Schwarzes Hoch, rote Dämmerung

Partenstein Starkes Bier kombiniert mit starken Sprüchen - das ist das Schwarzbierfest im Lohrtal. Auch im neunten Jahr war das politische Derblecken der schwarz-rot-freien Kooperation ein "Volltreffer ins Schwarze".
Charmant gab Luzia Lausmann vor 180 Zuhörern im Jugendheim Partenstein am Samstagabend ihr Debüt als Moderatorin in feinstem Hochdeutsch. "Ich habe leider noch keinen Kurs in Zeichensprache belegt", gestand sie mit Blick auf Verständigungsschwierigkeiten. Ein Programm "zum Schmunzeln und Stirnrunzeln" versprach der Vorsitzende des CSU-Ortsverbandes Partenstein, Rainer Karg.

Die ehrenvolle Aufgabe des Bieranstichs zu den Klängen des Bayerischen Defiliermarsches übernahm ein gut gelaunter Europaminister in voluminöser Schürze, die er durchaus für angemessen hielt: "Was glaubt ihr, wie groß Europa ist!" Eberhard Sinners "Ozapft is" gab den Startschuss für ein Feuerwerk an Sketchen und Musik.

Lokalprominenz

Den fränkischen "Derbleckern" stellten sich neben der Lokalprominenz Kreisrat Klaus Bittermann, die Lohrer Abordnung um Bürgermeister Siegfried Selinger und Dekan Michael Wehrwein sowie Diakon Giesbert Bachmeyer (Frammersbach). Ihre Solidarität mit dem CSU-Ortsverband Partenstein zeigten die Wiesthaler Parteifreunde in starker Besetzung.

Seine Chance als Nachwuchs erhalten und genutzt hat das Promi-Team "Die Gallier". Der Hilfeschrei "Ich bin ein Dorfpromi; holt mich hier raus" von Simon Amend, Andreas und Michael Karg, Andreas Krimm und Andreas Staab erklang aus dem Unterholzcamp. Dort galt es, "mörderische Uffgabe" zu erfüllen: Bürgermeister Heinz Steigerwald, überzeugend dargestellt von Simon Amend, grub riesige Löcher am Schlossberg; Andreas Karg als Zweiter Bürgermeister Stephan Amend quälte sich mit seinem Pritschenwagen voller Getränke hinauf.

Da war die Rede von gelbem Rasensamen am Sportplatz und dem verunglückten Champignon-Laster, der irrtümlich von durstigen Seelen als "Pils-Lkw" deklariert wurde.

Von der Dschungel-Arie ging es zum "Lied unserer Heimat", dem "Sing-Sang" von Bruder Karagas (Rainer Karch) und seinen Mitstreitern Günther Neuf und Heiko Steigerwald. In gespieltem Ernst nahmen sie das Dorfgeschehen auf die Schippe. Mit Themen wie der "Schlossberg-Weinkeller-Grafen-von-Rieneck-Ausgrabes-Verein" oder dem "Schrift" seiner Tankstellenverseuchung mit Waldschloss-Export sorgten die "drei Wahrzeichen des Schwarzbierfestes" für schallendes Gelächter. Ihr komödiantisches Talent einschließlich Originaldialekt stellten Karg, Neuf und Steigerwald nochmals als "Lohrer Sigi, Partensteiner Heinz und Frammersbacher Adolf" unter Beweis. Hoch oben auf dem Schlossberg lieferten sich die drei Gemeindeoberhäupter im "Mülltonnentreff" ein hitziges Wortgefecht. Sein Fett weg bekam dabei der Sigi: "Kreissitz fort, Baurecht fort, Bier fort, Geburtshilfe fort". Köstlich amüsierte sich das Publikum über den geplanten unterirdischen Verbindungsgang vom Lohrer Gymnasium zur Agentur für Arbeit - "damit die Absolventen früher stempeln können" - oder den Anbau eines Schlafsaales beim Aldi: "Wenn es dort wieder Computer gibt, kann sich der Kunde am Abend vorher ein Bett mieten."

Brisante Schlagzeilen

Wiederholt spontanen Zwischenapplaus gab es für die brisanten Schlagzeilen der Bundespolitik von "Lauser & Grinser" alias Rainer Karg und Heiko Steigerwald, der seinen Notgroschen für medizinische Eingriffe um den Hals trug. "Lange vom Bildschirm verschwunden, jetzt wieder da" wurde gerätselt über die Erinnerungslücken von Altbundeskanzler Helmut Kohl oder ob die Frau des "ausgegoppelten Europaministers" ein Kopftuch bekommt.

"Ich versteh ja nirs vo de Politik" verriet das Partensteiner Bühnentalent Anita Steigerwald, machte sich aber trotzdem so seine Gedanken über Schröders Rückwärtsrolle und 750 neue Gesetze: "Es wird reformiert und reformiert - hoffentlich ist Deutschland nicht eines Tages deformiert." Ihre journalistischen Fähigkeiten stellte Steffi Schawerna zur Schau. Für das Magazin "Rasant" brachte die "Schäfers Steffi" im Telegrammstil Bittermann-News sowie einen Wetterbericht mit schwarzem Hoch und roter Götterdämmerung.

Eingeladen war das Publikum nicht zum "Frühstück bei Tiffany"; nein, Doris und Gerd in Hannover gaben sich die Ehre: Überzeugend gespielt von Ute Schawerna-Pedrosa als Doris Schröder-Köpf im "königlich-bayerischen-Freistaat-Negligé" und Matthias Born, der Tonfall und Stimmlage des scheidenden SPD-Chefs originalgetreu imitierte.

Die Lachnummer des Abends war zweifellos das "Kaffeekränzchen". Bereits der Einzug der mehr oder weniger rüstigen Strickweiber sorgte für Belustigung. Anna (Anita Steigerwald), Kuni (Rainer Karg), Lies (Heiko Steigerwald) und Käth (Günther Neuf) entführten mit der Logik des Alters in die "Partensteiner Tiefen". Die "alten Kacheln" verteilten Seitenhiebe auf die örtliche Terminüberschneidung und den Präsidentschaftskandidaten mit schickem Anzug und schwarzem Mercedes samt Bodyguards.

Ein Lob an die Partensteiner Musikanten und ihren Dirigenten Marc Steigerwald: Ihre Auftritte waren nicht nur musikalische Umrahmung, sondern fester Bestandteil des Abends. Ob zünftige Blasmusik oder Gesangseinlagen mit Lokalbezug - der Funke sprang aufs begeisterte Publikum über.

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