MAIN-SPESSART

ÖPNV: Landrat Schiebel will nachverhandeln

Ein gutes neues Jahr? Nicht wenige Nutzer von Bus und Bahn hat das neue Tarifsystem verärgert. Jetzt wollen Landrat Thomas Schiebel und der Kreistag nachverhandeln.
Ein gutes neues Jahr? Nicht wenige Nutzer von Bus und Bahn hat das neue Tarifsystem verärgert. Jetzt wollen Landrat Thomas Schiebel und der Kreistag nachverhandeln. Foto: Kamm

Auf den Ärger, den die Verbundraumerweiterung Mainfranken bei den Nutzern öffentlicher Verkehrsmittel im Landkreis ausgelöst hat, will Landrat Thomas Schiebel reagieren. Nach langer Diskussion kündigte er am Freitag im Kreistag drei Maßnahmen an:

• Zum einen wird er einladen zu vier Informationsveranstaltungen zum Verkehrsverbund samt Tarifen in Karlstadt, Lohr, Marktheidenfeld und Gemünden.

• Außerdem will Schiebel mit den beiden Betreibern, der Verkehrsunternehmens-Verbund Mainfranken GmbH (VVM) und der Nahverkehr Würzburg-Mainfranken GmbH (NWM), verhandeln – und zwar über die Anerkennung von Bahncards, Vergünstigungen für Kinder, die Geltungsdauer der Fahrscheine und eine Familienkarte mit Netzwirkung.

• Schließlich will der Landrat ein Gutachten zu Kappungen beim Wabentarif einfordern, so dass bei langen Fahrten zum Beispiel nur zehn statt bisher maximal 15 Waben bezahlt werden müssen.

„Um das zu verstehen, bräuchte man ein Fahrkartenabitur“, hieß es im Kreistag, nachdem Schiebel rund eine Stunde auf die aktuelle Situation durch die Verbundraumerweiterung eingegangen war und auch Tarife verglichen hatte. Wichtigste Erkenntnis daraus: Wer in Würzburg nicht mit Straßenbahn oder Stadtbus weiterfährt, zahlt gegenüber früher mehr oder weniger drauf.

Schiebel blickte zurück. Nach einer ersten Diskussion im November 2007 stellte ein Gutachter zwei Jahre später ein Konzept vor mit der Ankündigung: Nur Fahrten bis zum Hauptbahnhof Würzburg würden teurer, profitieren würden nur die Umsteiger. Schon damals war auch klar, dass Bahncards im Verkehrsverbund nicht mehr gelten würden. Fahrten von Burgsinn nach Würzburg würden billiger, hieß es 2012. Tatsächlich wurden sie teurer. Im Januar 2013 wurde der Landkreis Main-Spessart Kooperationspartner der NWM, die wiederum mit der VVM kooperiert, wo sie einer von neun Gesellschaftern ist.

Als Vorteile des einheitlichen Tarifsystems für Bus und Bahn stellte Schiebel heraus: Die Fahrpläne sind abgestimmt, es braucht nur eine Fahrkarte auch über die Landkreisgrenzen hinweg, die Sechser-Karte gilt auch im Bahnbereich und das Semesterticket auch im Landkreis Main-Spessart.

Dem stellte der Landrat die Nachteile gegenüber: Das VVM-Tarifsystem ist komplizierter, Schülerkarten im Bus gelten nach 14 Uhr nur zwischen Wohn- und Schulort (keine Netzwirkung), Kinder in Begleitung eines Erwachsenen dürfen in Zügen der DB-Regio nur bis zum Alter von sechs Jahren unentgeltlich mitfahren (vorher bis 15 Jahren), es gibt keinen Vorverkauf im Schienenbereich und vor allem: Wer nach Würzburg, von dort weg oder durch die Großwabe fährt, muss immer den Stadtverkehr mitbezahlen.

Wie stark wird der ÖPNV im Landkreis genutzt? Das Verkehrsaufkommen liegt bei 6,257 Millionen Fahrten im Jahr, 75 Prozent davon (4,75 Millionen) sind Binnenverkehr innerhalb Main-Spessart. Dabei dominieren reine Busfahrten (3,8 Millionen). In den Verbund, also nach Würzburg und darüber hinaus, gehen 20 Prozent der Fahrten (1,262 Millionen). Hier werden vorwiegend die Bahn (351 000 Fahrten) und die Kombination Bus/Bahn (538 000 Fahrten) genutzt. Nach Main-Tauber gehen 209 000 Fahrten, nach Aschaffenburg 36 000.

Als „gut gehütetes Geheimnis“ bezeichnete Schiebel die Zahl der Bahncard-Inhaber. Bis vor kurzem habe es gar keine Zahlen gegeben. Von den 7400 Inhabern gaben die Bahncard in den vergangenen Monaten 223 zurück.

Für Unmut sorgte im Ausschuss, dass die Tarifbeispiele mit der Bahncard 25 erster Klasse gerechnet wurden, die gegenüber der zweiten Klasse etwa das Doppelte kostet. Unterstellt wurden für die Berechnung 50 Fahrten hin- und zurück im Jahr, wofür 61 Cent auf die am meisten vergünstigten Fahrkarten aufgerechnet werden müssen (die Bahncard 25 zweiter Klasse kostet 61 Euro)

Zum Tarifvergleich brachte der Landrat insgesamt neun Beispiele: Binnentarif von drei (etwa Lohr –Steinfeld) bis sechs Waben (Lohr–Karlstadt), nach Würzburg von vier Waben (Retzbach) bis elf (Rieneck).

Quintessenz der Beispiele im Binnenverkehr: Die neue 6er-Karte ist gegenüber den früheren Preisen bei Bus und Bahn immer günstiger, auch gegenüber der Bahncardnutzung.

Bei den Zeitkarten kommt es darauf an: Normale Monatskarten sind immer billiger als früher, solche für Auszubildende dagegen fast immer teurer (Ausnahme Buskarten), Jahreskarten gegenüber früher beim Bus manchmal teurer.

„Um das zu verstehen, bräuchte man ein Fahrkartenabitur.“
Kommentar eines Kreisrats zur neuen Tarifstruktur

Anders schaut es aus, wenn die Großwabe Würzburg ins Spiel kommt: Hier waren früher die per Bahncard ermäßigten Fahren zum Hauptbahnhof günstiger, bei Busfahrten gilt das sogar inklusive der Weiterfahrt innerhalb der Stadt.

Bei Zeitkarten ergibt sich ein ähnliches Bild wie beim Binnenverkehr, mit teils größeren Verteuerungen für Auszubildende: So verteuert sich die Zugfahrt von Karlstadt zum Hauptbahnhof Würzburg von 67,50 (bis 23 Kilometer) auf 90,40 Euro, inklusive dem Stadtverkehr Würzburg waren vorher aber 92 Euro zu bezahlen.

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