Lohr

Schäden bei Prüfung: Lohrer Parkdeck wird vielleicht teilweise gesperrt

Der Ersatzbau für ein Parkdeck soll nun doch am alten Standort entstehen. Der Stadtrat hat sich mehrheitlich gegen die Suche nach Alternativstandorten ausgesprochen. Foto: Thomas Josef Möhler

Einige überraschende Beschlüsse hat der Stadtrat am Mittwoch nach kontroverser Debatte zum Ersatzneubau für das Parkdeck an der Ignatius-Taschner-Straße getroffen. Eine Suche nach Alternativstandorten soll es nun doch nicht geben. Das neue Parkdeck soll an der Stelle des alten entstehen – ohne Zuschüsse und in Eigenregie der Stadtwerke.

Die Beschlusslage war bislang ganz anders. Der Neubau in öffentlich-privater Partnerschaft erfolgen. Im September hatte die Fraktion der Grünen die Eignung des bisherigen Standorts in Frage gestellt. Geprüft werden sollte die Fläche jenseits der Bahngleise, die zurzeit als Parkplatz genutzt wird – auch mit Blick auf die Idee, die Bahnlinie von Haupt- zum Stadtbahnhof zu reaktivieren.

Dass es nun ganz anders kam, ist zum einen auf einen Antrag der CSU-Fraktion zurückzuführen, vor allem aber auch auf Ausführungen von Stadtwerkeleiter Otto Mergler. Die Christsozialen hatten beantragt, die Verwaltung mit der Fertigstellung der Planung zu beauftragen, Fördermöglichkeiten zu prüfen und alle Schritte zum Abriss des Parkdecks einzuleiten.

"Viel Zeit verloren"

Zur Begründung sagte Dirk Rieb, für die CSU sei der jetzige Standort "genau der richtige". Je weiter weg das Parkdeck von der Innenstadt sei, desto schlechter werde es angenommen. Man habe schon "wahnsinnig viel Zeit verloren" und müsse endlich eine Entscheidung treffen.

Schäden im Parkdeck Lohr bei Bauwerksprüfung markiert. Foto: Björn Kohlhepp

Laut Mergler wurde wegen des Risikos von Drittschäden (an Autos) durch abbröckelnde Teile im Untergeschoss des Parkdecks inzwischen eine Bauwerksprüfung beauftragt. Die Sichtprüfung habe Schäden an Decken und Trägern festgestellt. Deshalb sei eine statische Beurteilung der gesamten Stahlbetonkonstruktion empfohlen worden.

Eine weitere Empfehlung rate zu einer umfangreichen Baustoffuntersuchung wegen der Chloridbelastung (durch Streusalz). Parkplätze unter den beschädigten Teilen sollten gesperrt werden, um Schäden an Fahrzeugen zu vermeiden.

Laut Mergler ist es in mehreren Gesprächen mit der Regierung in Würzburg nicht gelungen, Aussagen zu Fördermöglichkeiten zu erhalten. Nach eigener Einschätzung sei für das Bauwerk kaum eine Objektförderung zu erwarten. Die Finanzierungsmöglichkeiten für Kommunen auf dem Kapitalmarkt seien "anhaltend gut".

Das Büro Rödl & Partner habe im Auftrag der Stadtwerke die Wirtschaftlichkeit des Neubaus ohne Förderung durchgerechnet. Ergebnis: Eine "konventionelle Beschaffung in Eigenregie" der Stadtwerke sei vorteilhafter. Mergler nannte eine Summe von über 400 000 Euro, die eine öffentlich-private Partnerschaft teurer wäre.

Mögliche Bahnreaktivierung

Für die Grünen bekräftigte Ulrike Röder die bisherige Haltung: Wegen der möglichen Reaktivierung der Stadtbahnlinie solle das Areal jenseits der Gleise städtebaulich im Sinne einer "Mobilitätsdrehscheibe" untersucht werden. Der jetzige Standort des Parkdecks habe ein hohes Entwicklungspotenzial. Man müsse sich fragen, ob man darauf nur Parken verwirklichen wolle.

Brigitte Riedmann (FW) und Franklin Zeitz (Bürgerverein) sprachen sich für die Beibehaltung des Standortes aus und drängten auf eine Entscheidung: Mit der Eröffnung der Geschäfte auf dem Brauereigelände werde der Verkehr zunehmen. Thomas Nischalke (SPD) setzte auf ein Verkehrskonzept: Aus 5000 Fahrzeugen am Tag in diesem Bereich würden 6500. Man müsse auch anderen Mobilitätsformen wie Bus und Fahrrad eine Chance geben.

Rainer Nätscher (FW) kritisierte, dass mit den Anwohnern trotz vorgebrachter Bedenken gegen das neue Parkhaus nicht gesprochen worden sei. Von Gesprächen sei ihm "nichts bekannt", bestätigte Bauamtsleiter Rainer Tratberger. Bürgermeister Mario Paul durfte trotz persönlicher Beteiligung (siehe "Hintergrund") dazu etwas sagen: Es habe mit den Anwohnern noch keine Gespräche gegeben, weil man erst das schalltechnische Gutachten habe abwarten wollen.

Eine Sperrung der Anlagenstraße in Abwärtsrichtung brachte Brigitte Riedmann ins Gespräch: Das brächte eine "unheimliche Entlastung der Anwohner" und würde den Schleichweg über den Kellersrempel nach Sendelbach dichtmachen.

Auf einem Alternativstandort jenseits der Gleise würde ein Parkhaus wesentlich höher, weil man dort nicht wie am jetzigen Standort im Untergeschoss beginnen könne, argumentierten Ulla Menzel und Matthias Schneider (beide CSU). Bärbel Imhof (Grüne) meinte dagegen: "Wir sind keine Fachleute und können das alle nicht beurteilen, wir sollten eine umfassende Untersuchung abwarten."

Drei Beschlüsse

Für eine Überprüfung von Alternativstandorten sprachen sich letztlich nur die fünf Grünen aus, die restlichen 17 anwesenden Stadträte waren dagegen. Fördermöglichkeiten nicht weiter zu verfolgen, wurde mit 13:9 Stimmen entschieden. Einstimmig wurde ein Neubau in Eigenregie statt in öffentlich-privater Partnerschaft beschlossen.

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