Gemünden

Nach Rauswurf: Ex-Feuerwehrmann möchte wieder in die Wehr, Kommandant sagt Nein

Ein 44-Jähriger aus einem Gemündener Stadtteil musste die Feuerwehr verlassen. Gerne wäre er wieder dabei. Aber der Kommandant sagt, der Mann habe sein Vertrauen verspielt.
Symbolbild Feuerwehr Foto: Björn Kohlhepp

Der 44-Jährige aus einem Gemündener Stadtteil war ein leidenschaftlicher Feuerwehrmann. Schon in der Jugend war er Mitglied der Feuerwehr in seinem Heimatort bei Dettelbach (Lkr. Kitzingen). Er machte einen Maschinistenlehrgang und war Atemschutzgerätewart. Bei der freiwilligen Feuerwehr in einem Gemündener Stadtteil, in die er 2007 nach seinem Umzug eintrat, wurde er 2014 noch für 25-jährigen Feuerwehrdienst geehrt. "Ich war mit Leib und Seele dabei", sagt er. 2016 dann flog er raus, das erfuhr er aber erst nach einem Einsatz im Januar 2017.

"Er sucht Leute und andererseits schmeißt er sie raus", wirft der Mann dem Kommandanten der örtlichen Feuerwehr vor. "Ich würd's ja gern machen, aber mich haben sie rausgeschmissen." Sowohl beim federführenden Gemündener Kommandanten als auch bei der Stadt Gemünden habe man ihm gesagt, sie könnten da nichts machen. "Ich hab alle Hebel in Bewegung gesetzt, weil es nicht rechtens ist."

Ex-Feuerwehrmann: wegen Krankheit nicht zu Übungen

Was war da los? Er hätte nichts dagegen gehabt, mit Namen und Bild in die Zeitung zu kommen, aber die Redaktion hat entschieden, Namen und Foto in seinem eigenen Interesse nicht zu veröffentlichen. Die Version des ehemaligen Feuerwehrmannes geht so: Weil er herzkrank gewesen sei, habe er eine Zeit lang weder arbeiten noch den Feuerwehrdienst ausüben können. Das habe er auch der Feuerwehr mitgeteilt.

Das Dienstbuch des entlassenen Feuerwehrmannes. Foto: Björn Kohlhepp

Als er im Januar 2017 wieder genesen sei und am 17. Januar des Jahres die Sirene ging, sei er zum Feuerwehrhaus gefahren. Dort sei jedoch keine Dienstkleidung mehr gewesen, also sei er mit Einverständnis des anwesenden Vorsitzenden der Feuerwehr mit zum Einsatz gefahren. Es ging um eine Türöffnung, weil eine Frau einen Schlaganfall erlitten hatte. Bei der Rückkunft im Feuerwehrhaus habe ihm der Vorstand eröffnet, dass er schon im September 2016 aus der Feuerwehr geworfen wurde.

Der Vorsitzende erinnert sich etwas anders: Der Mann sei hinten eingestiegen, als er schon vorne gesessen habe, weswegen er die fehlende Ausrüstung erst am Einsatzort bemerkt habe. "Ich habe ihn dann an der Einsatzstelle nochmal darauf hingewiesen, dass er ohne Ausrüstung nicht helfen darf", so der Vorsitzende auf Anfrage.

Wie der Kommandant den Rauswurf begründete

Eine Woche später bekam der 44-Jährige einen Brief vom Kommandanten. Dieser liegt der Redaktion vor. Darin heißt es zur Begründung für den Rauswurf aus dem aktiven Dienst: Erstens sei er 2014, 2015 und 2016 nicht zum Ausbildungs- und Übungsdienst erschienen. Zweitens habe er bei mindestens zwei Einsätzen Weisungen des Gruppenführers erst nach einer Diskussion ausgeführt. Und dann soll er laut dem Kommandanten noch Feuerwehrleute im Dienst, darunter Jugendliche, bedroht haben. Nach einem Vorfall am 24. März 2016 habe er zudem den Kommandanten falsch beschuldigt und ihn und weitere Anwesende beleidigt.

Zum Vorwurf, er habe Befehle nicht gleich ausgeführt, sagt der ehemalige Feuerwehrmann, dass er sich keiner Schuld bewusst sei. Auch könne er sich nicht erinnern, jemanden bedroht zu haben. Dass er den Kommandanten einmal beleidigt hat, das räumt er jedoch ein. Er habe ihn nach dem Vorfall im März 2016 einen "Deppen" geschimpft. Das sei so gekommen: Er habe auf seinem Grundstück damals "knorziges Holz" verbrannt und dann seine Tochter mit dem Auto wohin fahren müssen, weswegen das schon weit heruntergebrannte Feuer kurz ohne Aufsicht gewesen sei. Irgendwer habe jedoch Alarm geschlagen und es seien sogar zwei Nachbarfeuerwehren angerückt.

