FRAMMERSBACH

Nationalpark: „Unsinnige Konkurrenz“ beenden

Nationalpark: Vor der Entscheidung im Kabinett schlagen zwei Spessarter einen Nationalpark „Fränkische Naturwälder“ vor. Die Rhöner Musikformation Spilk hat sich auf die Diskussion einen Reim gemacht.
Burkhard Büdel
Burkhard Büdel Foto: Klaus Gimmler

Die Entscheidung naht: An diesem Dienstagvormittag könnte das Kabinett von Ministerpräsident Horst Seehofer eine Entscheidung darüber fällen, wie die weitere Strategie in der Suche nach einem dritten Nationalpark in Bayern aussieht. Experten gehen davon aus, dass Spessart wie Frankenwald aus dem Rennen sind – zu groß war die Kritik dort.

Vor der Entscheidung in München haben nun zwei Spessartbewohner einen neuen Vorschlag gemacht: In einem Schreiben an diese Redaktion fordern Joachim Rüppel und Burkhard Büdel, beide aus Frammersbach (Lkr. Main-Spessart), einen Nationalpark „Fränkische Naturwälder“. Vor allem Büdel hat sich zuletzt einen Namen als Befürworter eines Spessart-Nationalparks gemacht.

Video

Rhöner Volksmusik-Trio Spilk: "NP3- Der Nationalparksong" - das ganze Lied - Das Rhöner Volksmusik-Trio Spilk haben mit ihrem neuen Lied "NP3- Der Nationalparksong" ein aktuelles Thema in der Rhön aufgegriffen. Mit Witz und Ironie nehmen sie darin die Nationalpark-Gegner auf die Schippe.

Der Botaniker, Professor an der Universität Kaiserslautern, hatte sich unlängst im Interview mit dieser Redaktion für den Nationalpark im Spessart ausgesprochen, „weil er und seine Artenvielfalt massiv bedroht sind durch den Wegfall der früheren Nutzung, der extensiven Landwirtschaft. Die Täler sind zugebaut, die artenreichen Wiesen sind verschwunden. Wo Wiesen noch genutzt werden, sind sie hochgedüngte, artenarme Wirtschaftswiesen. Man meint immer, wenn etwas grün ist, ist es intakt. Das ist es nicht. Der Laie sieht es nur nicht ohne Weiteres.“

Nun bringt Büdel zusammen mit Rüppel eine neue Idee ins Spiel: „Die derzeitige Konkurrenz zwischen den geeigneten Laubwaldgebieten Frankens ist naturschutzfachlich wie regionalpolitisch unsinnig“, schreiben die beiden und fordern einen Nationalpark „Fränkische Naturwälder“: „Im Spessart, in der Rhön und im Steigerwald haben wir doch schützenswerte Laubwälder, die gerade im Verbund ein hohes Potenzial für die Bewahrung bzw. Wiedererlangung der biologischen Vielfalt aufweisen.“

Ein regionales Schutzkonzept, das alle drei Gebiete einbeziehe, „würde dem Naturschutz am besten gerecht. Die Verteilung der angestrebten Schutzfläche auf die genannten Gebiete böte auch bessere Möglichkeiten, um die gegebenen Verhältnisse zu berücksichtigen und Nutzungskonflikte auszutarieren. Das könnte durchaus ein zukunftsweisendes Herangehen für Länder darstellen, die wie Deutschland kaum über großflächige Wildnisgebiete verfügen, aber trotzdem ihrer Verantwortung für die Lebensqualität der eigenen Bevölkerung und die Zukunftssicherung der Menschheitsfamilie gerecht werden wollen.“

Rhön-Rebellen: In angsteinflößender Montur haben sich die drei Spilk-Musiker für ihr Nationalpark-Musikvideo präsentiert. Exklusiv in der Main-Post sagen sie dem Nationalpark den Kampf an.
Rhön-Rebellen: In angsteinflößender Montur haben sich die drei Spilk-Musiker für ihr Nationalpark-Musikvideo präsentiert. Exklusiv in der Main-Post sagen sie dem Nationalpark den Kampf an. Foto: Gerhard Fischer

Selbst wenn die zunächst als Kernzonen ausgewiesenen Einzelflächen in den drei Zielgebieten kleiner ausfallen sollten als die im Bayerischen Naturschutzgesetz genannten 10 000 Hektar, könne insgesamt ein deutlich größeres Schutzareal angestrebt werden. „Schließlich könnte ein regionales Projekt mehr Menschen beteiligen und wohl auch begeistern, vor allem auch in den Städten und Gemeinden, die in der Nähe der Schutzgebiete liegen“, so die beiden Frammersbacher. In ein derartiges Konzept ließe sich auch der Erhalt alter Kulturlandschaften Unterfrankens in den drei genannten Gebieten, ähnlich dem in der Rhön verwirklichten Biosphärenreservat, integrieren.

  • Fragen und Antworten: Was ist eigentlich ein Nationalpark?

