Stetten

Raum geschaffen für Stettens Geschichte und Gegenwart

Kilian Krebs und Agnes Roth legen letzte Hand an das restaurierte Brautpaar von 1850 an.
Kilian Krebs und Agnes Roth legen letzte Hand an das restaurierte Brautpaar von 1850 an. Foto: Günter Roth

Kurz nach Weihnachten, passgenau zum Beginn des kleinen Jubiläumsjahres haben sich die "Geschichtsfreunde Stetten" einen lange gehegten Wunsch erfüllt. In der sogenannten "Alten Schule" neben dem Torbogen konnten sie sich einen Geschichtsraum einrichten. Hier sollen künftig nicht nur die historischen Schätze des Vereins gelagert und von Zeit zu Zeit der Öffentlichkeit gezeigt werden, hier sollen auch Versammlungen wie Vorträge, Lesungen und Ausstellungen aus der reichhaltigen Geschichte Stettens stattfinden.

Besonders stolz ist Georg Riedmann, der Vorsitzende der Geschichtsfreunde, auf die Glasvitrine an der Seitenwand, in der einzigartige Funde aus der Frühgeschichte der Gemarkung Stetten ausgestellt werden. Da ist das Fragment einer Tonvase aus der mittleren Bronzezeit, die Ludwig Jäger, der letzte inzwischen verstorbene Bürgermeister des Dorfes vor 35 Jahren beim Sandholen im "Baustangen-Tal" am Fuß des Steinbergs gefunden hat. Der Heimatforscher Vinzenz Krebs entdeckte auf einem Acker an der Wern ein spät-keltisches Trensen-Seitenteil, das zwar verbogen ist und seine ursprüngliche Form verloren hat, aber doch die typischen, als Schwanenkopf gestalteten Enden aufweist. Diese und anderen wertvollen Funde lagerten bislang in Kartons in einem provisorischen Raum unter der Pfarrkirche.

Georg Riedmann, der Vorsitzende der Geschichtfreunde Stetten, ordnet die Glasvitrine mit Funden aus der Frühgeschichte ein.
Georg Riedmann, der Vorsitzende der Geschichtfreunde Stetten, ordnet die Glasvitrine mit Funden aus der Frühgeschichte ein. Foto: Günter Roth

Mit dabei: die Dauergäste Amalie und Kaspar

Lange haben die Geschichtsfreunde um einen eigenen Raum gerungen. Nachdem sich die ehemalige Stettener Blaskapelle von Alban Sauer endgültig aufgelöst hatte und der Probenraum seit vielen Jahren leer stand, konnten nun die Geschichtler hier einziehen. Mit ihnen zogen aber auch Amalie und Kaspar in den Raum ein – und zwar als Dauergäste. Das Stettener Hochzeitspaar in der Tracht von 1850 ist jetzt in einer eigens gebauten Vitrine an der Stirnseite des Geschichtsraums untergebracht.

Die Restaurierung der beiden Puppen haben Agnes Roth und Kilian Krebs in akribischer Kleinarbeit übernommen. Krebs erneuerte die beschädigten Finger der Braut und brachte als erfahrener Maler gemeinsam mit Roth die Farben der Figuren auf Vordermann. Vor allem musste am Teint oder am "Make up" gearbeitet werden. Viel Zeit brauchten auch die Überarbeitungen an der Frauentracht.

Bis es aber soweit kommen konnte, waren viele Helfer des kleinen Vereins in zahlreichen Stunden fleißig am Werk. Von den Wänden mussten jahrzehntealte Tapeten mühsam abgekratzt werden, der Fußboden wurde in Eigenleistungen auf den Knien aufgearbeitet und die Elektroinstallation teilweise erneuert. Aus einer aufgelassenen Dorfwirtschaft konnte man Tische und Stühle günstig erwerben.

