GEMÜNDEN

Schöpft der Drogeriemarkt zuviel Kaufkraft ab?

Ist die Ansiedlung eines Müller-Drogeriemarkts und einer Filiale der Möbel- und Dekor-Kette Depot in Gemünden überhaupt zulässig? Volker Wedde, der unterfränkische Bezirksgeschäftsführer des Handelsverbands Bayern, bezweifelt das.

Zwar gebe es eine Aussage der Regierung von Unterfranken vom September, dass dem Vorhaben im Gewerbegebiet in der Weißensteinstraße nichts entgegenstehe. Wedde aber hat nachgerechnet. Dabei kommt er zu dem Ergebnis, dass das Projekt für die Drogerie eine Größenordnung erreicht, die problematisch ist, was die Vorgaben des Landesentwicklungsplans angeht.

Die Stadt sollte deswegen den Kontakt zur Regierung suchen und das noch einmal prüfen lassen, schlug er in der Jahresversammlung des Vereins Stadtmarketing Gemünden aktiv vor. Dieser hatte das Thema auf Vorschlag von Bürgermeister Jürgen Lippert nachträglich auf die Tagesordnung gesetzt.

„Soweit sortimentspezifische Verkaufsflächen die landesplanerische Relevanzschwelle überschreiten, dürfen Einzelhandelsgroßprojekte, soweit in ihnen Innenstadtbedarf verkauft wird, für die ersten 100 000 Einwohner 30 von Hundert der sortimentspezifischen Kaufkraft im einschlägigen Bezugsraum abschöpfen“, heißt die entsprechende Passage im Behördendeutsch des Landesentwicklungsprogramms.

Wedde formulierte es verständlicher: Bei Drogeriewaren, die zum Innenstadtbedarf gerechnet werden, dürfte ein Markt maximal 30 Prozent der Kaufkraft der rund 22 000 Einwohner abschöpfen, die zum Einzugsgebiet der Stadt Gemünden gerechnet werden. Diesen Wert würde der Müller-Markt überschreiten, legt er der Berechnung die üblichen Durchschnittswerte für Flächenleistung (5500 Euro Umsatz pro Quadratmeter Marktfläche) und Kaufkraft (380 Euro pro Kopf und Jahr für Drogeriewaren) zugrunde.

Er kommt damit auf eine zulässige Größe eines Drogeriemarktes von nur 465 Quadratmeter. 1100 Quadratmeter sind geplant, allerdings soll nicht die ganze Fläche für Drogeriewaren genutzt werden, sondern auch andere Sortimente wie Spiel- und Schreibwaren verkauft werden.

Der Handelsverband findet die Ansiedlung neuer Geschäfte oder Filialen grundsätzlich gut, erläuterte Wedde. Man müsse aber die Innenstädte schützen. Es sollte für Kunden nicht heißen dürfen: Ich fahre entweder in die Innenstadt oder in ein Marktzentrum an der Peripherie. Sondern es müsste heißen: Ich fahre erst dahin, dann dorthin.

Man werde die Anregungen von Wedde in der Stellungnahme für die Stadt aufgreifen, sagte Günter Felbinger, der Vorsitzende des Vereins Stadtmarketing Gemünden aktiv. Er sei sich darüber im Klaren, dass die Mehrheit der Bevölkerung wünsche, dass die beiden Geschäfte kommen.

„Wir müssen uns als Vertreter der Geschäftsleute aber dagegen wenden“, sagte er. Man sei angetreten mit dem Ziel, die Innenstadt zu beleben. Deswegen bezeichnete er die Ansiedlungspläne im Gewerbegebiet Weißensteinstraße als „Schuss ins Kontor.“

Peter Welzenbach und Manfred Weigand, die Inhaber des „City store for women“ und des „Basti“ fassten die Bedenken der Gegner des Projekts zusammen. Ziehen die Märkte Kundschaft aus der Innenstadt ab, könnte das dort zu Schließungen führen und womöglich sogar einen Dominoeffekt auslösen. „Wenn dann Touristen oder Festspielbesucher Gemünden besuchen, was sehen die noch in der Innenstadt?“

Sie würden an der Weißensteinstraße lieber einen Handwerksbetrieb sehen, oder einen Laden, wie es ihn in Gemünden und Umgebung sonst nicht gibt, etwa ein Sportartikel-Outlet. „Vielleicht finden wir gemeinsam etwas, was den Standort füllt, ohne dass die Innenstadt ausblutet.

Die Umfrage, die der Verein derzeit bei den Geschäftsleuten macht, ergibt bisher übrigens ein beinahe unentschiedenes Bild. Aus der Innenstadt waren von 13 Stellungnahmen fünf neutral, drei begrüßten die Pläne für eine Neuansiedlung von Müller und Depot, vier lehnten sie ab.

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