KARLSTADT

Premiere in der Gerbergasse: Bittersüß und witzig

Voller Sehnsucht: Stefanie Maselli (links) und Julia Heppenstiel im Duett bei der Premiere von „Meer Irrland“ am Freitagabend im Karlstadter Theater in der Gerbergasse. Foto: Rainer Hain

„Meer Irrland – ein aberwitzig bezaubernder Cocktail aus Musik und Sketchigem“ hatte am Freitagabend im Theater in der Gerbergasse in Karlstadt Premiere. Die Aufführung  stellt die Fortsetzung einer musikalischen Theater-Show aus dem vergangenen Jahr dar.

Schon mit der Begrüßung der Zuschauer: „Welcome to Crazyland“ (so die Rückübersetzung ins Englische) wird klar, dass dieser Ausdruck nicht nur Name, sondern Programm ist. Robert und Maria Emsden, Autoren, musikalische Leitung und Regie, liefern mit ihrer Mannschaft ein Stück für alle Sinne ab, inspiriert von einem tiefen Verständnis irischer Kultur und geprägt von großer Leidenschaft für das Theater.

Die Besucher einer vielfältigen Show mit unterschiedlichen Kostproben darstellerischen Könnens müssen nicht bereuen, gekommen zu sein. Sketche, gespielte Witze, surreale Gesprächssituationen, Geschichte, farbenfrohe Landschaften auf großer Leinwand und unterschiedliche musikalische Leckerbissen bilden einen bunten Reigen, charmant und witzig dargestellt.

Die irische Musik lässt mit ihren Melodien und Rhythmen keine Langeweile aufkommen, denn sie lädt zum Tanzen und Träumen ein und erzeugt bisweilen überschwängliche Lebensfreude. Aber auch eine gewisse Wehmut gehört zu den Menschen von der grünen Insel, und manchmal eine Sentimentalität, dass einem das Blut in den Adern zu gefrieren scheint.

Wechselbad der Gefühle

So erzählen sie in einem Wechselbad der Gefühle mal eine ernste, dann wieder eine lustige Story – oft beides zugleich. Wie die Musik ist auch die „Irrland-Show“ - sie ist ein Fundament für Anregungen und Gags.

Ulf-Hinrich, souverän gespielt von Thomas Trummer hatte in der Produktion 2011 den „Singing-Pub“, in dem sich die Handlung abspielt, von Deutschland aus besucht. Da er jetzt durch die Manipulationen von Hedge-Fonds-Managern pleite ist, schickt er seinen Zwillingsbruder Winnie aus Deidesheim, der Pfälzer Dialekt spricht. Beide Brüder sind Opfer deutsch-deutscher Verhältnisse, denn Winnie war als Kind aus Versehen mit dem Heißluftballon aus der DDR nach Mannheim geflüchtet.

Die zahlreichen Einblicke in die Lebensweise der „Paddies“ erfolgen vor allem durch intelligente und skurrile Einfälle in den Sketchen („gestörte Kommunikation“), die von Zeit zu Zeit, oft recht unvermittelt, das Bühnengeschehen bestimmen, ganz im Stil eines George Bernhard Shaw oder James Joyce, meist von Bob und Maria Emsden und Manuel Amthor gespielt.

Dem musikalischen Teil der Performance kann sich, aus Qualitätsgründen, kaum einer der Zuschauer entziehen. Die Sänger kreieren eine innere Wärme und ein Wohlgefühl, das seinesgleichen sucht, sie lassen eine Welt voller Magie, Mondschein und Sehnsucht entstehen. Das Publikum folgt ihnen gerne und findet sich unvermittelt in einer bittersüßen Wehmut wieder. Die reichhaltige keltische Kultur erwacht, so meint man, in diesem Stück zu neuem Leben.

Sänger und Schauspieler

Die weiblichen Sänger und Schauspieler sind Eva und Stefanie Maselli, Julia Heppenstiel und Theresa Rombach, die auch alle Instrumentalisten sind. Hinzu kommt Willy Flassig an den Tasten. Als Darstellerin wirkt auch Christa Messner mit, die sonst im Theater die Abläufe auf der Bühne managt.

Karlstadt hat eine neue Show, reichhaltig, tief und hintersinnig im Humor, ergreifend und nuanciert im Ausdruck und souverän in der Musikauswahl. Irischer Musik wird oft ein Klischee umgehängt und behauptet, sie handele vor allem von Liebe und Leid, Suff und Tod. Das Gegenteil gibt es auch, wie dieses Stück kraftvoll beweist: Ausgelassenheit und Freude, Anmut und Grazie – und große Lust zu leben.
 

Aufführungen und Kartenverkauf

Die aktuelle Produktion des Theaters in der Gerbergasse, „Meer Irrland“, die am Freitag Premiere hatte, wird noch zu folgenden Terminen aufgeführt: Freitag, 12. Oktober, Samstag, 13. Oktober, und Donnerstag, 18. Oktober, jeweils 19.30 Uhr; Sonntag, 21. Oktober, 17 Uhr; Freitag, 26. Oktober, und Samstag, 27. Oktober, jeweils 19.30 Uhr.
Kartenvorverkauf: Tel.: (0 93 53) 90 99 490.

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