Neuhütten

Ölunfall am Rand des Naturschutzgebiets: Sorge um Fischbestand

Zu einem Großeinsatz kam es am Dienstag in Neuhütten: Hunderte Liter Heizöl waren großteils in den Grimmwiesensee gelaufen.
Die Feuerwehr im Einsatz in Neuhütten nach dem Ölunfall. Auch ein Boot kam zum Einsatz. Foto: Patrick Pferr

Hunderte Liter Heizöl sind am Dienstag in Neuhütten (Landkreis Main-Spessart) aus- und großteils in den Grimmwiesensee gelaufen. Wie die Wasserschutzpolizei bestätigte, lief das Heizöl bei einer privaten Lieferung aus dem Tank des Fahrzeugs über den Hof und großteils über den Gully in den Kanal. Über den Äußeren Bach und den Schwarzengrundbach gelangte es dann in den See. 

Offenbar war das Öl aus einem nicht dafür vorgesehenen Ventil gelaufen, das der Lieferant per Fernbedienung geöffnet hatte, so ein Sprecher der Wasserschutzpolizei. Bemerkt habe es der Tankzugfahrer, als aus dem Schlauch im Keller des Anwesens kein Öl kam. Bis er wieder am Tankfahrzeug war und das Malheur entdeckte, seien 30 bis 40 Sekunden vergangen. In dieser Zeit seien 400 bis 500 Liter Heizöl ausgelaufen. Wie es dazu kommen konnte, sei Gegenstand der Ermittlungen.

Wasserwirtschaftsamt: Grundwasser nicht betroffen

Die Bevölkerung ist laut Wasserwirtschaftsamt Aschaffenburg nicht gefährdet. Das Grundwasser sei von der Verunreinigung nicht betroffen. Ursache war nach Angaben von Amtssprecher Klaus Maslowski  wohl ein Versehen oder ein technischer Defekt. Durch den Unfall entstand eine enorme Geruchsbelastung. Anlieger berichteten, dass sie deshalb zwei Tage lang kein Fenster öffneten.

Der idyllische Grimmwiesensee, 1980 künstlich angelegt und rund 2,5 Hektar groß, ist Vereinssee des ortsansässigen Angelsportvereins. Hinter dem See fließt das Wasser in den Lohrbach und weiter in den Aubach, der in Partenstein in die Lohr mündet. Der Aubachgrund gehört zum Naturschutzgebiet Spessartwiesen, das mit rund 356 Hektar zu den größeren in Bayern zählt.

Feuerwehren legten Ölsperren

Die Feuerwehren aus Neuhütten, Lohr und Marktheidenfeld rückten an, um das Öl zu binden, abzupumpen und Ölsperren anzubringen. Die Neuhüttener Wehr war bis zum Mittwoch um 15 Uhr damit beschäftigt, Ölabsperrungen einzubauen. Die Firma Kirsch spülte den Kanal und eine Spezialfirma reinigte mit einer speziellen Kehrmaschine den betroffenen Hof. Auf dem Grimmwiesensee wurden Ölschlingen über die gesamte Breite eingezogen. Im kleinen Bach waren auch am späten Mittwochabend Ölschmieren zu sehen.

Krisensitzung der Angler

Große Sorgen um den Fischbestand, der einen Wert von rund 30 000 Euro hat, macht sich der Angelsportverein, der sich sofort zu einer Krisensitzung traf. Zunächst ist erst mal der Vereinssee für das Angeln auf unbestimmte Zeit gesperrt. Wie betroffen die Fische durch das mit Öl kontaminierte Wasser sind, ist ungewiss. Kommt es zum Fischsterben oder sind sie ungenießbar? Diese Fragen stehen im Raum.

Die Angler bekamen von einem Mitarbeiter einer Fachbehörde die Antwort: "Ob die Fische nach Öl schmecken, das merkt ihr beim Essen." Auch steht im Raum, dass der Uferbereich abgebaggert werden muss.

Zwei Anlieger zeigten sich gegenüber der Redaktion besorgt, dass zu wenig gegen die drohende Ölpest getan werde. Der Ölfilm gleite an den Barrieren vorbei, stellte einer fest und bei "diversen Ämtern" seien seine Bedenken "nicht ernst genommen und abgewimmelt worden". Ein weiterer Anlieger, der direkt am See lebt, bemerkte, dass die Fische nicht mehr wie gewohnt springen und die Enten sich bevorzugt an einem Zufluss aufhalten.

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