Kommandant sieht sich zu unrecht beschuldigt

Von Polizisten will der 44-Jährige erfahren haben, dass der Kommandant, der nur 100 Meter von ihm entfernt wohne, derjenige war, der den Alarm ausgelöst habe. Dabei habe der doch gewusst, wem das Grundstück gehört. Er habe ihn deshalb später im Ort zur Rede gestellt und ihn dabei beleidigt. Aber: "Feuerwehr ist Feuerwehr, privat ist privat", meint er. Nach dem Rauswurf habe er kein Wort mehr mit ihm gewechselt. Der Kommandant sagt auf Anfrage, dass er es gar nicht gewesen sein könne, der ihn angezeigt hat, da er zu der Zeit beruflich in Finnland geweilt habe.

Im Schreiben des Kommandanten heißt es: "Das notwendige Vertrauen, das ein Kommandant in einen Feuerwehrdienstleistenden setzen muss, ist in Ihrem Falle bei mir nicht mehr vorhanden." Es habe kein Anhörungsverfahren gegeben, da der Mann durch seine "lange unentschuldigte Abwesenheit vom Feuerwehrdienst kein Interesse an diesem mehr zeigte". Er hätte ja auch auf Schulungsabende oder zur Hauptversammlung kommen können, das gehe auch, wenn man krank geschrieben sei. Aber er habe es nicht getan.

Auf eine schriftliche Mitteilung des Ausschlusses wurde verzichtet

Auf eine schriftliche Mitteilung seines Ausschlusses sei verzichtet worden, da dies in der Vergangenheit bei keinem anderen Kameraden notwendig gewesen sei. Der Kommandant räumt ein, dass er ihn vielleicht hätte informieren sollen über seinen Rauswurf. Andererseits seien es damals insgesamt drei oder vier Feuerwehrkameraden gewesen, deren Klamotten er aus dem Spind genommen hätte, weil sie seit zwei, drei, vier Jahren nicht mehr gekommen seien. Bei keinem sei es ein Problem gewesen. Es sei grundsätzlich auch kein Problem, wenn Ausgetretene wieder mitmachen wollen. "Der Ton macht die Musik", so der Kommandant.

Dass der Mann bei dem Einsatz am 17. Januar ohne Ausrüstung mitfuhr, nennt der Kommandant im Brief "eigenmächtig" und "unverantwortlich". "Dies hat nicht nur Sie, sondern auch Feuerwehrkameraden gefährdet." Er habe auch "im Weg herumgestanden", sagt der Kommandant. "Ihr anschließendes Verhalten gegenüber dem neuen Vorstand der Feuerwehr, den Mitarbeitern der Stadt und dem Federführenden Kommandanten hat mich in meiner getroffenen Entscheidung bestärkt", heißt es im Brief.

Kommandant: Keiner habe mehr Vertrauen in den 44-Jährigen

"Es ist die Masse an Sachen gewesen", sagt der Kommandant im Gespräch mit der Redaktion. Bei der Feuerwehr habe keiner mehr Vertrauen in ihn. Er bleibt bei den im Schreiben erhobenen Vorwürfen. "Dass er mich beleidigt hat, darüber hätte ich noch hinwegsehen können, aber als ich erfahren habe, dass er die Jugendlichen bedroht hat, da war es für mich aus." Es sei typisch für den ehemaligen Kameraden, dass er immer alles abstreite.

Der Kommandant schreibt mit Verweis auf Artikel 6 Absatz 3 des Bayerischen Feuerwehgesetzes: "Die Entscheidung über die Aufnahme von Feuerwehrdienstleistenden trifft einzig und allein der Kommandant der örtlich zuständigen Gemeinde." Es kommt immer wieder vor, dass hinausgeworfenen Feuerwehrleute vor dem Verwaltungsgericht auf Wiederaufnahme klagen. Das hätte der 44-Jährige ja tun können, sagt der Kommandant. Aber wenn er wieder in seine Feuerwehr einträte, würden fünf, sechs seiner Leute austreten.

Ehemaliger Feuerwehrmann könnte in andere Feuerwehr eintreten

Außerdem stehe es ihm frei, in einer anderen Feuerwehr im Stadtbereich Gemünden oder in der Gemeinde, wo er arbeitet, in der Feuerwehr aktiv zu werden. Das Argument des 44-Jährigen, nur in seinem Wohnort höre er die Sirene, lässt der Kommandant nicht gelten. Er könne sich ja einen Piepser kaufen. Der Kommandant kenne auch Kameraden aus Massenbuch oder Hofstetten, die in der Gemündener Feuerwehr Dienst tun, da gehe es ja auch.

Der hinausgeworfene Feuerwehrmann ist enttäuscht. Er glaubt, dass er in der Feuerwehr von Nutzen wäre. Oft würden Fahrer für die großen Fahrzeuge gesucht – er habe einen großen Lkw-Führerschein. Aber es sieht nicht so aus, als würde er bald wieder Dienst in der Feuerwehr seines Wohnortes tun. Das rote Dienstbuch mit dem Nachweis seiner langen Feuerwehrtätigkeit, das normalerweise bei der Feuerwehr ist, hat er jetzt bei sich zu Hause.

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