratmeter groß.

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