LOHR

Nicht ohne Block und Kamera – Karl Anderlohr wird 75 Jahre alt

Karl Anderlohr, Main-Post-Redakteur i. R., ist mit 75 Jahren noch am Puls der Zeit und berichtet für unsere Leser. Foto: Rita Gress

Unter dem Kürzel „kan“ hat er sich in der regionalen Berichterstattung einen Namen gemacht, unter ihm hat er 48 Jahre lang Zeit- und Zeitungsgeschichte geschrieben. Wegweisend waren ihm Fairness, wahrheitsgetreue Berichterstattung und der enge Kontakt zum Leser. Am Silvestertag wird der ehemalige Main-Post-Redakteur Karl Anderlohr 75 Jahre alt.

Im März 2005 trat er in den Ruhestand. Dieser sollte umgehend zum Unruhestand werden. „Kan“ ohne Block und Kamera? Geht nicht! „Anfangs wollte ich als freier Mitarbeiter einspringen, wenn ich gebraucht werde. Doch dann habe ich wieder Blut geleckt.“ Berichterstattung aus den Gemeinderäten Partenstein oder Frammersbach zählt er zu den Terminen, die ihm bis heute „viel Spaß“ machen. Zeit zum Lesen von geschichtlicher oder politischer Lektüre bleibe wenig, sagt er. „Mein Stapel an Büchern wird immer höher. Gerade habe ich mir eine 1200-Seiten-Schwarte vom 30-jährigen Krieg gekauft. Der dürfte vorbei sein, bevor ich mit dem Lesen fertig bin.“ Er lacht. Auch die „Schoppenfetzer“-Krimis des Würzburger Autors Günter Huth müssten warten.

„Ich kämpfe heftig darum, dass mir das Viele, das ich mir selbst aufgehängt habe, nicht über den Kopf wächst.“ Im November hat er nach 20 Jahren als 2. Vorsitzender und zwei Jahrzehnten als Vorsitzender die Führung des Lohrer Geschichts- und Museumsvereins abgegeben. Auch für den Pfarrgemeinderat St. Michael kandidierte er nicht mehr.

Nach wie vor aber ist er Vorstandsmitglied im Arbeitskreis Burg Rothenfels, hält Vorträge in der VHS (im Frühjahr über die Valentinuskapelle) und engagiert sich neuerdings auch im Lohrer Partnerschaftsverein mit Burgeis. Dem Roten Kreuz gehörte er über ein Vierteljahrhundert als Aktiver an; mittlerweile ist er passives Mitglied. „Ich habe mir tatsächlich eingebildet, im Ruhestand aushelfen zu können.“

Schwer verletzt in Ägypten

Seit Jahrzehnten ist er im Freundes- und Förderkreis der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg. Als junger Erwachsener war er dort selbst zehn Jahre lang ehrenamtlich tätig, ebenso eine Zeit lang in der Diözesanleitung St. Michael. „Ich empfinde es bis heute als wertvoll, dass ich jungen Menschen etwas mitgeben konnte. Die Tätigkeit hat meine Grundhaltung entscheidend beeinflusst.“

Anderlohr ist Kenner der Ostkirchen und des alten Ägyptens. Er ist Gründungsmitglied des ägyptischen Museums in München. Mit 14 stieß er in der Bibliothek des Gymnasiums auf ein Buch über Altägypten. Die Kultur dieses Landes ließ ihn nie mehr los. An Ostern 2001 bereiste er das Land zum zweiten Mal. Nach der Landung in Assuan wurden er und Mitreisende von heftigen Windstößen von der Gangway gerissen. Anderlohr wurde mit schwersten Verletzungen ausgeflogen.

Die weiteren Pläne

Was er noch gerne in die Tat umsetzen möchte, sind Stilblüten und Episoden aus seinem Berufsleben in Buchform festhalten. Den Titel hat er im Kopf: „Am Rande notiert.“ Er gibt eine von ihm in den 70ern redigierte Blüte zum Besten: „Die Älteste im Dorf ist gestern gestorben. Am Vormittag ging die Tote noch über den Hof zum Hühnerfüttern; beim Kaffeetrinken am Nachmittag konnte sie nicht mehr aufstehen, da sie tot war.“

Karl Anderlohr

Als ältestes von drei Kindern des Wagnermeisters Michael Anderlohr und dessen Frau Rosa, geborene Back, wurde Karl Anderlohr in Lohr geboren. Nach dem Tod seines Vaters 1958 brach er das Gymnasium ab, um rasch Geld zu verdienen und seine Mutter finanziell zu entlasten. Er machte eine Lehre zum Verlagskaufmann im Pattloch-Verlag in Aschaffenburg.

Nach 18 Monaten Grundwehrdienst begann er 1964 als kaufmännischer Angestellter bei der Druckerei und Verlag Carl Keller in Lohr. Neben seiner Arbeit als Buchhalter schrieb er „das eine oder andere für die Redaktion, wenn Not am Mann war“. Als Hans Nestmeier, freier Mitarbeiter der Main-Post und Lohrer Zeitung, 1969 starb, übernahm er dessen Aufgabe für beide Blätter.

Im Januar 1970 begann er sein Volontariat (bis 1972) bei der Main-Post und wurde hernach als Redakteur übernommen. Seine „Redaktion“ befand sich bei ihm zuhause: Ein Tisch, ein Telefon, eine Schreibmaschine. Im Badezimmer hatte er sein Labor zum Entwickeln der Filme eingerichtet. Zunächst war er zuständig für Lohr, später auch für Gemünden, Karlstadt und Marktheidenfeld.

Im April 1976 wechselte er als Alleinredakteur zur Lohrer Zeitung. Nach deren Verkauf an den Mainpresse-Zeitungsverlag kam er am 1. September 1993 zurück zu seinen journalistischen Wurzeln bei der Main-Post. ta

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