Erlenbach

Ratsgremien im Raum Marktheidenfeld: Alte Hasen und frischer Wind

Die neue Zusammensetzung ihres Gemeinderats war für viele Bürgermeister im Raum Marktheidenfeld vorhersehbar. Manch junges Engagement und dessen Erfolg überraschte trotzdem.
Bei der Versammlung der Bürgerliste in Bischbrunn (Archivbild vom 3. Dezember 2019) wurden die Kandidaten – hier mit Bürgermeisterin Agnes Engelhardt (Mitte) - aufgestellt. Von den weiblichen Bewerberinnen haben es zwei ins Gremium geschafft.
Bei der Versammlung der Bürgerliste in Bischbrunn (Archivbild vom 3. Dezember 2019) wurden die Kandidaten – hier mit Bürgermeisterin Agnes Engelhardt (Mitte) - aufgestellt. Von den weiblichen Bewerberinnen haben es zwei ins Gremium geschafft. Foto: Nicolas Bettinger

Wenig Überraschendes hat die Wahl der Gemeinderäte für die Bürgermeister der Gemeinden im Raum Marktheidenfeld bereitgehalten. Meist aus Altersgründen haben sich langjährige Ratsmitglieder aus ihrem Amt zurückgezogen und Platz für jemand Neues gemacht. Ein Stellenwechsel war meist also schon vorherzusehen. So zum Beispiel in Esselbach. "Toll ist, dass wir mit Julius Beeger erstmals einen 23-Jährigen im Gemeinderat haben", freut sich Bürgermeister Richard Roos. Das Gremium habe sich deutlich verjüngt.

"Vorher war ich mit 49 Jahren der Zweitjüngste", meint er lachend. Dass die Wähler ansonsten mit der Arbeit des bisherigen Gemeinderats zufrieden seien, führe er darauf zurück, dass alle wiedergewählt wurden, die sich nochmal zur Wahl haben aufstellen lassen.

Vater und Sohn: Neben Bürgermeister Michael Gram (links) ist auch dessen Vater Walter im neuen Gremium vertreten (hier beide auf einem Bildausschnitt von einer Ehrung im März 2019).
Vater und Sohn: Neben Bürgermeister Michael Gram (links) ist auch dessen Vater Walter im neuen Gremium vertreten (hier beide auf einem Bildausschnitt von einer Ehrung im März 2019). Foto: Feuerwehr

Auch in Rothenfels wurden die sieben zur Verfügung stehenden Kandidaten des alten Gremiums wiedergewählt. Mit fünf neuen Mitgliedern gebe das eine gute Mischung, meint Bürgermeister Michael Gram. "Mich persönlich hat es überrascht, dass mein Vater reingewählt worden ist." Walter Gram war ursprünglich eigentlich nur als Ersatzmann für die Einheitsliste gedacht und belegt jetzt den letzten Platz im Gemeinderat.

Generationenwechsel im Gemeinderat

Zum ersten Mal gibt es in Urspringen eine Einheitsliste. Damit stehe die Sachpolitik weiter im Vordergrund, erklärt Bürgermeister Volker Hemrich. Dass es Werner Kunkel, sein Gegenkandidat von 2014, nicht mehr in den Gemeinderat geschafft hat, dazu wollte sich Hemrich nicht äußern. Stattdessen: "Was mich etwas erstaunt hat, ist, dass wir leider wieder nur eine Frau haben." Tanja Blaß habe "sozusagen ihre Mutter beerbt".

"Mit sieben neuen von 14 Ratsmitgliedern haben wir äußerst interessante Leute, die sich gut integrieren und frischen Wind reinbringen", sagt Achim Müller, Bürgermeister von Birkenfeld. Dass sechs Räte gehen, sei vorher schon bekannt gewesen. Ein weiterer hat die Wiederwahl nicht geschafft. Mit 26 Jahren sei Lorenz Köhler nun das jüngste Ratsmitglied. "Mit ihm haben wir nach sechs Jahren jetzt auch wieder einen Landwirt im Gremium sitzen."

Eine neue Gruppierung und neue Kandidaten sorgen für andere Blickwinkel

In Triefenstein ist neben den Gruppierungen der CSU (fünf Sitze), der SPD/Unabhängige Liste (drei Sitze) und den FB Triefenstein (fünf Sitze) nun auch "Aus Vier mach Wir" mit drei Mitgliedern im Gemeinderat vertreten. Wie das mit vier Gruppierungen zukünftig klappt und welche Diskussionen daraus entstehen, werde sich zeigen, meint Werner Thamm, der Zweite und derzeit amtierende Bürgermeister.

Neu gemischt hat sich vor allem der Gemeinderat von Karbach."Es war vorher schon bekannt, dass sich acht von zwölf Gemeinderäten nicht mehr aufstellen lassen", erzählt Bürgermeister Bertram Werrlein. "Jetzt haben wir ein Drittel alte Hasen und zwei Drittel Neue." Dass Armin Rüb als neues Ratsmitglied auf dem ersten Platz liegt, freut Werrlein. "Er ist gut vernetzt über die Vereinsschiene und kirchlich engagiert. Ist also kein gänzlich Unbekannter und das Ergebnis ist eine klare Bestätigung für ihn."

Da die Gemeinde Roden unter die 1000-Einwohner-Marke gerutscht ist, sitzen für die nächsten sechs Jahre statt zwölf nur noch acht Personen im Gemeinderat. Sechs Ratsmitglieder haben sich aus privaten Gründen nicht mehr aufstellen lassen, die anderen sechs wurden wieder gewählt. Als neuer Bürgermeister freut sich Johannes Albert, dass noch "ein paar alte Hasen dabei sind". Er sei aber auch gespannt, welchen frischen Wind Annamaria Wundes – als einzige Frau – und Rolf Volkert in das Gremium bringen.

Frauen sind weiter unterrepräsentiert

Während in den meisten Gemeinden der Anteil der Frauen im Gemeinderat sehr gering ist, bestimmen in Triefenstein und Kreuzwertheim jeweils vier Frauen mit. Kreuzwertheims Bürgermeister Klaus Thoma ist vom ausgeglichenen Kräfteverhältnis der Parteien beeindruckt. "Die Verteilung der Stimmen auf die Parteien ist beinahe paritätisch." Einziger Wermutstropfen: Mit 56,10 Prozent weist Kreuzwertheim die niedrigste Wahlbeteiligung im Marktheidenfelder Raum auf. "Viele meinten, 'du wirst doch eh Bürgermeister', aber gerade für den Gemeinderat und den Kreistag wären die Stimmen wichtig gewesen", erklärt Thoma.

Erlenbachs Bürgermeister Georg Neubauer schaut bedrückt auf den niedrigen Frauenanteil im Gemeinderat: "Es ist schade, dass wir vorher vier Frauen im Gremium hatten, jetzt nur noch zwei." Mit insgesamt fünf  neuen Ratsmitgliedern sei die Neubesetzung überschaubar. "Es ist kein komplett neues Gremium und ich werde mich bemühen, dass wir so wie bisher weiter konzentriert miteinander arbeiten."

Dass im Gemeinderat von Bischbrunn neben Karin König nun mit Petra Schwab eine zweite Frau sitzt, freut Bürgermeisterin Agnes Engelhardt. Ihr Fazit zum neu gewählten Gremium: "Insgesamt sind wir wieder ein breitgefächertes Team, das engagiert ist und vom Interesse und Berufsstand sehr gemischt ist."

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