LOHR

Qualität entscheidet über Erfolg des Klinikums

Chefarzt Dr. Michael Schlenker hat in seiner Zeit als Ärztlicher Direktor am Klinikum Main-Spessart (2011–2016) klar Stellung bezogen. Früh sprach er sich namens der Klinikärzte für ein Zentralkrankenhaus und für einen Verzicht auf das Karlstadter Beleghaus aus. Dafür musste er reichlich Kritik einstecken.

Schlenker erklärt rückblickend, dass er sich als Arzt zeitlebens auf Veränderungen einstellen musste. Gleiches gelte für das Gesundheitswesen insgesamt. Diese Lernfähigkeit habe er bei den Kommunalpolitikern vermisst. „Dass die politischen Verantwortungsträger so lange für die richtige Entscheidung gebraucht haben, ist kein Zeichen von Führungsstärke.“

Als der Bundesgesetzgeber 2009 die Abrechnung nach Fallzahlen (DRG) einführte, sei für ihn klar gewesen: „Häuser mit hohen Fallzahlen werden bevorzugt, solche mit wenigen Fällen geraten ins Hintertreffen.“ Überdies sei seit zehn Jahren erkennbar gewesen, dass die kleinen Krankenhäuser nicht genug Deutsch sprechende Ärzte finden würden.

Dass die Kommunalpolitiker erst unter dem Druck des Klinikdefizits ihre Auffassungen geändert hätten, findet Schlenker schade. Stattdessen hätten sie längst die Qualität der medizinischen Versorgung in den Vordergrund stellen sollen. „Nicht das Marketing ist entscheidend; die medizinische Qualität ist die beste und einzig effektive Werbung“, sagt er.

Der Neurologe habe daraus abgeleitet, dass Main-Spessart nur noch mit einem zentralen Klinikum eine Chance habe, überhaupt ein Krankenhaus zu behalten. Ginge es nach der Bundespolitik, würden nämlich die medizinischen Zentren in Würzburg, Schweinfurt und Aschaffenburg für die Versorgung der Landkreis-Bevölkerung völlig ausreichen.

Ein zentrales Klinikum habe aber die Chance, akademisches Lehrkrankenhaus zu werden, das sich seinen eigenen Mediziner-Nachwuchs heranziehen könne. Zugleich müsse das mit einer Qualitätsoffensive verbunden sein. Denn Schlenker zufolge sei nicht die Nähe zum Wohnort das entscheidende Kriterium für eine Klinikwahl, sondern die Qualität. „Darüber haben die Patienten doch längst mit den Füßen abgestimmt.“

Als Patient habe er selbst die „Großkliniken ohne Herz“ kennen gelernt, berichtet Schlenker von seinen Erfahrungen. Daher sieht er gute Chancen für das neue Haus in Lohr, wenn dort „ein besonders menschlicher Ton gepflegt wird“. Dafür spiele die Teamleistung, wie er sie vorbildlich in der Neurologie erlebt habe, eine große Rolle.

Den Wunsch der Bevölkerung nach dezentralen medizinischen Notfallpraxen kann der scheidende Chefarzt verstehen. Zugleich betont er, dass dies in der Verantwortung der Kassenärztlichen Vereinigung liege. Ähnlich wie beim Belegkrankenhaus in Karlstadt könne es nicht Aufgabe des Landkreises sein, mit Steuergeldern das finanzielle Risiko für die Unternehmen der niedergelassenen Ärzte zu tragen.

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