RIENECK

Rieneck erinnert mit Gedenktafel an Kriegsverbrechen

Die umstrittene Gedenktafel zur Erinnerung an ein Kriegsverbrechen vor 70 Jahren haben Rieneck und die Stifterin Elfriede Krutsch am Sonntagnachmittag aufgestellt.
Einen Findling mit der heftig umstrittenen Gedenktafel zur Erinnerung an ein Kriegsverbrechen vor 70 Jahren haben die 2000-Einwohner-Stadt Rieneck (Lkr. Main-Spessart) und die Stifterin Elfriede Krutsch am Sonntagnachmittag aufgestellt. Trotz Regens und Schlamms nahmen knapp 100 Gäste an der eineinhalbstündigen Feier im Wald am Rienecker Ortsrand teil.

Wolfgang Küber, der von Anfang an, seit 2012, für den Antrag von Elfriede Krutsch eingetreten war, entschuldigte sich als Bürgermeister für die Erschießung von fünf Kriegsgefangenen am 29. März 1945 in seinem Ort, ebenso für die verbalen Angriffe von Rieneckern auf die Stifterin und die Berichterstatter dieser Zeitung, sowie für die „mangelnde Einsicht, dass anstelle der sowjetischen Gefangenen auch Rienecker Bürger Opfer dieses Strafkommandos hätten werden können“. Küber bezog in das Gedenken die fünf 13 bis 17 Jahre alten Hitlerjungen ein, die auf Befehl des Würzburger SA-Chefs Hans Olpp das Erschießungskommando hatten bilden müssen – „politisch vergewaltigte Kinder und Jugendliche (...) die sicherlich für ihr Leben traumatisiert waren“.

Elfriede Krutsch bekräftigte nochmals, mit der Gedenktafel nicht anklagen, sondern lediglich den vergessenen, namenlosen Erschossenen ein Stück Würde zurückgeben zu wollen. Die 65-Jährige zitierte das Grundgesetz: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ – dass dies für alle Menschen gelte, solle man verinnerlichen.
Der SPD-Bundestagsabgeordnete Bernd Rützel, selbst gebürtiger Rienecker, sprach auch im Namen seiner Landtagskollegen Kerstin Celina (Grüne) und Georg Rosenthal (SPD): „Meine Generation und die meiner Kinder und Kindeskinder stehen nicht in der Schuld, aber wir stehen in der Verantwortung, zu erinnern und täglich für Frieden und Freiheit einzutreten.“ Die stellvertretende Main-Spessart-Landrätin Sabine Sitter (CSU) nannte den „Stein des Anstoßes“ ein Zeichen von Menschlichkeit. Aus der Geschichte zu lernen und immer gegen Krieg einzutreten, forderte der Rienecker Oliver Plume als Kreisvorsitzender der Linken.

Den Gedenkstein segneten die Pfarrer Peter Rüb (Wolfsmünster) und Hans Schlumberger (Weißenbronn in Mittelfranken). Auf den Zusammenhang von Bekennen, Trauer und Bewältigung wies Pfarrer Schlumberger in einer anspruchsvollen Predigt hin. Unter den Gästen waren eine Abordnung der Schweinfurter „Initiative gegen das Vergessen“ sowie etwa 20 Rienecker und zehn der 14 Stadträte.

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