Lohr

Sebastian Wächter erzählt Schülern vom Leben im Rollstuhl

Umringt von Dritt- und Viertklässlern der Wombacher Grundschule war Motivations- Coach Sebastian Wächter, der demonstrierte, wie er auch mit verkrüppelten Fingern und Lähmungen schreiben kann. Foto: Frank Zagel

"Warum sitzen Sie im Rollstuhl", "Wie gehen Sie auf die Toilette" und "Wie kommen Sie in Ihr Auto" sind nur einige von vielen Fragen, die der querschnittsgelähmte Sebastian Wächter von den etwa 30 Grundschülern in Wombach gestellt bekommen hat. Für den bundesweiten Vorlesetag wurde Wächter, der seit seinem 18. Lebensjahr nach einen Freizeit-Unfall im Rollstuhl sitzt, in die Schule eingeladen. Die seit 2018 amtierende Rektorin Christine Schleßmann habe Wächter im Radio auf der Heimfahrt in einem Interview gehört: "Da dachte ich gleich, Herr Wächter wäre der richtige für unseren Vorlesetag." Jedes Jahr bemüht sich die Wombacher Grundschule im Rahmen des Vorlesetages um eine interessante Person des öffentlichen Lebens, so Schleßmann.

Dass dieser Vorlesetag, angeregt von der Stiftung Lesen, vor Dritt- und Viertklässlern für Sebastian Wächter selbst eine Premiere ist, kann dem sympathisch auftretenden Mann kaum abgenommen werden. Die Kinder hängen dem 30-Jährigen an den Lippen.

Barrierefrei beginnt im Kopf

Mit seinem Coaching-Unternehmen »Barrierefrei im Kopf« spricht der studierte Wirtschaftsmathematiker normalerweise als Motivations Coach für große Firmen. Trotz zunehmender Vortragsanfragen arbeitet er noch immer hauptberuflich bei einer Bank.

Heute liest Wächter aus dem ersten Band der Kinderbuchreihe "Vorstadtkrokodile". Es geht um die Geschichte des Jungen Knut, der ebenso an einen Rollstuhl gebunden ist. Darum möchte ihn die Kinderbande nicht aufnehmen, da er ja nicht auf Bäume klettern könne. Erst als er Fakten, die zur Auflösung eines Falles der Hobbydetektive liefern kann, wird er aufgenommen. Als Knut jedoch einmal pinkeln muss, fasst sich nur das Mädchen Marie den Mut, ihm zu helfen, seinen Hosenstall zu öffnen.

Eine Geschichte wie aus dem wirklichen Leben, erklärt Wächter. Auch ihm würden Menschen mit Skepsis begegnen. "Darum bin ich bei Euch", sagt der Coach, "denn je mehr Leute daran gewöhnt sind, desto normaler ist das. Ich bin ein ganz normaler Mensch."

Natürlich sind die Kinder in erster Linie an seinem Unfall interessiert. Dieser sei bei einem Sprung über einen Fluss erfolgt. "Ich bin an einer Wurzel hängen geblieben und kopfüber in den Fluss gestürzt." Die Kinder sind ganz still und lauschen den Ausführungen.

Beschweren bessert nichts

Wie er sich denn jetzt im Rollstuhl fühle, möchte ein Mädchen wissen. "Wenn ich mich nur beschwere, dass ich im Rollstuhl sitze, wird es auch nicht besser", antwortet Wächter. "Für mich ist das okay jetzt, ich bin jetzt auch ein glücklicher Mensch." Diese Aussage kaufen dem Coach Schüler und die vier anwesenden Lehrkräfte gleichermaßen ab.

Die Fragen wollen nicht enden. Natürlich möchten die Schüler auch elementare Antworten nach seinem Lieblingssport (Basketball) und dem Lieblingsauto (zufrieden, mit dem, das er fährt) haben. Sport betreibe er noch immer, erklärt Wächter. "Rückenschwimmen klappt gut", vor allem bereitet ihm das Rollstuhl-Rugby viel Freude. "Da rempeln wir uns an und nehmen uns den Ball ab." Die Kinder lachen. Ob er denn viel weinen müsse, möchte ein Mädchen wissen: "Jetzt nicht mehr, am Anfang schon." Die Aussagen von Wächter wirken und regen zum Nachdenken an.

Nach vorne blicken

Dass er selbst mit seinen nicht mehr beweglichen Fingern schreiben kann, begeistert die Kinder. Natürlich möchten die Grundschüler genau zusehen, wie Wächter einige Bücher signiert, die an die Klassen verteilt werden. "Wisst ihr, ich brauche jeden Tag ein paar Stunden länger als ein gesunder Mensch", sagt der Würzburger abschließend, "aber ich komme alleine und ohne Hilfe zurecht. Wenn ihr stürzt, müsst ihr auch wieder aufstehen und nach vorne blicken". Eine Wiederholung als Motivator vor Schülern aufzutreten, wird es laut Wächter sicherlich wieder geben.

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