Müdesheim

Sauer warnt im B26n-Streit: Aufwändige Ortsumgehungen auch keine Lösung

Gut 60 Interessenten fanden sich bei der Informationsveranstaltung der Bürgerinitiative (BI) gegen die B 26n in Müdesheim ein. Ein Großteil allerdings waren Besucher aus den Kerngemeinden der BI. Leidenschaftlich in der Sache, aber ausgesprochen fair tauschten Befürworter und Gegner ihre weitgehend hinreichend bekannten Argumente aus. Wenngleich es keine echten  Übereinkünfte gab, hatte man das Gefühl, dass beide Seiten der Argumentation ihrer Kontrahenten mit Respekt begegneten.

Aufhorchen ließ aber eine Entwicklung, die sich offensichtlich fast unmerklich vollzogen hat. Der Arnsteiner Bürgermeister Franz-Josef Sauer warnte eindringlich vor der Idee, statt einer neuen Trasse auf der Höhe, ortsnahe Umgehungen für die sechs Werntaldörfer zu schaffen. Wer die Natur auf der geplanten Trasse schützen wolle, dürfe nicht im Gegenzug die Natur und die Menschen im Werntal durch aufwändige Umgehungen zerstören und insgesamt das Werntal nicht für die B 26n in Geißelhaft nehmen.

Hier kam seitens der BI-Mitglieder kein Widerspruch. Vielmehr räumte Armin Beck als zweiter Vorsitzender der BI auf die Frage des Arnsteiner Stadtrats Johannes Keidel, wie er sich eine Umgehung für die Kernstadt Arnsteins vorstelle: "Hierzu habe ich nach der faktischen Neuen Mitte keine Fantasie". Für ihn wäre die jetzt umgeplante innerörtliche Trasse eine geeignete Entlastung vom Durchgangsverkehr gewesen.

Aktion des gesamten Landkreises

Im Gegenzug betonte Beck nachdrücklich die Argumentation seiner BI, die neue Bundesstraße sei für den Landkreis nicht nötig: "Main-Spessart braucht die B 26n nicht für den Wohlstand!". Andererseits werde die neue Straße zusätzlichen Verkehr anziehen, der entsprechend dem gegenwärtigen Planungsstand nach dem ersten Bauabschnitt bis Karlstadt die nachfolgenden Kommunen extrem belasten werde. Die notwendige Entlastung für Arnstein dürfe nicht nach Karlstadt und Lohr verlagert werden, so Beck.

Hoch emotional aber sachlich hielt ihm Sauer entgegen, seine Stadt wolle keinesfalls nach dem Motto "Euer Problem – unser Problem" argumentieren. Er gab aber auch zu bedenken, dass der Verkehr augenblicklich mitten durch die Stadt sowie die nachfolgenden Ortsteile fließe, ein großer Teil davon in erster Linie für Karlstadt und Lohr von Vorteil sei: beispielsweise die Vielzahl von Zementlastern.

Als Lösung forderte Sauer eine konzertierte Aktion des gesamten Landkreises: "Wir müssen uns in MSP einig werden und eine Verkehrspolitik ohne Verlierer schaffen", sagte er. Der Durchgangsverkehr müsse neu geordnet werden. Dazu gehöre, die Verkehrsströme digital zu lenken und vorrangig zu verlagern auf die sechsspurig auszubauenden Autobahnen A 3 und A 7. Ziel müsse sein, die B 26 abzustufen.

Gegenseitig respektiert

Dem vermochte Beck durchaus einiges abzugewinnen, bestand aber darauf, es dürfe keine Lösung für Arnstein geben, ohne dabei an die anderen Gemeinden zu denken. Als möglichen Ansatz sah er eine Anzahl kleinerer Bausteine wie die Reaktivierung der Werntalbahn, den massiven Ausbau des Öffentlichen Nahverkehrs und Radwege.

Insgesamt wurde deutlich, dass beide Seiten bereit sind, die andere Position ernst zu nehmen. Die einen haben die Not vor Ort, die anderen fürchten sich davor. Nicht zuletzt sind auch hier die Bürger gefordert, als Konsumenten sich im Nahbereich zu versorgen, statt exzessiv im Onlinehandel, und damit das Verkehrschaos auf den Straßen weiter anzuheizen. Ein Satz des Bundestagsabgeordneten Alexander Hofmann bei einer kontroversen Diskussion um den Pflegenotstand hat wohl auch hier volle Bedeutung: "Alle haben Recht – aber wer hat die Lösung?"

Schlagworte

  • Müdesheim
  • Günter Roth
  • Autobahnen
  • Bundesstraße 26n
  • Bundesstraßen
  • Emotion und Gefühl
  • Nahverkehr
  • Probleme und Krisen
  • Radwege
  • Verkehr
  • Verkehrchaos
  • Verkehrspolitik
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
7 7
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!