Main-Spessart

Neuer Klinikreferent Bostelaar: "Krankenhaus-Neubau ist der richtige Weg"

Der neue Klinikreferent René Bostelaar hat viele Ideen, das Klinikum Main-Spessart auf Vordermann zu bringen. Foto: Joachim Spies

Offiziell tritt René Alfons Bostelaar am 4. November seine Stelle als neuer Referent des Klinikums Main-Spessart an. Seine Arbeit aber hat er schon aufgenommen, seine neue Wohnung in Lohr schon bezogen. Im Interview spricht er über seine Pläne.

Wie ist ihr erster Eindruck vom Klinikum Main-Spessart?

Bostelaar: Ich bin noch nicht tief eingearbeitet. Aber hier wurden viele richtige Entscheidungen getroffen, die auch schmerzhaft sind, das ist klar. Der Neubau eines Krankenhauses ist der richtige Weg. Hut ab vor dem Freistaat, der das mit 100 Millionen Euro fördert. 

Wie gehen Sie an Ihre Aufgabe ran?

Bostelaar: Gesundheit ist das höchste Gut, das der Mensch hat. Ich bin hierhin gekommen, um für die Menschen eine gute Gesundheitssituation zu schaffen. 

Klinikreferent René Bostelaar Foto: Joachim Spies

Wie geht das konkret?

Bostelaar: Zunächst werde ich alles sondieren und viele Gespräche führen mit Politikern, mit Hausärzten, unseren Klinikärzten, Mitarbeitern, aber auch mit Bürgern. Ich bin sehr kommunikativ, ich gehe auf die Leute zu. Wir werden viel diskutieren und ich werde viel zuhören.

... und dann?

Bostelaar: Bis Oktober 2020 werde ich einen Masterplan erstellen. Dieser wird dann vorgestellt, vom Kreisrat beschlossen und umgesetzt.

Was sind die Bestandteile dieses Masterplans?

Bostelaar: Da geht es um Fragen wie: Wie können wir die Immobilien nutzen? Wie gestalten wir den Neubau? Wie stellen wir uns medizinisch auf? Ich glaube, wir brauchen eine bodenständige, sehr gute Medizin. Wir müssen auch das Thema Altersmedizin forcieren. Die Hälfte der Leute im Landkreis ist über 50, das ist ein wichtiges Thema. Alte Menschen möchten in der Region bleiben, die sie kennen. Das ist ein Auftrag für den Landkreis und das Klinikum. Aber auch die Nachwuchsgewinnung in allen Bereichen ist ein wichtiges Thema. Dass wir ein Lehrkrankenhaus sind, ist wichtig und hilft bei der Nachbesetzung von Fachärztestellen. 

Wie steht's um die Wirtschaftlichkeit?

Bostelaar: Wir haben viele Millionen Euro Minus im Jahr. Das Defizit zu verringern wird nicht einfach, aber wir müssen ein Konzept erstellen, das die finanzielle Lage deutlich verbessert. Wir müssen herausfinden: Wo geben wir unnötig Geld aus? Da müssen wir auch schon im Kleinen beginnen, Computer über Nacht ausschalten und das Licht ausknipsen, wenn man einen Raum verlässt.

Worauf setzen Sie Hoffnungen?

Bostelaar: Die Digitalisierung wird uns massiv nach vorne bringen. Sie bietet uns viele Möglichkeiten, Zeit einzusparen. Diese Zeit können wir besser am Patienten einsetzen. Das kann uns in vielen Bereiche Vorteile bringen.

Worin sehen Sie Probleme?

Bostelaar: Ich habe ähnliche Prozesse schon mehrfach begleitet. Ein gut ausgearbeitetes und kommuniziertes Change Management ist entscheidend. Wir müssen Wege und Strategien finden, die Mitarbeiter mitzunehmen, denn wir wollen ein attraktiver Arbeitgeber sein. Die Mitarbeiter sollen gerne hier arbeiten. Wenn sich die Mitarbeiter wohl fühlen, fühlen sich auch die Patienten wohl. 

René Bostelaar im Gespräch Foto: Joachim Spies

Im März 2020 wird ein neuer Landrat gewählt.

Bostelaar: Ich wurde einstimmig vom Kreistag gewählt, da haben einige der neuen Landratskandidaten mit abgestimmt. Ich habe einen klaren Plan vorgelegt und wurde ausgewählt. Alle Kandidaten haben "Gesundheit" sehr weit oben auf ihrer Agenda.

An ihrer letzten Station führte der Wechsel des Landrats zu ihrer Demission ...

Bostelaar: Ich habe in Aachen zwei Krankenhäuser in einem Neubau mit 650 Betten für 50 Millionen Euro zusammengeführt. Wir haben dort einen Masterplan und einen Business-Plan aufgestellt.  Aber es gab zwei Gesellschafter der zuvor zwei Krankenhäuser: die Knappschaft Bahn See und den Landkreis. Die Hauptgeschäftsführung hat dann die Knappschaft übernommen. Nach der Wahl eines neuen Landrats haben wir uns aufgrund unterschiedlicher Auffassungen über die zukünftige Ausrichtung des Rhein-Maas Klinikums in beiderseitigem Einvernehmen getrennt.

Redaktionsleiter Joachim Spies im Gespräch mit Pressesprecherin Sandra Amberger und René Bostelaar. Foto: Markus Rill

Also sind sie nach Main-Spessart gekommen ...

Bostelaar: Ich kenne die Aufgabe, ich weiß, was zu tun ist. Aber ich treffe keine einsamen Entscheidungen. Es kann nur mit Unterstützung aller Beteiligten gehen. 

Was haben Sie außer den Krankenhäusern schon vom Landkreis gesehen?

Bostelaar: Die Natur ist wunderschön hier. Ich habe einen Hund und freue mich auf ausgedehnte Spaziergänge, um die Gegend zu erkunden. Als Niederländer betreibe ich gerne Wassersport, dafür bieten sich hier viele Möglichkeiten. Ich habe aber auch gesehen, dass in der Region viele Feste gefeiert werden. Dort werde ich hingehen, um den Landkreis besser kennenzulernen und mit den Leuten ins Gespräch zu kommen.

René Alfons Bostelaar
Der neue Klinikreferent wurde in Middelburg in den Niederlanden geboren. Er ist 56 und lebt seit 36 Jahren in Deutschland, ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder. Sein Berufsleben begann er als Krankenpfleger an der Uniklinik Bonn. Von 2003 bis 2009 war er Vorstandsmitglied der Uniklinik Köln, von 2009 bis 2012 Geschäftsführer der Städtischen Klinikums Görlitz GmbH, zuletzt von 2012 bis 2019 Geschäftsführer der Rhein-Maas-Klinikum GmbH in Aachen.

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