OBERSINN/GROßSTEINBACH

Österreichs Schachblumenmetropole

Filetstück: Die Freizeitanlage mit der Naturarena im Vordergrund wurde als nachhaltiges Tourismusprojekt für Umwelt, Jugend und Wirtschaft vom österreichischen Bundesministerium ausgezeichnet.
Filetstück: Die Freizeitanlage mit der Naturarena im Vordergrund wurde als nachhaltiges Tourismusprojekt für Umwelt, Jugend und Wirtschaft vom österreichischen Bundesministerium ausgezeichnet. Foto: Fotos (3) Jürgen Gabel

Auf rund 70 Hektar der Obersinner Gemarkung blüht im April die Schachblume (Fritillaria meleagris). Ein findiger Ortsbürger hörte, dass im steiermärkischen Großsteinbach ebenso ein Vorkommen der purpurnen Schönheit existiert. Am 24. Juli 2005 besiegelten die damaligen Bürgermeister Josef Rath (Österreich) und Richard Stenglein (Deutschland) eine Schachblumenpartnerschaft zwischen beiden Kommunen.

Unlängst machte sich eine Delegation aus Obersinn auf zu einem Besuch in der rund 730 Kilometer entfernten Gemeinde und traf dort auch den amtierenden Rathauschef Josef Rath. Der stellte seine Gemeinde, die im Sprachgebrauch nur „Stoaboch“ genannt wird, persönlich vor. Das 1400 Einwohner zählende Großsteinbach liegt in der Steiermark, der „Speisekammer“ Österreichs. Der ehrenamtlich tätige Bürgermeister Josef Rath (55 Jahre) ist inzwischen seit acht Jahren im Amt.

Die Großsteinbacher Landschaft präsentiert sich flachhügelig und bewaldet, sodass sich die Obersinner fast heimisch fühlten. Das oberste Ziel von Bürgermeister Rath ist es, eine zukunftsfähige Infrastruktur für junge Menschen zu schaffen. Diese Überzeugung teilt er mit seinen 15 Gemeinderäte, die keine „Schlafgemeinde“ möchten. Dafür bietet Großsteinbach große Anreize: So werden beispielsweise Solaranlagen mit 20 Euro pro Quadratmeter von der Gemeinde gefördert. „Die Jugend bleibt im Ort“, freut sich Rath.

Lebendige Vereinswelt

Großsteinbach verfügt über eine lebendige Vereinswelt, die immerhin 21 Vereine vom Eisschützenverein über den Schachblumenchor, der Bergwacht bis hin zum Sportverein umfasst. Bei einer Rundfahrt durch die Gemeinde präsentierte Rath die Vorzeigeprojekte: Die Grund- und Hauptschule wurde für 1,1 Millionen Euro saniert. Auch der Kindergarten, in dem 80 Steppkes spielen, bekam für 400 000 Euro eine Schönheitskur. Rath unterstrich, dass er für die Realisierung der Projekte auch Landeszuschüsse erhalten habe.

In der Nähe der Schule befindet sich ein Sportzentrum, bestehend aus drei Sandplätzen des Tennisvereins und einem Spiel- und Trainingsplatz des Sportvereins Großsteinbach. In unmittelbarer Nachbarschaft steht die rund 30 Jahre alte Fest- und Kulturhalle. Eigentlich, so Rath, sprachen sich viele Ortsbürger für einen Abriss aus. Aber der Bürgermeister und sein Gemeinderat hatten mit der Sanierung den richtigen Riecher. 650 000 Euro kostete das Projekte. Weitere 250 000 Euro wurde für eine neue, modernere Einrichtung ausgegeben.

Der letzte Punkt der Besichtigungstour führte zum Filetstück der Gemeinde: einem Freizeit-Schwimmteich mit Naturarena (Bauzeit 2000 bis 2004). Die 7,6 Hektar große Anlage mit einer Wasserfläche von 2,6 Hektar lädt zum Genießen und Relaxen ein. Ein Kleinkinderbecken mit Babyrutsche, sonnige Buchten sowie schattige Plätzchen auf der Liegewiese bieten Erholung für Jung und Alt. Kinder erfreuen sich an der 20 Meter langen Wasserrutsche, drehen eine Runde mit den Tretbooten und erkunden den Abenteuerspielplatz mit dem Piratenschiff. Ein Tischtennis- und Beachvolleyballplatz, eine BMX-Strecke, eine Bocciabahn und ein Campingplatz runden das Angebot ab.

Auf der höchsten Erhebung, seinem „Feldherrnhügel“, stellt Bürgermeister Rath die terrassenförmig angelegte Naturarena vor. 1500 Menschen finden hier Platz. Durch die stufenförmige Erhöhung von zwölf Metern herrsche eine Akustik wie in einem Konzertsaal, so der Bürgermeister.

Schokolade zum Abschied

Rath berichtet, dass zwölf Saisonalarbeiter und Ferienjobber das Areal pflegen und sich auch einige Rentner mit einbringen. In Kombination mit den umliegenden Attraktionen wie einem Kneippwanderweg, einem Walderlebniswanderweg, einem Skulpturenpark und einem Zeitgarten sowie dem angrenzenden Radweg sei der Freizeitpark österreichweit einzigartig.

In unmittelbarer Nähe zum Freizeitparks befindet sich auch das 1966 errichtete Bestandsschutzgebiet mit den sieben Hektar großen Schachblumenwiesen. Die Blume kommt in der Steiermark nur in Großsteinbach vor und ist ebenso wie in Deutschland streng geschützt. Nicht nur im Gemeindewappen, sondern auch in einigen Vereinsstempeln ist die Blume dargestellt. Die Ortseingänge schmücken – wie in Obersinn – überdimensionale Schachblumen. Auch in der Freizeitanlage ist das Wahrzeichen sichtbar.

Zum Abschied überreichte Bürgermeister Rath seinen Obersinner Gästen dann auch einige Tafeln Schokolade, die speziell für die Schachblume und Großsteinbach aus Bitterschokolade mit karamellisierten Kürbiskernen und Marzipan kreiert wurden. Der nächste Besuch der Großsteinbacher in Obersinn ist für die Kirchweih am ersten Septemberwochenende fest zugesagt.

Schachblumenleckerei: Diese Leckerei aus Bitterschokolade und karamellisierten Kürbiskernen wurde eigens für die botanische Schönheit kreiert.
Schachblumenleckerei: Diese Leckerei aus Bitterschokolade und karamellisierten Kürbiskernen wurde eigens für die botanische Schönheit kreiert.

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