Lohr

Rechtenbachs Ex-Bürgermeister bald Lohrer Stadtrat?

Andreas Frech, der ehemalige Bürgermeister von Rechtenbach, wohnt seit 2014 in Lohr. Auf der Liste der Grünen kandidiert er für den Stadtrat. Foto: Johannes Ungemach

Von 2008 bis 2014 war Andreas Frech Bürgermeister von Rechtenbach. Dann trat er nicht mehr zur Wahl an. Nun jedoch ist er wieder Kandidat – allerdings für den Lohrer Stadtrat und nicht, wie in Rechtenbach, für die Freien Wähler, sondern für die Grünen. Im Interview erklärt er, wie das kommt.

Herr Frech, ihr Vorgänger Helmut Geist hat nach seiner Bürgermeisterzeit in Rechtenbach den Ort verlassen. Auch Sie sind nach dem Ausscheiden aus dem Amt weg- und nach Lohr gezogen. Vertreibt das Rechtenbacher Bürgermeisteramt seine Inhaber aus dem Ort?

(lacht) Gar nicht. Das war eine ganz private Entscheidung. 2014 gingen unsere beiden Jungs noch in Lohr zur Schule. Der Jüngere spielt außerdem in der Lohrer Fußballjugend. Ich bin Berufspendler und in Lohr näher am Bahnhof. Deswegen sind wir nach Lohr gezogen. Das machte es einfacher.

Der Wegzug aus dem Ort ist das eine. Was hat sie damals bewogen, nach nur einer Wahlperiode nicht mehr für das Bürgermeisteramt zu kandidieren?

Das Amt war neben meinem Beruf nicht mehr zu stemmen. Ich hatte an meinem Arbeitsplatz um einen Tag pro Woche reduziert und trotzdem nicht genug Zeit, um die Aufgabe so auszufüllen, wie es mein Anspruch war. Ich war am Ende der Wahlperiode müde.

Ist der Bürgermeisterposten im Ehrenamt überhaupt noch zu packen?

Das Modell ist nicht mehr zeitgemäß. Die Anforderungen sind definitiv gestiegen. Man muss als ehrenamtlicher Bürgermeister die gleichen Themen abarbeiten wie ein hauptamtlicher, vom Straßenverkehr bis zum schnellen Internet. Man muss überall auf dem aktuellen Stand sein. Das ist nebenher und ehrenamtlich nicht zu leisten.

Sechs Jahre nach dem Ausscheiden aus dem Rechtenbacher Bürgermeisteramt kandidieren sie nun für den Lohrer Stadtrat. Hatten sie Langeweile?

Überhaupt nicht. Ich bin seit jeher politisch interessiert und habe natürlich auch die Lohrer Stadtpolitik verfolgt. Und dann wurde ich vor einem Jahr von den Lohrer Grünen gefragt. Man kennt sich ja.

In Rechtenbach waren sie für die Freien Wähler angetreten. Die gibt es auch in Lohr. Weswegen die Grünen?

Ich hatte noch nie ein Parteibuch. In Rechtenbach bin ich auf die Liste der Freien Wähler, weil mich der damalige Bürgermeister Gerd Kretz angesprochen hatte. Aber ich hatte schon immer eine Affinität zu den Themen und Positionen der Grünen. Ich habe für mich festgestellt, dass man mit dem Alter empfänglicher für Umweltthemen und -probleme wird und auch seine Lebensgewohnheiten des Öfteren hinterfragt. Ich nehme zum Beispiel heute sehr viel öfter das Fahrrad als noch vor einigen Jahren und lasse das Auto in der Garage. Außerdem sind die Mitstreiter bei den Grünen bunt gemischt, sympathisch und authentisch.

Was sind die Themen, die sie in Lohr für drängend halten?

Bei der Stadt- und Verkehrsentwicklung gibt es immer Handlungsbedarf. Zum Teil geht es dabei um Themen, die ich aus Rechtenbach kenne, beispielsweise die Verkehrsbelastung.

Ein Thema, das im Rechtenbacher Gemeinderat in jüngerer Zeit wieder aufkam, ist die Frage, ob man eine Eingemeindung nach Lohr anstreben sollte. Wie würden sie als Lohrer Stadtrat abstimmen, wenn ihre ehemalige Gemeinde anklopfen würde?

Ich würde das unterstützen, klar. Es wäre für Rechtenbach eine sinnvolle Sache. Für Lohr würde es die Einwohnerzahl erhöhen. Der Trend geht zu größeren Einheiten. Das sieht man ja beim geplanten Anschluss Rechtenbachs an die Lohrer Kläranlage. Aber die Initiative müsste natürlich aus Rechtenbach kommen.

Derzeit bildet Rechtenbach zusammen mit Neuendorf, Steinfeld und Neustadt die Verwaltungsgemeinschaft Lohr. Wäre die ohne Rechtenbach überhaupt noch überlebensfähig?

Man müsste sich in diesem Fall vielleicht generell über eine Art neue Gebietsreform Gedanken machen. Ich denke, dass die Menschen heute dazu anders stehen als vor vier oder fünf Jahrzehnten.

Sie stehen auf dem 15. Platz der Stadtratsliste der Grünen. Rechnen Sie sich Chancen auf den Einzug in den Stadtrat aus?

Ehrgeiz habe ich schon. Ich sehe mich nicht als Listenfüller und will mich einbringen. Der eine oder andere in Lohr kennt mich. Ich habe in Lohr Tennis gespielt, bin hier zu Schule gegangen. Aber ich denke, der Sprung in den Lohrer Stadtrat ist auf Anhieb eher unwahrscheinlich.

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