BAD NEUSTADT

Schnell mal abseilen

Schnell mal abseilen: Kevin Zimmer tut dies im Gelände übungshalber. Die Prüfer schauen dabei genau zu: Gute Kletterkünste sind Grundvoraussetzung, um die Bergwacht-Prüfung zu bestehen. Foto: Stuhl

Ein eisiger Wind weht im Steinbruch zwischen Bad Neustadt und Heustreu, eine Schneeschicht hat sich über die Landschaft gelegt. Realistische Bedingungen für die 14 Anwärter zum Bergwachtmann, die im unwegsamen Gelände die praktische Prüfung im Fach Notfallmedizin ablegen müssen.

Die Anforderungen an einen Bergwachtmann sind hoch. Es ist nicht nur die Versorgung von Knochenbrüchen nach schweren Stürzen beim Skifahren, zu denen sie gerufen werden. Unterkühlte Wanderer, ältere Personen mit Herz-Kreislauf-Problemen und Herzinfarkte sind die klassischen Fälle, zu denen die Bergwacht gerufen wird. Sie muss die Erstversorgung übernehmen, bis ein Notarzt vor Ort ist.

Drei Jahre dauert die Ausbildung, in fünf Bereichen muss eine Prüfung abgelegt werden. „Es ist nicht einfach, Nachwuchs zu rekrutieren“, erklärt Bruno Büchs, Leiter der Bergwacht Rhön-Spessart. „Gerade weil die Anforderungen so hoch sind.“

Wer als Bergwachtmann arbeiten möchte, muss sich sicher im unwegsamen Gelände aufhalten können. Beim Skifahren muss man dabei ebenso geübt sein wie beim Bergsteigen und Klettern. Auch eine soziale Ader sollten Anwärter mitbringen, für Egoisten ist in der Bergwacht kein Platz. „Bergwachtmänner arbeiten ehrenamtlich“, erklärt Büchs. Bevor die 14 Anwärter ihr Können in der Praxis bei der Prüfung im Steinbruch zeigen konnten, hieß es an fünf Wochenenden Theorie pauken.

In 80 Stunden wurden die Grundlagen gelegt, damit die Bergwachtmänner im Einsatz die richtigen Entscheidungen treffen können. „Die Ausbildung unterscheidet sich kaum von der zum Rettungssanitäter“, erklärt Oliver Scheuplein, Lehrgangsleiter für den Bereich Notfallmedizin.

Hohe Anforderungen

Mit prüfendem Blick sorgt der Heustreuer dafür, dass seine Schützlinge ihr Handwerk strikt nach Lehrbuch ausüben. Die Anforderungen an einen Bergwachtmann sind bayernweit gleich. „Das heißt, wir müssen auch üben, wie eine Lawinenrettung organisiert wird, auch wenn es in der Rhön Lawinen gar nicht gibt“, so Scheuplein.

Auch Dr. Waldemar Hohm, medizinischer Leiter und Regionalarzt der Bergwacht Rhön, schaut genau hin, wenn die Anwärter bei der Prüfung die Erstversorgung übernehmen. „Wir haben eine sehr gute Truppe“, lobt Hohm. Rund 150 aktive Bergwachtleute zählt Bruno Büchs in der Rhön. Am Kreuzberg, Feuerberg und Arnsberg leisten sie in Gruppen von zwei bis drei Personen ihren Dienst an den Stationen der Bergwacht.

Drei Frammersbacher

Bis die 14 Anwärter, die alle die Prüfung in Notfallmedizin bestanden haben, tatsächlich ausrücken dürfen, dauert es noch. Nicht nur bei einer fiktiven Sommerrettung und eine Winterrettung werden die Anwärter ihr Können noch unter Beweis stellen müssen. Auch eine Übung, bei der ein Patient mit dem Hubschrauber abtransportiert wird, muss noch bestanden werden. Letzter Baustein in der Ausbildung ist eine Prüfung im Fach Naturschutz.

Unter den jungen Frauen und Männern, die die Prüfung bestanden haben, sind mit Steffen Breitenbach, Tobias Englert und Julia Wiesmann auch drei Frammersbacher.

ONLINE-TIPP

Weitere Bilder unter rhoengrabfeld.mainpost.de

Feedback vom Ausbilder: Nach der Erstversorgung des Verunfallten lobt Ausbilder Peter Hahn von der Bereitschaft Oberbach die beiden Bergwacht-Anwärter. Andreas Schneider und Markus Kientzle sind zwei von 14 Prüflingen, die sich einer von fünf Prüfungen stellten.

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