HOMBURG

Non-Konformist aus Schweinfurt

In Homburg begleitete Michael Günther (rechts) den Tenor Jan Kobow an einem 200 Jahre alten Hammerflügel des Stuttgarter Instrumentenbauers Theodor Christoph Haug.
In Homburg begleitete Michael Günther (rechts) den Tenor Jan Kobow an einem 200 Jahre alten Hammerflügel des Stuttgarter Instrumentenbauers Theodor Christoph Haug. Foto: Martin Harth

Ein Konzert zum Andenken an den 150. Todestag des fränkischen Dichters Friedrich Rückert (1788–1866) hatte Michael Günther am Samstagabend in seine Konzertreihe „Schlosskonzerte“ in Homburg aufgenommen. Rund 40 Gäste ließen sich vom Wertheimer Schriftsteller Wolf Wiechert kurz in das Leben und Werk des gebürtigen Schweinfurters einführen.

Der langhaarige Hüne sei ein unkonventioneller Mensch gewesen, der etwa 25 000 Gedichte hinterlassen habe. Vor schweren Schicksalsschlägen in seiner Familie blieb der Professor für Orientalistik, der 44 Sprachen beherrscht haben soll, nicht verschont. Wer sich näher mit dem Weltpoeten aus Franken befassen will, dem bietet seit dem Wochenende eine Literaturausstellung in der Kunsthalle Schweinfurt bis zum 10. Juli die Gelegenheit dazu.

Michael Günther konnte aus seiner Musikaliensammlung einige Notendrucke zeigen, die Rückert einst einer Berliner Familie als Gastgeschenk persönlich überreicht hatte. Als Gast hatte der Preußische Hof dem Non-Konformisten freilich schlechte Manieren attestiert.

Im Mittelpunkt des Abends sollten aber Lieder von Rückert stehen. Dazu war Jan Kobow von Schloss Seehaus im Steigerwald in den Homburger Stucksaal gekommen. Zur Begleitung von Michael Günther an einem Bamberger Giraffenflügel aus dem Jahr 1825 stellte der Tenor mit lebendigem Gestus Vertonungen des Rückert-Zeitgenossen und Komponisten Carl Loewe (1796–1869) vor.

Es gelang dem Sänger brillant, die große Bandbreite der Lyrik und Musik vorzustellen – vom volkstümlich-heiteren Liebeslied „Des Glockenthürmers Töchterlein“ über das innige Begehren „In die Herzenrose“ bis zu fast satirischen Anklängen in „Hinkende Jamben“ oder in der Anti-Kriegs-Ballade „Der Papagei“.

Weit ausdruckvoller gerieten die Liedvorträge aber mit Werken von Franz Schubert. Tief empfunden berührte das Rückert-Lied „Sei mir gegrüßt“. Mit zartem Timbre und vortrefflicher Artikulation erklangen die beiden Klagen „Dass sie hier gewesen“ und „Du bist die Ruh“.

Michael Günther ergänzte die Lieder mit Sätzen aus Schuberts „Moment musicaux“ (D 780) und dem Allegretto in Es-Dur aus „Drei Klavierstücke“ (D 946). Dass der Pianist vom samtig warmen, aber auch etwas diffus klingenden Giraffenflügel zum virtuoseren Teil nach der Pause an einen um ein Jahrzehnt älteren Stuttgarter Hammerflügel mit wesentlich präziserem und dramatischer wirkendem Klangbild wechselte, verlieh dem Abend zusätzlichen Reiz.

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