Lohr

Noch keine Lösung für Ticketverkauf

Am Bahnhof in Kahl gibt es ein Video-Reisezentrum. Auch eine Möglichkeit am Lohrer Bahnhof?
Am Bahnhof in Kahl gibt es ein Video-Reisezentrum. Auch eine Möglichkeit am Lohrer Bahnhof? Foto: Thomas Jungewelter

Seit Ende Februar ist der Kiosk mit Fahrkartenverkauf am Lohrer Bahnhof geschlossen. Seit dieser Zeit kommt die Bahn ihrer vertraglichen Verpflichtung nicht nach, an der Lohrer Station einen Ticketverkauf mit persönlicher Beratung anzubieten. Ein Ende dieses Zustands ist zumindest derzeit nicht in Sicht.

Ein Sprecher der Bahn sagte auf Nachfrage der Redaktion, dass es »leider noch keine neue Entwicklung zum Ticketverkauf am Bahnhof Lohr« gebe. Es sei der Bahn bis jetzt nicht gelungen, einen neuen Betreiber für den Ticketshop zu finden.

Der frühere Betreiber hatte die Verkaufsstelle nach vielen Jahren aufgegeben. Grund war die fehlende wirtschaftliche Perspektive. Die Bahn habe die Konditionen beim auf Provisionsbasis geregelten Ticketverkauf über Jahre verschlechtert. Hinzu komme eine zunehmende Konkurrenz durch das Internet.

Und schließlich, so der ehemalige Betreiber der Verkaufsstelle, habe auch das gesamte Umfeld des Bahnhofs über Jahre deutlich an Attraktivität verloren. Die Bahn hat das Gebäude 2016 an die Frankfurter Aedificia Infrastruktur- und Entwicklungsgesellschaft mbH verkauft.

Wohnungen werden renoviert

Diese renoviert derzeit die vier bestehenden Wohnungen in dem Gebäude. Die ursprüngliche Absicht war, deutlich mehr kleinere Wohnungen zu schaffen. Doch das, so erklärt aedificia-Geschäftsführer Stefan Steinert, habe man wegen unverhältnismäßig hoher Auflagen verworfen.

Die Umbauarbeiten sollen bis zum Sommer abgeschlossen sein. Derzeit laufen laut Steinert auch Gespräche mit Interessenten, die die ehemalige Bahnhofsgaststätte wieder mit gastronomischem Leben füllen wollen. Was den ehemaligen Ticketshop angeht, sieht er die Bahn in der Pflicht.

Bahn in der Pflicht

Deren Sprecher kündigt gegenüber der Redaktion für Juli weitere Gespräche mit dem Eigentümer des Empfangsgebäudes und der Stadt Lohr an. Bis eine Lösung für den Ticketverkauf mit persönlicher Beratung gefunden sei, stehe den Reisenden der Fahrkartenautomat zur Verfügung. Daneben könnten Reisende auch im Internet oder telefonisch Fahrscheine erwerben. Auf Dauer wird sich die Bahn aber wohl nicht darauf zurückziehen können, einfach keinen Betreiber für einen Ticketshop zu finden. Denn der noch bis 2027 laufende »Verkehrsdurchführungsvertrag Main-Spessart« verpflichtet das Unternehmen, am Lohrer Bahnhof für mindestens 45 Stunden pro Woche einen von Personen bedienten Fahrkartenverkauf anzubieten.

Eine solche Präsenzpflicht setzt die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) anhand der Verkaufszahlen und der Position einer Kommune in der Hierarchie der zentralen Orte für bestimmte Bahnhöfe fest. Lohr fällt als Mittelzentrum in diese Kategorie.

Keine Vorgabe zu Übergang

Allerdings gibt es laut BEG in dem Vertrag keine genaue Regelung dazu, wie lange während der Suche nach einer neuen Lösung die Übergangszeit ohne persönlichen Ticketverkauf dauern darf. Man wisse, so die BEG, dass diese Suche schwierig sei.

Sollte die Bahn auch weiterhin keinen Betreiber für einen Ticketverkauf am Lohrer Bahnhof finden, könnte ein sogenanntes Video-Reisezentrum eine Alternative sein. Diese Option hatte die Bahn bereits recht zeitnah nach der Schließung des Kiosks ins Spiel gebracht.

Alternative: Videochat

Hinter einem Video-Reisezentrum steckt eine Art Videokabine. In ihr tritt der Bahnkunde via Bildschirm, Kamera und Mikrofon mit einem Bahnmitarbeiter in Kontakt. Dieser würde im Lohrer Fall in Schweinfurt sitzen und zu den Möglichkeiten des Fahrkartenkaufs beraten. Das Ticket würde dann direkt in der Videokabine ausgedruckt, nachdem es bar oder mit Bankkarte bezahlt wurde.

Die Bahn betreibt mittlerweile über 20 dieser Video-Reisenzentren in Bayern. Der Fahrgastverband Pro Bahn sieht darin eine praktikable und gute Lösung. Ein Video-Reisezentrum sei einfacher zu bedienen als ein Fahrkartenautomat.

In Zeiten, in denen mehr als die Hälfte der Bahn-Fahrkarten im Internet gekauft würden, rentierten sich Ticketshops nur noch an Bahnhöfen mit hohem Fahrgastaufkommen, wo zusätzlich mit dem Verkauf von »Currywurst und Kaffee« Einnahmen erzielt werden könnten, so ein Sprecher von Pro Bahn. In diese Kategorie fällt der Lohrer Bahnhof ganz offensichtlich nicht.

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