KARLSTADT

Nachhilfestunden am Computer

Viel Spaß beim Lernen: Eine Diaschau, die das Ehepaar Pohl während des Computer-Kurses in Karlstadt erstellt hat, lockt alle Kursteilnehmer vor den Bildschirm. Foto: Sara Sophie Schmitt

Mit spitzen, noch etwas ungeübten Bewegungen fährt Manfred Schramm über die Tastatur – immer auf der Suche nach dem richtigen Buchstaben. Er drückt das B, dann das I. Bis er das E findet, dauert es einige Sekunden. Der Rest des Wortes geht dann wie von selbst. Mit der Einfinger-Such-Technik hat er die vorgebene Website aufgerufen: www.bier-deluxe.de. Auch auf den Bildschirmen links und rechts von ihm prangt das große Logo der Internetfirma. Gemurmel wabert durch den Raum. Hier und da wird gelacht.

Es geht nicht ganz so streng zu wie in der Schule, obgleich es genau genommen eine solche ist. Jeden Montag zwischen 14 und 17 Uhr treffen sich Männer und Frauen im Internet-Café für Senioren in der Herold-Stiftung Karlstadt, um gemeinsam den Umgang mit Computer und Internet zu pauken.

Einer der Schüler ist Manfred Schramm. Er ist 71. Selbst wenn ihm das Tippen nicht so leicht von den Fingern geht wie so manch Jüngerem, das Internet ist für ihn längst kein Buch mit sieben Siegeln mehr. An seinem Computer schlägt er historische Ereignisse nach oder googelt die Antworten für Quizsendungen im Fernsehen. Auch der 78-jährige Retzbacher Erhard Müller ist firm im Umgang mit der neuen Technik. Er kauft über das Internet ein, erstellt Excel-Tabellen und hat all seine Dias eingescannt und archiviert. Doch die beiden Männer stoßen immer wieder an ihre Grenzen.

„Wir möchten die Senioren im Umgang mit Computer und Internet schulen. Sie lernen bei uns nicht nur, wie man eine E-Mail schreibt, sondern auch, wie man eine eigene E-Mail-Adresse einrichtet“, erklärt Kursleiter Alfons Jakob. Vor einigen Monaten hat der 61-jährige Karlstadter den Kurs von seinem Vorgänger Horst Frickel übernommen.

Unter dessen Leitung ist das Internet-Café vor rund 14 Jahren gegründet worden. Seit dieser Zeit hat sich einiges gewandelt: der Umzug nach Karlstadt, andere Teilnehmer, die Veränderung der Termine. Früher gab es zwei Kurse in der Woche, dann wurde auf einen reduziert. „Inzwischen sieht es so aus, als müssten wir wieder zwei Termine anbieten“, sagt Frickel. Trotz aller Veränderungen, die Grundidee ist in all der Zeit gleich geblieben. „Wir wollen nicht computerdumm in die Kiste fallen“, sagt Horst Frickel und lacht.

Wirklich „computerdumm“ scheinen jedoch die wenigsten der zwölf Kursteilnehmer an diesem Tag zu sein. Viele von ihnen haben ebenso wie Manfred Schramm oder Erhard Müller einen eigenen PC zu Hause. Auch Hilde und Eckhard Pohl sind seit einem Jahr Besitzer eines eigenen Laptops, den sie immer mit in den Kurs bringen. „Wir haben eine neuere Software und da ist einiges anders. Deswegen wollen wir direkt an unserem Laptop arbeiten.“

„Wir wollen nicht computerdumm in die Kiste fallen.“
Horst Frickel, früherer Kursleiter

Ein Problem, dass viele Kursteilnehmer haben. Denn die Ausstattung im Internet-Café ist in die Jahre gekommen. „Viele der Rechner sind älter als zehn Jahre“, sagt Alfons Jakob. Ein Thema, das offensichtlich bewegt. Innerhalb kürzester Zeit melden sich die anderen Senioren zu Wort, um ihren Unmut kundzutun.

Das Ehepaar Pohl indes bastelt an einer Diashow mit Bildern der Kursteilnehmer. Hilde Pohl bedient die Tastatur, Eckhard Pohl die Maus. Es dauert eine Weile, viele Fragen kommen auf und werden vom stellvertretenden Kursleiter Wolfgang Pfeiffer beantwortet, aber dann ist es geschafft. Kaum ist die Diaschau fertig, drängen sich die anderen Senioren dicht an dicht um den kleinen Bildschirm. „ Du siehst ja viel jünger aus auf dem Bild“, sagt einer. „Das liegt daran, dass ich das neue Windows7 habe“, sagt Eckhard Pohl und lacht.

Überhaupt wird viel gelacht an diesem Tag. Man bekommt den Eindruck, die Senioren kommen nicht nur zum Lernen ins Internet-Café, sondern vor allem wegen der Geselligkeit und der Gemeinschaft in der Gruppe. Sie helfen sich gegenseitig, geben sich Ratschläge und erzählen Witze. Beinahe vergessen sie darüber die Zeit. Um kurz nach 17 Uhr ist Schluss. Die Pohls klappen ihren Laptop zu. Und auch Manfred Schramm fährt den Rechner herunter. Mit der Maus fährt er über den Bildschirm und klickt die entsprechenden Felder an. Diesmal wirkt es gar nicht mehr zögerlich.

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