GEMÜNDEN

Rathaussturm: Narren kamen hoch zu Ross

Faschingsauftakt: Die Fasenachter sind wieder los. Am 11. 11. um 11 Uhr 11 Uhr hat die neue Session begonnen. In Gemünden machte sich die rebellische Schar auf den Weg und eroberte das Rathaus.
Robert Lampert und Jörg Fella fanden nur noch Süßigkeiten in der Stadtkasse.
Robert Lampert und Jörg Fella fanden nur noch Süßigkeiten in der Stadtkasse.

Er hatte keine Chance: Nicht einmal die normalerweise Respekt einflößende Uniform eines Traumschiffkapitäns rettete Gemündens Bürgermeister Jürgen Lippert vor der Gefangennahme durch die Narren. Der bunte Haufen um die Anführer Rainer Pröschl und Jörg Fella war mit Seilen, Proviantwagen sowie einem Trojanischen Pferd aus der Requisite der Scherenburgfestspiele akribisch vorbereitet und wartete in der Obertorstraße auf die günstige Gelegenheit.

Punkt 11.11 Uhr war es soweit, Marschall Jörg Fella gab den Abmarschbefehl und kaltblütig rückten die Züchlesbrigaden, unterstützt vom Nachwuchs aus dem Kindergarten St. Martin, gegen das Rathaus vor. Für richtigen Schritt und Tritt sorgte die Fischertrachtenkapelle unter Leitung des Hofkapellmeisters Albin Schäfer.

„Do ouwe isser doch“, sagte Fella, der den Bürgermeister hinter einem Fenster entdeckt hatte, und schon war die Meute nicht mehr zu halten. Kämmerer Robert Lampert konnte den Sturm im Foyer des Rathauses noch etwas abmildern, wurde aber ebenso abgeführt wie sein Chef.

Auf dem Marktplatz johlte das Publikum vor Freude, als Rainer Pröschl den Kämmerer mit dem von einer einschlägigen Fernsehsendung bekannten Ruf, „Robbääääärt, helf doch mal“, aufforderte, dem Bürgermeister die Steigbügel zu halten.

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Rathaussturm

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Hoch zu Ross erinnerte „Lippi“ in der schneidigen Uniform zwar ein wenig an die „reitende Gebirgsmarine“, aber er hatte den Überblick und konnte sich die Botschaft der abtrünnigen Burgschauspieler anhören. Diese wollten, weil es billiger ist als auf der Burg, die jetzt in „Seierschburger Festspiele“ umbenannten Inszenierungen in diesem Jahr an drei verschiedenen Standorten spielen, eröffneten sie dem Bürgermeister. Das Drama „Jetzt habt ihr den Salat“ soll mit internationaler Besetzung aus dem Hotel Atlantis in der benachbarten Scherenberghalle laufen, der Einlass erfolgt über die Notausgangstür: „Erlaubt ist nur stiller Applaus und spätestens um zehn gehen die Lichter aus.“

Für den Klassiker „Über sieben Brücken musst du gehen“ böten sich in Gemünden genug Gelegenheiten: „Der erste Akt spielt hier ums Eck, die Schauspielgruppe hat zu diesem Zweck, gleich die halbe Brücke g'sperrt, das ist da, wo den ganzen Tag nur einer kehrt.“ Mit dem Familienstück „Lippi Baba und die 24 Räuberlein“ will man in den neuen „Trabold-Palast“ im Flutlichtschein.

Mit Blick auf die Räuber merkte Oberfasenachter Pröschl an: „In Gemünne gibt's kä Diebe. Die raube dich ganz anners aus. Da gibt's Verbesserungsbeiträg' frei Haus.“ Nach der Rede eröffneten die Organisatoren des Gemünnemer Züchle die Session mit einem kräftigen „Gemünne – Helau“.

Albin Schäfer und seine Musikanten gingen mit Schunkelwalzer und Polonaise zum gemütlichen Teil über. Spätestens beim Ohrwurm „Die Karawane zieht weiter, der Sultan hat Durst“ hatten sich die Reihen um den wieder auf dem Boden stehenden Bürgermeister geschlossen. Alt und Jung zogen um den Verpflegungsstand der Werbegemeinschaft, an dem sie später halt machten. Schließlich hat ein fränkischer Sultan nicht nur den Durst, sondern auch den Bratwursthunger zu stillen.

Fasching hin oder her: Es geht nix über ä Bratwurscht. Die jüngsten Teilnehmer beim Faschingsauftakt auf dem Marktplatz.
Fasching hin oder her: Es geht nix über ä Bratwurscht. Die jüngsten Teilnehmer beim Faschingsauftakt auf dem Marktplatz. Foto: Ferdinand Heilgenthal
Bürgermeister Jürgen Lippert hörte sich die Faschingsrede des Narrenvolkes an.
Bürgermeister Jürgen Lippert hörte sich die Faschingsrede des Narrenvolkes an.
Die Fischertrachtenkapelle heizte die Stimmung beim Ratssturm an.
Die Fischertrachtenkapelle heizte die Stimmung beim Ratssturm an.

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