KARLSTADT

Neubauten günstiger als Umbau im Bestand

Eindrucksvoll zeigt dieses Foto den Flächenverbrauch weniger Jahrzehnte. Beschränkte sich Karlstadt bis Kriegsende weitgehend auf den Stadtmauerring, so dehnte es sich in den Folgejahren rasant aus.
Eindrucksvoll zeigt dieses Foto den Flächenverbrauch weniger Jahrzehnte. Beschränkte sich Karlstadt bis Kriegsende weitgehend auf den Stadtmauerring, so dehnte es sich in den Folgejahren rasant aus. Foto: Jannik Lamprecht

Wie Karlstadt nach dem Krieg explosionsartig gewachsen ist, so gab es in vielen anderen Orten ähnliche Entwicklungen. Der Bayerische Bauernverband (BBV) betrachtet mit Sorge den Flächenverbrauch, mit dem „den Bauern der Boden unter den Füßen weggezogen wird“.

Kritisch sieht der BBV die Kompensationsverordnung. Für Flächen, die bebaut werden, müssen laut dieser Verordnung an anderer Stelle der Natur Flächen zurückgegeben werden. Meist waren die bebauten Flächen zunächst Äcker. Und auch die Ausgleichsflächen dafür waren in der Regel landwirtschaftlich genutzt. Damit werde der Landwirtschaft doppelt Boden genommen.

Der BBV propagiert dagegen beim Wohnungsbau konsequente Innenentwicklung, Verdichtung und flächenschonendes Bauen. In einem Positionspapier schreibt er, es müsse ein Begründungszwang ins Landesentwicklungsprogramm aufgenommen werden. Nur so könne die Innenentwicklung tatsächlich Vorrang vor einer weiteren Inanspruchnahme des Außenbereichs haben.

Altorte bluten aus

Als Hauptgrund für die gegenläufige Entwicklung sieht der BBV, dass Kommunen auf dem Land versuchen, durch neue, günstige Bauflächen mehr Unternehmen und Einwohner zu gewinnen. Die finanziellen Anreize seien zudem falsch gesetzt. Das mache den Neubau eines Einfamilienhauses viel günstiger als eine Investition und einen Umbau im Altbestand. Die Folge: Alte Gebäude in den Dörfern stehen leer, während am Ortsrand neue Häuser entstehen.

Markus Peters, Pressesprecher in der Münchner BBV-Zentrale, weist darauf hin, dass dies noch verstärkt wird: Kindergärten, Schulen, Ärzte, Einzelhändler – alles ballt sich in zentralen Orten. Teilweise finden sich mehrere Discounter nebeneinander, während in Dörfern gar kein Laden mehr ist. Das wiederum führt zu mehr Autoverkehr. Und letztlich könnten eines Tages die Immobilienpreise auf dem Land verfallen.

Umdenken muss stattfinden

Auch für Großmärkte gebe es keinen Anreiz zum Flächensparen, etwa durch Tiefgaragen oder Parkhäuser, weil die Flächen für deren Parkplätze zu billig seien, kritisiert Peters. Schließlich müsse ein Umdenken stattfinden bei der Gewerbesteuer. Momentan sei noch jede Kommune darauf erpicht, Gewerbe anzulocken. So entstünden teilweise riesige Gewerbegebiete auf der „grünen Wiese“ beziehungsweise auf bestem Ackerboden. Sinnvoller wäre es, eventuell neues Gewerbe an bestehende Gebiete anzudocken. Ländliche Kommunen sollten stattdessen Anreize setzen, damit Vermieter und Käufer in bestehende Immobilien investieren und so die Landschaft nicht weiter zersiedeln.

Der Verlust an landwirtschaftlichen Flächen seit 1960 liegt in Bayern gemäß den Bayerischen Agrarberichten und dem Landesamt für Statistik bei mehr als 840 000 Hektar. Dies entspricht in etwa dem heutigen Umfang an Acker- und Grünland von Unterfranken und Schwaben insgesamt.

Wenn an einer Stelle Flächen zugebaut oder mit Asphalt versiegelt werden, müssen an anderer Stelle der Natur Ausgleichsflächen zurückgegeben werden. Der Bauernverband sieht die Landwirte damit doppelt geschädigt. Das Foto entstand auf dem Parkplatz der Hammersteig-Märkte in Karlstadt.
Wenn an einer Stelle Flächen zugebaut oder mit Asphalt versiegelt werden, müssen an anderer Stelle der Natur Ausgleichsflächen zurückgegeben werden. Der Bauernverband sieht die Landwirte damit doppelt geschädigt. Das Foto entstand auf dem Parkplatz der Hammersteig-Märkte in Karlstadt. Foto: Karlheinz Haase

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