MARKTHEIDENFELD

Regisseurin kommt zur Diskussion

Fünf der sechs im Film mitwirkenden Frauen: Das Foto zeigt (von links) Gabriela Matniszewska, Ilse Kaper, Edwarda Zukowska, Hertha Christ und Regisseurin Karin Kaper. Foto: Kaper

Das Filmforum der Volkshochschule zeigt in Zusammenarbeit mit dem Städtepartnerschaftskomitee Marktheidenfeld am Donnerstag, 7. November, und am Montag, 11. November, um 19 Uhr und dann in Anwesenheit der Regisseurin in den Movie- Lichtspielen „Aber das Leben geht weiter“.

Auf der Grundlage des deutsch- polnischen Vertrags über gute Nachbarschaft von 1991 intensivierten sich sowohl der politische Dialog als auch zwischengesellschaftliche Kontakte zwischen den beiden Staaten. Besonders die durch städtepartnerschaftliches Engagement geförderten Begegnungen zwischen Jugendlichen aus Marktheidenfeld und dem polnischen Pobiedziska entwickelten eine beeindruckende Dynamik.

Schicksalhafte Verknüpfung

Dass auch zwischen älteren Jahrgängen ein unverkrampftes Miteinander möglich ist, ohne die Schrecken des Krieges und der Vertreibung zu vergessen, zeigt der Film von Karin Kaper und Dirk Szuszies. In ruhigen Bildern erzählt er von einer Reise, die die Berliner Filmemacherin mit Mutter und Tante zurück in deren ehemalige Heimat machte und von der schicksalhaften Verknüpfung der deutschen Familie Queißer und der polnischen Familie Zukowscy, die sich in der ehemals niederschlesischen Gemeinde Nieder Linde verdichtet.

Als 16-Jährige wird Edwarda Zukowska mit ihrer Familie aus Ostpolen zur Zwangsarbeit in die UdSSR verschleppt. Nach einer jahrelangen Odyssee erreicht sie 1945 als Soldatin der Roten Armee Nieder Linde. Mit ihrem Vater übernimmt sie jenen Bauernhof, der bis dahin der Familie Queißer, den Großeltern Karin Kapers, gehört hat.

Ein Jahr lang arrangieren sich Deutsche und Polen unter einem Dach. Dann werden die Queißers endgültig ausgesiedelt. Den Kern des Films bilden die Erinnerungen der drei Zeitzeuginnen Ilse, Herta und Edwarda. Anlässlich eines Besuchs bei den Zukowskys erzählen die Frauen von ihren bewegten Lebensgeschichten, deren vergleichbarer Hintergrund das Verständnis füreinander erleichtert.

Dass die Protagonistinnen aus ihrer subjektiven Sicht der Ereignisse heraus eines der schwierigsten Kapitel der deutschen Vergangenheit für die Zuschauer individuell erfahrbar machen, ist nur eine der Stärken von Kapers sensibler, vom Geiste der Toleranz geprägter Dokumentation, die die deutsche Geschichte um Flucht und Vertreibung um die bisher weniger beachtete polnische Perspektive bereichert. Frei von Einseitigkeit und ohne inszenierte Emotionalität macht der Film deutlich, dass es Menschen gibt, die für ihre Nächsten selbst unter widrigsten Umständen Mitgefühl bewahren, und vermittelt so die Gewissheit, dass über alle Gräben hinweg durchaus Verständnis und Versöhnung möglich sind.

Aus der Geschichte lernen

Mit dem Statement von Edwardas Enkelin Gabriela, wie wichtig es ist, aus der Geschichte zu lernen und neue Perspektiven zu entwickeln, gelingt dem Film ein Brückenschlag nicht nur zwischen den Nationen, sondern auch zwischen den Generationen. Fazit: Eine längst fällige Bestandsaufnahme, die Mut macht, sich der eigenen Geschichte mit Offenheit und ohne Bitternis zu stellen.

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Flucht und Vertreibung
  • Regisseure
  • Rote Armee
  • Volkshochschulen
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!