„Kleinkariertes Denken, unbegründete Ängste und sinnlose Grabenkämpfe drohen die gute und wichtige Idee eines Nationalparks zum Schutz der Laubwälder und insbesondere der Rotbuchen in Franken kaputtzumachen“, so Büdel und Rüppel. „Daran trägt auch die bayerische Staatsregierung eine erhebliche Mitverantwortung. Denn der Ausschluss eines grundsätzlich geeigneten Gebiets wie des Steigerwalds hat einen verhängnisvollen Präzedenzfall geschaffen. Kein Wunder also, dass jetzt im Spessart und in der Rhön ebenfalls versucht wird, die Meinung von einigen Parteigängern über die Belange des Naturschutzes zu setzen.

Wenn es der Staatsregierung wirklich ernst damit ist, die Biodiversität zu erhalten und Naturerleben zu ermöglichen, dann muss sie einen offenen Dialog über die besten Konzepte zulassen und unterstützen.“

Derweil treibt die Diskussion um einen Nationalpark in Unterfranken weiter auch bunte Blüten: Nun hat sich Spilk, das Rhöner Volksmusik-Trio mit dem unnachahmlichen Hang zu Schenkelklopfer-Texten, mit einem Nationalpark-Song zurückgemeldet. Nach einer längeren Pause legen die Musikanten wieder los. Im Visier: die Nationalpark-Gegner.

Derb-witzig ist der Beitrag von Spilk zur Nationalpark-Debatte. Die drei Musiker (von links) Joachim Bühner, Frank Schmitt und Martin Reinhard zeichnen ein Charakterbild des Rhöners, das die Lachmuskeln stimuliert.
Derb-witzig ist der Beitrag von Spilk zur Nationalpark-Debatte. Die drei Musiker (von links) Joachim Bühner, Frank Schmitt und Martin Reinhard zeichnen ein Charakterbild des Rhöners, das die Lachmuskeln stimuliert. Foto: Gerhard Fischer

Spilk, das sind Frank Schmitt (Steinach) an der Steirischen, Joachim Bühner (Sandberg) am Bariton-Horn und Martin Reinhard (Haibach) an der Gitarre. Vor allem Frank Schmitt ist kein Unbekannter. Als Frontmann der Formation „Rhöner Bluat“ hat er mit seiner Band jahrelang die Hallen im nördlichen Unterfranken und darüber hinaus gefüllt.

 

Mit der Gruppe Spilk und seinen beiden Begleitern hat Schmitt seine musikalische Bestimmung gefunden. Schön musizierte, schmissige Volksmusik und dazu Texte, die mit viel Humor, gerne auch der derben Sorte, den Rhöner Charakter auf die Schippe nehmen.

Spilk ist ein Rhöner Begriff mit Wurzeln im Mittelhochdeutschen und bedeutet so viel wie „Zum Ratschen in die Nachbarschaft gehen“ oder „einen geselligen Abend verbringen“. Nun haben sich Spilk des aktuell heißesten Rhöner Themas angenommen. Die drei Musiker haben sich so ihre Gedanken gemacht zu einem möglichen Nationalpark in der Rhön, über den diesen Dienstag das Kabinett entscheiden soll.

Für ein exklusives Main-Post-Video sind die drei Spaßvögel sogar in Rebellen-Uniformen geschlüpft. Mit Mistgabel, Gewehrstutzen und Sense bilden sie das Widerstandsnest gegen einen Nationalpark und wollen von Fremden, Touristiken oder gar Münchner Politikern nichts wissen.

Der Text zu der schmissigen Weise malt anfangs ein Horrorszenario an die Wand: Kommt es zum Nationalpark, dann dürfen Männer samstags nicht mehr beliebig lange im Wald ihr Brennholz machen, sondern müssen sich plötzlich um Frau und Kind kümmern und ins Schwimmbad oder zu Ikea gehen. Auch Jäger und Mountainbiker stimmen ein Klagelied an.

Nur findige Landwirte wittern die Chance und machen aus ihren Stallungen lieber Ferienwohnungen und verkaufen den Holzspalter bei Ebay. Letztendlich verrät nur der Schlusssatz des Stücks, wie sich Spilk positioniert. Die Rhöner Charakterstudie mit Akkordeon-Begleitung dürfte letztendlich aber beiden Lagern in der Nationalpark-Debatte gefallen.

„Inspiriert haben uns qualifizierte Statements aus der Sandberger Bürgerversammlung“, sagt schmunzelnd Frank Schmitt. Und fügt hinzu: „Wir wollen die kleinkarierten, subjektiven Intentionen wichtiger Randgruppen unterstützen.“

Nichts verstanden? Dann hier eine Kurzversion des Songs mit Untertiteln!

Rückblick

  1. Warum unterfränkische Waldstücke jetzt zu "Naturwäldern" werden
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  4. Söder im Interview: "Ich bin ein Fan der Rhön"
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  8. „Wir brauchen keinen übergestülpten Nationalpark“
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  10. WWF–Ehrenpräsident Drenkhahn: CSU hat Resignation „geplant“
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  12. Nationalpark: Diskussion bleibt vage
  13. Söder ist skeptisch ob „dieser Nationalparksidee“
  14. Aus für den Nationalpark in der Rhön?
  15. Antrag an Landrat: Chancen eines Nationalparks erörtern
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