GAMBACH

Nie mehr ohne Anhänger

Zurückbringen leicht gemacht: Wer einen verloren gegangenen Schlüssel mit einem solchen Anhänger findet, kann ihn leichter zurückgeben. Hinter der cleveren Firmenidee stecken zwei Existenzgründer aus Gambach, die sich mit Hilfe des Gründerservicenetzes Main-Spessart selbstständig machten. Foto: Katharina ScHWENDINGER

Es ist ihm selber passiert und er wollte es nie wieder erleben: Nach einer Silvesternacht im Allgäu vor neun Jahren fand Ingo Janas aus Gambach seinen Schlüsselbund nicht mehr. Um nach Hause zu kommen, brauchte er jemand, der ihm das Auto kurzschloss. Etliche Schlüssel musste er sich für viel Geld nachmachen lassen.

Aus der Misere entwickelte der damalige Maschinenbau-Student 2001 die Firmenidee eines Rückführservices, den er „Schlüssel-Futsch“ nannte. Neun Jahre später weiteten der gebürtige Sauerländer und seine Frau Dana, eine Psychologin, den Service aus und benannten ihn in „profindus“ um. Hilfreich zur Seite stand ihnen bei der Existenzgründung das Gründerservicenetz Main-Spessart GmbH (GSN).

Als Ingo Janas seinen Schlüssel verlor, machte er sich kundig. Er bekam heraus, dass es nur Rückführ-Systeme mit Postwurf auf dem Markt gab. Auf einer Schlüsselmarke war eine Firmenadresse notiert, an die der Finder den gefundenen Schlüsselbund zurückschicken konnte. „Das hätte mir aber damals im Allgäu viele zu lange gedauert“, sagt der heute 42-Jährige. Er brauchte seinen Autoschlüssel an Ort und Stelle zurück – und nicht erst an seinem Heimatort.

„Uns fehlte es an Kontakten und Know-How in bestimmten Bereichen.“

Ingo Janas zur Bedeutung des Gründerservicenetzes

So kam es zu der Geschäftsidee: Ein Anhänger am Schlüsselbund wird versehen mit einer Identifizierungsnummer und einer kostenlosen Telefonnummer, dort meldet sich eine „Hotline“, die 24 Stunden erreichbar ist. Die Hotline, die anfangs nur aus Ingo Janas und seiner Frau bestand, informiert dann den Besitzer über den Verlust und teilt ihm mit, wie er den Finder erreicht.

Der Besitzer muss zuvor als registrierter Kunde mehrere Telefonnummern hinterlassen. Sollte er sein Handy verlieren, werden notfalls Verwandte informiert, dass das Verlorene ihres Angehörigen gefunden wurde. Ihr System testete das Paar anfangs im Freundeskreis. Die Sache kam prima an. Es folgten 50 Testläufe in Aachen, wo Janas damals noch studierte. Sie klappten auf Anhieb. Bis auf einen kehrten alle ausgelegten Schlüssel wieder zurück.

Das brachte das Paar auf die Idee, das Ganze größer aufzuziehen. Doch wie macht man so etwas? „Uns fehlte es an Kontakten und Know-How in bestimmten Bereichen.“ Janas' ließen sich vom GSN beraten und bekamen viele wertvolle Tipps. Sie belegten Seminare in Buchführung, Vertrieb und Marketing und knüpften jede Menge Kontakte zu anderen Existenzgründern.

Vom Handy bis zum Notebook

Was anfangs „nebenbei“ für Privatleute für zwölf Mark im Jahr lief, ist heute wesentlich größer angelegt und aufgeteilt in Privat- und Geschäftskunden mit unterschiedlichen Tarifen. Da aber nicht nur Schlüssel verloren gehen, sondern auch jede Menge anderer Wertgegenstände, baute das Paar den Service 2009 weiter aus. Gesichert werden kann praktisch alles: Vom Regenschirm bis zum Computer, vom iPhone bis zur Kamera.

Alleine auf europäischen Flughäfen werden wöchentlich rund 4000 herrenlose Note-Books gefunden, berichtet Dana Janas. Hat der Besitzer ein Festplattenkennwort eingebaut, nutzen dem Finder die Geräte in den wenigsten Fällen etwas. Zurückgeben kann er sie nicht, da die wenigsten Geräte mit Namen versehen sind. Für den Geschäftsreisenden ist der Verlust von Firmendaten und Firmeneigentum enorm.

Statt der Plastikanhänger, bekommen die Kunden heute hochwertige Edelstahlanhänger. Die Geräte werden mit entsprechenden Aufklebern versehen, auf denen die kostenlose Telefonnummer notiert ist. Als Geschäftskunde kommt beispielsweise ein Arzt mit zehn Mitarbeitern in Frage, deren Praxisschlüssel mit den Sicherheitsanhängern versehen werden.

Die Masse macht's

Kann man mit diesem Service richtig Geld verdienen? „Da es immer noch eine günstige Dienstleistung ist, können wir nur in der Masse Gewinn erwirtschaften“, sagt Dana Janas. 200 Geschäftskunden haben sie sich bis Ende des Jahres als Ziel gesetzt. . .

Sicherheitssticker und Anhänger: Ingo und Dana Janas mit einer Auswahl an Geräten, die von ihrem Unternehmen markiert werden können.

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