Ein Stück von einem menschlichen Schulterknochen mit eingeschossener Pfeilspitze wurde in einem der Hügelgräber gefunden. Es ist im Musesum für Mainfranken in Würzburg zu sehen.
Ein Stück von einem menschlichen Schulterknochen mit eingeschossener Pfeilspitze wurde in einem der Hügelgräber gefunden. Es ist im Musesum für Mainfranken in Würzburg zu sehen. Foto: Günter Roth

Seit nun zehn Jahren sind die Geschichtsfreunde Stetten der Ansprechpartner wenn es darum geht, die Heimat in Vergangenheit und Gegenwart zu begleiten. Schon 2014 übernahmen sie gemeinsam mit dem Landesamt für Denkmalpflege in Bamberg die Patenschaft für die Hügelgräber aus der Bronzezeit auf dem Stettener Steinberg. Sie legten einen Wander-Rundweg an, der mit mehreren Schautafeln über das Leben in dieser Zeit informiert.

Pfeispitze steckt noch im Schulterknochen

Zu den bedeutenden Funden aus diesen Hügelgräbern gehören Schmuckfibeln, Armreifen und ein Teil eines menschlichen Schulterknochens mit einer eingeschossenen Pfeilspitze. Einige dieser Funde sind derzeit im Museum für Franken in der Würzburger Festung ausgestellt. Noch in diesem Jahr wollen die Geschichtsfreunde am sogenannten Grenzweg zwischen Stetten und Karlstadt ein realitätsnahes Hügelgrab mit Infotafeln bauen.

Die in den Stettener Hügelgräbern gefundenen Gewandnadeln werden im Museum für Franken in Würzburg ausgestellt.
Die in den Stettener Hügelgräbern gefundenen Gewandnadeln werden im Museum für Franken in Würzburg ausgestellt. Foto: Günter Roth

Einmal im Jahr veranstaltet der Verein eine öffentliche Lesung für die Bevölkerung, jeweils vor dem betreffenden Objekt. Edgar Burkard sprach da über die Kinderbewahranstalt, das Schultheißenhaus und in diesem Jahr sind zufällig passgenau zur gegenwärtigen Coronakrise Krankheiten und Seuchen in Stetten das Thema .

Eröffnung des Hügelgräberwanderwegs auf dem Steinberg mit dem Archäologen Dr. Ralf Obst (links) von Landesamt für Denkmalpflege in Bamberg.
Eröffnung des Hügelgräberwanderwegs auf dem Steinberg mit dem Archäologen Dr. Ralf Obst (links) von Landesamt für Denkmalpflege in Bamberg. Foto: Günter Roth

Mit zum Jahresprogramm gehören auch Grenzwanderungen und die thematisch unterlegten Dorfwanderungen mit dem "Nachtwächter" Robert Heßdörfer sowie Lichtbildervorträge über Malereien und Heiligenfiguren an Stettener Anwesen.

Die Geschichtsfreunde Stetten wurden vor zehn Jahren von 13 historisch Interessieren gegründet, jetzt sind 38 Mitglieder dabei. Bei der jüngsten Jahresversammlung, die erste im neuen Zimmer, wurden die beiden Vorsitzenden Georg Riedmann und sein Stellvertreter Günter Roth, sowie der Kassier Robert Heßdörfer, die Schriftführerin Christine Graf und der Protokollführer Hartwig Schießer bestätigt. Eigentlich sollte am 4. April der zweite Heimatabend in der Mehrzweckhalle mit Musik, Gedichten und Geschichten stattfinden. Wegen der gegenwärtigen Coronakrise muss dieser aber entfallen und wird, wenn möglich, im Oktober nachgeholt.

Fragmente einer Tonvase aus der mittleren Bronzezeit wurde vor 35 Jahren im "Baustangental" gefunden.
Fragmente einer Tonvase aus der mittleren Bronzezeit wurde vor 35 Jahren im "Baustangental" gefunden. Foto: Günter Roth

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