Lohr

Pläne für Montessori-Schule in Lohr stoßen auf großes Interesse

Auf großes Interesse stieß die Infoveranstaltung zur Gründung einer Montessori-Grundschule in Lohr mit den Initiatorinnen (von links) Katja Fleckenstein, Nicole Scherg und Monika Rosenkranz sowie der geschäftsführenden Vorständin des Montessori-Landesverbandes Bayern, Monika Ullm... Foto: Wolfgang Dehm

Das Interesse war groß, die Alte Turnhalle gut gefüllt: Rund 120 Leute, unter ihnen viele junge Mütter und Väter mit Kleinkindern, nahmen am Montagabend an der ersten öffentlichen Infoveranstaltung zur geplanten Gründung einer Montessori-Grundschule in Lohr teil. Sie soll  möglichst schon 2021 in Betrieb gehen.

Die Initiatorinnen Monika Rosenkranz (Pflochsbach), Katja Fleckenstein (Frammersbach) und Nicole Scherg (Partenstein) machten deutlich, dass es ihnen darum gehe, Kindern ein freies, selbstbestimmtes Lernen nach eigenem Tempo und ohne Druck zu ermöglichen. Rosenkranz und Fleckenstein sind Erzieherinnen mit Montessori-Ausbildung, Scherg Filmemacherin; alle drei Frauen haben Kinder, die sie gerne in einer Montessori-Schule lernen lassen lassen würden.

In Bayern seien viele Schulen "sehr gut unterwegs", sagte Monika Ullmann, geschäftsführende Vorständin des Montessori-Landesverbandes Bayern. Die Montessori-Schulen sehe sie als weiteres Angebot. Ihren Worten nach gibt es bayernweit rund 80 Montessori-Volksschulen (Grund- und Mittelschule), acht Montessori-Fachoberschulen und ein Montessori-Gymnasium im Landkreis Starnberg; diese Schulen seien staatlich genehmigt.

Was die Lehrkräfte betreffe, gebe es keinen Unterschied zu staatlichen Schulen, sagte Ullmann, allerdings habe man in Montessori-Schulen zusätzliche Pädagogen. Noten gebe es an Montessori-Schulen nicht, dennoch sei der bayerische Lehrplan dort Bestandteil und auch förderrelevant. Im Gegensatz zu staatlichen Schulen finde der Unterricht nicht in Klassen statt, sondern in Lerngruppen mit jeweils mindestens drei Jahrgängen. Der Unterricht sei fächerübergreifend, verpflichtende Hausaufgaben gebe es nicht.

"Das Kind braucht Aufgaben, an denen es wachsen kann, nicht Aufgaben, die es erledigen soll."
Monika Ullmann, Montessori-Landesvorstand Bayern

Die italienische Ärztin, Philosophin und Reformpädagogin Maria Montessori (1870 – 1952) sei davon überzeugt gewesen, dass das Kind der Baumeister seiner selbst sei, erläuterte Ullmann. Insofern könne das Kind an Montessori-Schulen frei wählen, womit es sich beschäftigt, ebenso könne es den Zeitpunkt und Ort frei wählen. Ullmann: "Das Kind braucht Aufgaben, an denen es wachsen kann, nicht Aufgaben, die es erledigen soll."

Die Abschlussprüfungen an Montessori-Schulen werden ihren Worten nach in Kooperation mit Lehrern aus staatlichen Schulen gemacht, das Abschlusszeugnis stelle die Kooperationsschule aus. Der Übertritt von einer Montessori-Schule auf eine staatliche Schule sei problemlos möglich.

Bürgermeister Mario Paul begrüßt die Initiative 

Es freue ihn, "dass diese Initiative auf so viel Resonanz stößt", sagte Bürgermeister Mario Paul mit Blick in die gut besetzte Alte Turnhalle. Zwar habe das staatliche Schulsystem in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht – es gebe mehr Individualisierung, inklusiven Unterricht und Hausaufgabenhilfe – doch trotz dieser Entwicklung habe man "noch sehr viel Luft" im Bildungsangebot. Er jedenfalls begrüße die Initiative zur Gründung einer Montessori-Grundschule in Lohr sehr.

Laut Katja Fleckenstein hat man sich Lohr als Standort für die geplante Montessori-Grundschule ausgesucht, weil man so eine "riesige Lücke" schließen könne; die nächsten alternativen Schulen seien in Würzburg, Aschaffenburg und Bad Kissingen zu finden.

Vorgesehen sei in Lohr zunächst eine altersgemischte Lerngruppe mit 14 bis 24 Kindern der Jahrgangsstufen eins bis vier, bei großer Nachfrage auch eine Hortbetreuung. Träger der Schule werde der noch zu gründende Montessori-Verein Lohr. Um die Erhebung von Schulgeld komme man nicht herum, da die staatliche Förderung gegenüber einer staatlichen Schule nur bei 85 Prozent liege. Senken könne man die Kosten durch Mitarbeit der Eltern.

Die Förderung gebe es allerdings erst ab dem dritten Jahr, machte Nicole Scherg deutlich; die Finanzierung der beiden ersten Jahre müsse der Verein komplett selbst übernehmen. Die Einnahmen des Vereins durch Schulgeld reichten dafür bei weitem nicht aus, zusätzlich benötige man Spenden oder auch Bankdarlehen.

Noch fehlt unter anderem ein passendes Schulgebäude

Es gebe noch viel zu tun, betonte Monika Rosenkranz. So müsse noch ein Finanzplan erstellt, ein Trägerverein (Montessori-Verein Lohr) für die Schule gegründet und außerdem in Abstimmung mit der Regierung von Unterfranken eine pädagogische Konzeption erarbeitet werden. Ein weiterer Punkt, der noch nicht geklärt sei, sei das künftige Schulgebäude. Bislang habe man noch nichts Passendes gefunden. Das Gebäude soll ihren Worten nach gut erreichbar und in Naturnähe sein. Für Tipps sei man dankbar.

Das künftige Personal der Lohrer Montessori-Grundschule soll ihren Worten nach zunächst aus einer Lehrkraft mit zweitem Staatsexamen sowie einer Pädagogin mit Montessori-Diplom bestehen. Ziel sei, die Schule im September 2021 zu eröffnen. Dazu sei es erforderlich, den Antrag bis zum 31. März 2021 zu stellen.

Einer Frau aus dem Publikum erschien die personelle Besetzung der geplanten Schule etwas knapp; sie wollte wissen, was im Krankheitsfall geplant sei. Dazu sagte Ullmann, die Erfahrung zeige, dass Lehrkräfte an Montessori-Schulen deutlich weniger krank seien als an staatlichen Schulen. Im Bedarfsfall werde jedoch die mobile Reserve aus staatlichen Schulen einspringen.

Vor dem Hintergrund, dass es in Nordbayern keine weiterführenden Montessori-Schulen gibt, tauchte die Frage auf, was geschieht, wenn ein Kind nach dem Besuch der Montessori-Grundschule den Übertritt aufs staatliche Gymnasium oder die Realschule nicht schafft. Dann komme es automatisch in die Mittelschule, so Ullmann.

Weitere Infos zur geplanten Montessori-Grundschule in Lohr sind im Internet zu finden unter www.montessori-lohr.de

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