Karlstadt

Sack Zement: Fragen über Fragen

Noch drei Tage hat das Jahr 2018 Zeit, um einige der wichtigsten Fragen der Menschheit zu lösen oder doch wenigstens zu erklären.

Wochenlang standen sie in dem von mir betreuten Einkaufsmarkt herum: Nikoläuse, Weihnachtsmänner oder gar Miss-Santa, daneben Lebkuchen und Hexenhäuschen. Jetzt - sofort nach den Feiertagen - sind sie weg. Wo sind sie? Gibt es irgendwo eine Zuflucht für die, die keiner mehr haben will? Oder stimmt womöglich doch, dass die Weihnachtsmänner transformiert werden, eingeschmolzen und in einem Vierteljahr als Osterhasen wieder im selben Regal stehen. Die Damen, die an der Kasse jedenfalls sonst alles wissen, hatten keine plausible Erklärung.

Keine Antwort gibt es 2018 auch auf die Frage, wieso bei Aldi immer eine Kasse zu wenig geöffnet ist oder warum die neue Kasse erst dann aufmacht, wenn ich mich an der anderen bis nach vorne gewartet habe. Im Wurst- oder Käseregal liegt die eingeschweißte Ware aus. Eine Ecke trägt den Aufdruck "Bitte hier öffnen!" Wieso steht dann nicht an den anderen Ecken "Bitte hier nicht öffnen!"

Beim Bäcker werden Brezeln feilgeboten, dick mit Salz bestreut, obwohl fast jeder als erste Handlung das viele Salz runterpult. Andererseits bleiben Brezeln ohne Salz liegen. Wieso? Ich habe Alexa und Siri gefragt, doch die haben nur schäkernd gelacht und mit ihren blauen LEDs geblinkt. Eine Antwort hatten sie trotz Vernetzung mit Google nicht. Die beiden wissen zwar auch, wo Westfalen liegt, aber Ostfalen kennen sie nicht. Dieselbe Ratlosigkeit, auch beim Geld: Angeblich haben ja die Phönizier das Geld erfunden. Aber bitteschön warum so wenig?

Ganz schwierig aber wird's bei uns in Karscht: Wieso kommen im Theater in der Gerbergasse die Besucher mit den Mittelplätzen grundsätzlich als Letzte? Dutzende anderer müssen dann mühsam aufstehen, um die Bummler durchzulassen. Aber das ist im Theater Würzburg genauso und auch in der Elbphilharmonie nicht anders. Das liegt wahrscheinlich daran, dass die Gäste in der Mitte besonders wichtig sind und von all den nachgeordneten wahrgenommen werden sollen.

Rätselhaft sind die Ansprachen unseres Bürgermeisters. Wenn er dieselben gut vorbereitet hat, sind sie kurz und knackig. Andernfalls stellen sie die Geduld der Zuhörer oft ganz gehörig auf die Probe. Wahrscheinlich gilt hier Goethes Spruch: "Entschuldige lieber Freund, dass mein Brief diesmal so lang ist, aber ich hatte keine Zeit!"

Zu guter Letzt noch ein ganz persönliche ungelöste Frage, die 2018 überdauert hat: "Wo ist die zweite Socke?" Ich bin regelmäßig überrascht und verzweifelt, wie viele verschiedene Socken es auf der Welt gibt und dass ich fast alle davon besitze. Jedenfalls passen die selten zusammen. Doch wenigstens hier will ich im kommenden Jahr Abhilfe schaffen. Wenn ich im Winter Stiefel trage, sieht den Unterschied eh niemand und im Sommer laufe ich halt barfuß. Ich könnte natürlich auch alle meine Socken einfach wegschmeißen und mir 20 Paar völlig gleiche kaufen.

Eine geniale Lösung für 2019 finde ich. Wenn doch alle Probleme so leicht aus der Welt zu schaffen wären.

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