Lohr

Polizeichef zur Sicherheitswacht in Lohr: Nötig nein, sinnvoll ja

Wolfgang Remelka, erster Polizeihauptkommissar, Leiter der Polizeiinspektion Lohr. Foto: Roland Pleier

Für Irritationen sorgten anscheinend widersprüchliche Aussagen, die der Lohrer Polizeichef Wolfgang Remelka bei der Diskussion über eine Sicherheitswacht in Lohr bei der Sitzung des Stadtrats getätigt hatte. Wir berichteten darüber mit der Überschrift „Lohr ist nicht Klein-Chicago“. Dabei begrüßten Remelka und sein Stellvertreter eine Sicherheitswacht als „zusätzliches Auge und Ohr“ für die Polizei.

Im abschließenden Absatz glaubten einige Leser und auch der Bayerstürmer in seiner Wochenendglosse einen Widerspruch erkannt zu haben. Remelka hatte daran erinnert, dass der Gedanke an eine Sicherheitswacht vor längerer Zeit unter dem Eindruck eines akuten Vandalismus-Problems aufgekommen sei und eine Sicherheitswacht vielleicht hätte helfen können, das Problem schneller zu erkennen. Doch eigentlich gebe die Lohrer Polizeistatistik den Bedarf für eine solche Wacht „nicht unbedingt her“ wurde er verstanden und zitiert. Was nun? Die Redaktion fragte nach.  

Frage: Begrüßt die Lohrer Polizei nun eine Sicherheitswacht oder braucht sie eigentlich keine? 

Wolfgang Remelka: Als zusätzlichen Baustein in der Sicherheitsarchitektur ist eine Sicherheitswacht immer wertvoll. Wenn man den Baustein herauszieht oder darauf verzichtet, wird die Pyramide nicht einstürzen.

So sehen Mitglieder der bayerischen Sicherheitswacht aus: Ihre Kleidung ist angelehnt an die Dienstuniformen von Polizeibeamten.  Foto: Daniel Karmann, dpa

Verstehe ich sie richtig: Sie brauchen sie nicht, würden sie aber als Ergänzung begrüßen?

Remelka: Genau so.

Würden Sie in ihrer Funktion als Inspektionsleiter einem Gremium wie dem Stadtrat jemals sagen, die Polizei sei auf eine Sicherheitswacht angewiesen?

Remelka: Ein klares Nein. Das würde ja bedeuten, dass wir unsere Arbeit nicht ordentlich erledigen. So weit sollte es nie kommen. 

Stadt und Polizei sollten mehr tun, wurde nach dem Krawallsommer 2018 gefordert. Nun hat die Verwaltung geliefert– und der Stadtrat die Sicherheitswacht abgelehnt. Enttäuscht?

Remelka: Enttäuscht ..? (überlegt) Ich akzeptiere das Ergebnis der demokratischen Abstimmung. Aus meiner Sicht wäre es wertvoll gewesen, aber nun ist es, wie es ist. 

Woran lag es Ihrer Wahrnehmung nach, das der Stadtrat dem Vorschlag der Verwaltung nicht zugestimmt hat?

Remelka: Das ist schwer, weil ich nicht in die Köpfe der einzelnen Stadträte blicken kann. Da hat so mancher seine eigene Einstellung, ob das jetzt finanzielle Dinge sind, dass man sagt der Staat soll mehr Beamte einstellen oder ob es die Angst ist, dass irgendwelche Zivilisten durch die Stadt patroullieren würden – das Meinungsbild ist wohl unterschiedlich. 

In Bayern gibt es gut 2000 Kommunen, davon 314 Städte. 154 Kommunen – darunter Erlenbach am Main und Neustadt an der Saale – haben eine Sicherheitswacht. Lohr rangiert mit seinen rund 15 000 Einwohnern auf Platz 119 der bayerischen Städte. Spielt die Größe eine Rolle? 

Remelka: Nein, definitiv nicht. Sinnvoll kann es in jeder Kommune sein. Es geht um zusätzliche Augen für die Sicherheitsbehörden. Auch die Verwaltung profitiert davon, wenn sie frühzeitig erkennt, wo sich etwas tut. Eine Sicherheitswacht verstärkt das subjektive Sicherheitsgefühl. Zudem ist sie Ansprechpartner zum Beispiel für Touristen, weil sie sach- und ortskundig sind.

In Kitzingen unterstützen ehrenamtliche Helfer der Sicherheitswacht seit acht Jahren die Arbeit von Polizei und Stadtverwaltung.  Foto: Diana Fuchs

Welche Erfahrung hat die Polizei mit den bisherigen Sicherheitswachten gemacht?

Remelka: Wenn ich die Kollegen in Miltenberg, Bad Kissingen oder Würzburg nehme, dann haben die alle gute Erfahrungen gemacht. 

Ist die Aufklärungsquote dort gestiegen?

Remelka: Das kann ich jetzt nicht nachvollziehen. Ich glaube das nicht. Aber der ein oder andere Hinweis war sicher auch dabei – und wenn's nur das entwendete Fahrrad im Gebüsch war, das gefunden und dem Eigentümer zurückgegeben wurde.

Reichen Ihnen die 41 Männer und Frauen in der Inspektion Lohr aus oder benötigen Sie Verstärkung?

Remelka: Ich hätte gerne den ein oder anderen mehr, aber wir sind handlungsfähig. Das belegen unsere Zahlen. Und so schnell ist auch kein Ersatz zu finden, wenn sich drei Mitarbeiter am Knie verletzten und für mehrere Wochen ausfallen. 

Ist eine Personalaufstockung in Aussicht gestellt?

Remelka: Nein. Das ist aus meiner Sicht auch nicht notwendig. Wenn das Personal aufgefüllt wird, reicht das vollkommen aus.

Das heißt, der Einsatz von Springern wäre sinnvoll?

Remelka: Es gibt eine mobile Reserve, aber das wird bei der Polizei halt anders gehandhabt. Sprich: Die Kollegin, die schwanger wird, wird nicht gleich wieder ersetzt. Die Zuteilung erfolgt nur zweimal im Jahr. Die Staatsregierung hat sich entschlossen, bis zum Jahr 2023 3500 Beamte mehr einzustellen. Dadurch ist die bayerische Polizei bei der Ausbildungskapazität an der oberen Grenze angelangt. Die ersten zusätzlich eingestellten Polizisten beenden ihre Ausbildung im kommenden Frühjahr und kommen anschließend zum Einsatz.

Nochmal zurück zur Sicherheitswacht: Ist der Käs' jetzt gegessen oder wird es einen weiteren Vorstoß geben?

Remelka: Von unserer Seite wird das Thema nicht unbedingt aktiv vorangetrieben. Man muss schauen, wie sich die Lage in den nächsten Monaten oder im kommenden Sommer entwickelt. Vielleicht kommt der eine oder andere dann doch zu der Einsicht, dass Probleme früher erkannt werden durch eine Sicherheitswacht. 

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