GEMÜNDEN

Rennen der kleinen Flitzer: Abheben am Double-Double

Konzentration und Fingerspitzengefühl: Die Piloten sitzen bei den Rennen am Gemündener „Zollbergring“ nicht im Cockpit, ... Foto: Ferdinand Heilgenthal

Zwei Tage stand für die Freunde elektrisch angetriebener Modellrennautos die „RC-Car-Rennstrecke“ am Zollberg im Blickpunkt ihres Interesses. Die anspruchsvolle Anlage des Motorsportclubs Gemünden (MSC) war zum wiederholten Mal Austragungsort für die „Sportkreismeisterschaft Süd“, die mit einer offenen Süddeutschen Meisterschaft zu vergleichen ist, und bei der wertvolle Punkte für die Qualifikation zur Deutschen Meisterschaft zu sammeln sind. Es gibt in Deutschland nur vier dieser Veranstaltungen im Vorfeld der Deutschen Meisterschaft, die von 5. bis 7. September dieses Jahres zum ersten Mal in Gemünden ausgetragen wird.

MSC-Vorsitzender Thomas Roth begrüßte 63 Teilnehmer aus ganz Deutschland sowie den Schirmherrn, Bürgermeister Jürgen Lippert. Dieser sah sich vor der Siegerehrung interessiert einige Rennen an, schaute sich im Fahrerlager um und ließ sich von Vorstandsmitglied Rudi Naht und Teilnehmern über die technischen Details der lautlosen Renner informieren.

Der von 200 auf 250 Meter Länge erweiterte „Offroad-Parcours“, mit einem Belag aus Kunstrasen und sandgefüllten alten Feuerwehrschläuchen als Begrenzung der drei Meter breiten Fahrbahn, fordert von den Fahrern viel Einfühlungsvermögen. Vom erhöhten Fahrerstand aus steuern sie Lenkung und Geschwindigkeit, um die Ideallinie zu fahren und im richtigen Moment zu den spektakulären Sprüngen am großen Tisch (Table) oder den hintereinander angelegten Zweierwellen, dem „Double Double“, anzusetzen.

Sollte doch einmal eines der Fahrzeuge von der Fahrbahn abkommen oder nach einem Sprung manövrierunfähig wie ein Käfer auf dem Rücken liegen bleiben, wird sofort der nächst-stehende Streckenposten aktiv und setzt das Gefährt wieder in die Spur. Schließlich entscheiden manchmal nur Zehntelsekunden über Sieg oder Niederlage. Die Zeitnahme geschieht elektronisch am Stand der Rennleitung. Dort werden vor dem Rennen auch die Fahrzeuge genau gewogen, um die Chancengleichheit zu wahren.

Wer die Nase vorn haben will, muss daher in die zulässige Trickkiste greifen, das heißt sein Fahrzeug so abstimmen, dass es auf dem Kurs die optimale Leistung bringt. Ganz wichtig sei die genaue Einstellung der Federung, sagt Stefan Knott aus Wolfratshausen in Oberbayern, während er bei der Wartung seines „2-WD“-Renners in einer englisch gefassten Betriebsanleitung blättert. Dort ist der gesamte komplizierte Aufbau eines Stoßdämpfers aufgezeigt, mit den unterschiedlichen Federn, Dichtungen und Ringen, die Spezialisten gelegentlich in den USA bestellen.

Dem staunenden Bürgermeister erklärte er, dass jede Anlage andere Charaktereigenschaften habe und daher die jeweilige maßgeschneiderte Justierung wichtig ist. In seiner Heimat, im Süden Bayerns, hätten die meisten Bahnen einen Lehmbelag, der mehr Drift in den Kurven erzeugt. Hier in Gemünden sei der Kunstrasen ziemlich stumpf und griffig, was bei falscher Fahrweise schnell zu Überschlägen führt. Allerdings müsse man bei den Abstimmungen sogar den Feinsand berücksichtigen, der sich in den Kurven ansammelt.

„Das ist ja praktisch wie bei der Formel eins, nur im Kleinen“, stellte Schirmherr Lippert anerkennend fest. Um seine Aussagen zu unterstreichen, holte der Fahrer einen Karton hervor, in dem sich akribisch gekennzeichnet etwa 30 Sorten Öl in Plastikfläschchen befanden. Mit diesem Öl unterschiedlicher Viskosität könne man die Härte der Federung ganz fein verändern. Aber trotz all der technischen Finessen sei die Geschicklichkeit des Piloten an der Fernsteuerung immer noch erste Voraussetzung für den Erfolg.

Keine Rolle mehr für den Erfolg spielen die Kapazitäten der Akkus. Während vor einigen Jahren noch die Rennzeit von acht Minuten gerade so erreicht wurde, sind heute 20 Minuten Laufzeit kein Problem. Die Entwicklungen gehen auch im Modellsport weiter, waren sich die Tüftler im Fahrerlager einig.

Die Teilnehmer freuen sich schon auf das nächste Rennen in Gemünden, für manche ist das die Deutsche Meisterschaft am ersten Septemberwochenende. Den Kurs lobten sie ohne Ausnahme, ebenso die hervorragende Organisation und Verpflegung von den MSC-Grillspezialisten.

Die Ergebnisse

Die Sieger beim Modellautorennen des MSC Gemünden – die Vereinszugehörigkeit oder die Herkunft war nicht bei allen Teilnehmern angegeben – sind:

In der Klasse „2 WD“ siegte Markus Metsch vor Patrick Hofer und Micha Widmaier, der dem MCC Nufringen angehört. Beste Teilnehmer des MSC Gemünden waren Martin Scharrer auf Platz 5, Jürgen Bohnengel (9) und Simon Schmitt (19).

Die Klasse „2 WD Standard“ gewann Marcel Felzmann vom MAC Burgdorf vor Peter Schulz-Nowak vom MSC Löhne und Julian Krohn.

Im Fahrerlager (von links): Stefan Knott aus Wolfratshausen, Jürgen Lippert und Rudi Nath vom MSC.
Tiefflieger: Der „Double-Double“ sorgt für spektakuläre Sprünge.

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