Holzkirchen

Runder Tisch zum Thema „Älter werden in kleinen Gemeinden“

Älter werden in kleinen Gemeinden. Ein runder Tisch traf sich in Holzkirchen zu diesem Thema. Foto: Ursula R. Deisinger

Vor wenigen Tagen fand im Gemeindesaal ein Informationsabend statt. Eingeladen hatte der Arbeitskreis aus dem Seniorenclub 60+/Jungseniorenstammtisch, heißt es in einer Pressemitteilung. Die Mitglieder des Arbeitskreises sind Betroffene und haben überwiegend eigene Erfahrungen mit schweren Erkrankungen, Pflege und Demenzbetreuung.

Die Veranstaltung sollte in erster Linie als Forum dienen, um die Herausforderungen des demografischen Wandels zu diskutieren, und die Bürger sensibel zu machen für die Tatsache, dass bereits heute in der Gemeinde Holzkirchen/Wüstenzell fast 50 Prozent der Einwohner über 55 Jahre alt sind. Dabei steht, demografisch betrachtet, die Baby-Boomer-Generation der Sechziger vor der Tür. Wir werden 90 Jahre und älter. Dafür müssten wir uns als Gemeinschaft rüsten - so die Idee. Wie könnte das gelingen?

Gesellschaftliche Teilhabe älterer Menschen stärken

Der Einladung folgten Bürgermeister Klaus Beck und eine breite Abordnung der Gemeinderäte, interessierte Bürger, sowie der Fachreferent Gerd Bauz, der im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit, Familie und Soziales ein begleitetes Förderprogramm vorstellte.

Dessen Ziele sind zum einen, gesellschaftliche Teilhabe älterer Menschen zu stärken, zweitens bürgerschaftliches Engagement von und für Ältere zu fördern, die Bereiche Wohnen und Wohnumfeld den Bedürfnissen Älterer anzupassen und insbesondere die Grundversorgung mit täglichen Bedarfsgütern sowie medizinische und pflegerische Betreuung vor Ort sicherzustellen.

Das Projekt hat drei Phasen: individuelle Analyse der Kommune, Entwicklung eines Gesamtkonzeptes und Begleitung in der Umsetzung mit zweijähriger Dauer und Bezuschussung durch den Freistaat Bayern. Dafür läuft zeitnah befristet ein Interessebekundungsverfahren für kleine Gemeinden.

Sorge um die Kosten für die Gemeinden

Prinzipiell bejahte Bürgermeister Beck die Darlegungen. Die kritische Erfahrungshaltung hinsichtlich der erforderlichen Bürgerbeteiligung wurde in seiner Rede deutlich. Auch, dass es quasi zwei Dörfer betreffe, wurde als erschwerend bewertet. Zudem äußerte er die Sorge angemessener aktiver Bürgermitwirkung und möglicher Kosten, die auf die Gemeinden abgewälzt werden würden. Bauplanerische Langzeitprojekte zur Altortbelebung würden bereits umgesetzt.

Der Referent initiierte Arbeitsgruppen, die sich über die aktuelle Ist-Situation zu den beschriebenen Themen Gedanken machten: Besuchsdienste, nachbarschaftliche Hilfen, hauswirtschaftliche Hilfen, Lieferdienste, Bring- und Abholdienste, handwerkliche Hilfen, Garten, Winterdienst etc. Ergebnis: Solange Senioren mobil und fit sind, ist gesorgt. Beginnende Einschränkungen brauchen Hilfestellungen, die fehlen. Schnell sei dann die Unterbringung im stationären Bereich die einzige Wahl. 

Bürger-Treff im Gemeindehaus wäre denkbar

Die Sprecherin des Arbeitskreis Jungsenioren, Ursula R. Deisinger machte deutlich, alles beginne mit der Haltung. Das Alter stelle ein ungeliebtes Tabu dar, ewige Jugend sei ein Menschheitstraum. Alter sei ein jahrzehntelanger und besonderer Lebensabschnitt von Menschen mit hoher Lebenserfahrung, dem Wunsch nach Selbstbestimmung und Lebensfreude, aber auch Angst vor Verlusten und Abhängigkeiten. Senioren blieben erfahrene und wirksame Mitglieder der Gemeinschaft. Traditionelle Versorgungsmuster seien aber unwirksam geworden –  auch auf dem Land. 

Es gelte, Unterstützungs-Netzwerke und anders geartete Versorgungs-Angebote innerorts zu entfalten, um sozial dort weiter im Alter leben zu können, und die Verödung der Ortskerne zu verhindern. Denkbar wäre der Start eines 14-tägigen Bürger-Treffs (behindertengerecht) im Gemeindehaus als Anlaufstelle und mit Angeboten zum Thema Älterwerden in Gemeinschaft.

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