Lengfurt

Sebastiani-Wehr erfüllte zum 388. Mal das Gelübde der Lengfurter

Das Fest geht auf ein Gelübde des Jahres 1632 zurück. Zu Ehren Sebastians wird es in militärischer Form begangen, da der Heilige als römischer Soldat den Märtyrertod starb.
Vor gut 500 Zuschauern schwenkte der Fähnrich der Sebastiani-Wehr, Rüdiger Schreck, die blau-weiße Fahne des Vereins bei der Parade auf dem Marktplatz in Lengfurt. Foto: Raymond Roth

Rund 500 Menschen beobachteten am Sonntagnachmittag auf dem Lengfurter Marktplatz die Parade der Sebastiani-Wehr mit dem Fahnenschwenken als Höhepunkt. Freude, Ernsthaftigkeit und Begeisterung war den Männern hier wie schon beim  vormittäglichen Antreten anzusehen. Das Fest geht auf ein Gelübde des Jahres 1632 zurück. Es wird zu Ehren des Heiligen Sebastian, der Ende des 3. Jahrhunderts als Soldat in der Leibwache des römischen Kaisers Diokletian diente und für seinen Glauben den Märtyrertod starb, in militärischer Form begangen. Der Heilige ist Schutzheiliger gegen Pest und Seuchen.

Am Festsonntag weckten Böllerschüsse um 6 Uhr morgens zur Tagreveille. Fünf Trommler zogen durch die Gassen des Altorts. Noch vor 9 Uhr meldete Oberleutnant Thomas Hahmann an Hauptmann Oskar Aschauer das Antreten der Kompanie. Die Sebastiani-Wehr begab sich danach zum Festgottesdienst in die Pfarrkirche St. Jakobus d. Ältere.  Pfarrer Albrecht Kleinhenz, der von 1986 bis 1993 Pfarrer in Lengfurt war, zelebrierte ihn mit Pfarrer Matthias Wolpert und Diakon Johannes Hoffart. Kleinhenz hob in seiner Predigt hervor, dass der Gottesdienst nicht an der Kirchentür ende, sondern man ihn hinaustragen und zu einem Inhalt des alltäglichen Lebens machen solle.

Altort mit Blumen und Fahnen geschmückt

Danach marschierte die Sebastiani-Wehr unter Führung ihres Hauptmanns durch den mit Fahnen und Blumen geschmückten Altort, musikalisch begleitet durch das Symphonische Blasorchester (SBO) der Musikkapelle Lengfurt  (MKL), geleitet von Michael Geiger. Die "große" Fahne mit dem Bild des Hl. Sebastian wurde traditionsgemäß am Sonntagmorgen an der Dreifaltigkeitssäule vor der mit einer Girlande bekränzten Statue des Heiligen angebracht und von den jungen Leuten der Wachmannschaft bewacht.

Gut 500 Menschen  hatten sich am Nachmittag auf dem Marktplatz eingefunden, um zu beobachten wie Fähnrich Rüdiger Schreck beim Exerzieren die blau-weiß-blaue Fahne des Vereins schwenkte. Diese knapp sieben Minuten wurden von den Klängen von "Über den Wellen" begleitet. Das Orchester spielte dann zwei weitere Stücke, darunter erstmals seit langer Zeit wieder "Des Großen Kurfürst Reitermarsch".

Die besondere Atmosphäre des Festes wurde aber nicht nur hier oder zuvor beim Frühschoppen im Pfarrheim spürbar, sondern auch bei den vielen Begegnungen der Lengfurter mit Bekannten und Freunden. Einige reisen zum Dienst in der Sebastiani-Wehr zum Teil von weiter her an, so etwa aus Carrigaline  in Irland, aus dem schweizerischen Bern oder aus Hamburg und Leipzig.

Dank von Pfarrer und Gemeinde 

Der Sonntag endete traditionsgemäß mit einer gemeinsamen Feier, zum 27. Mal musikalisch gestaltet durch die MKL. Nach dem Grußwort von Pfarrer Matthias Wolpert, der satzungsgemäß Vorstand des Sebastiani-Vereins ist, überbrachte 2. Bürgermeister Werner Thamm die Grüße der Gemeinde Triefenstein und dankte allen für die Durchführung des Festes. Hauptmann Oskar Aschauer betonte, dass der Verein das vor 388 Jahren ausgesprochene Gelübde für alle Lengfurter erfülle. Vielen hatte er zu danken, auch der Wachmannschaft, die mit ihrem erneut gesteigerten Spenden-Sammelergebnis die Anschaffung neuer Ausrüstungsgegenstände für die Wehr unterstützen wird.

Der St.Sebastianus-Verein Lengfurt ehrte verdiente Mitglieder beziehungsweise ihre Vertreter. Unser Bild zeigt die mit Hauptmann Oskar Aschauer (rechts), Oberleutnant Thomas Hahmann, 2. Bürgermeister Werner Thamm und Pfarrer Matthias Wolpert (hinten). Foto: Raymond Roth

Danach wurden verdiente Mitglieder durch Hauptmann Aschauer, Oberleutnant Hahmann, Bürgermeister Thamm und Pfarrer Wolpert geehrt. Seit 25 Jahren Mitglied sind Martin Holzmann, Peter Roos, Andreas Schreck, seit 40 Jahren Walter Ries und Werner Wohlfart. Bereits auf 60 Jahre Mitgliedschaft können Otto Emmert und Roland Herberich blicken, gar auf 70 Jahre Mitgliedschaft Josef Baumann.

Rückblick auf Sebastiani-Feste der Nachkriegszeit

Baumann hat in der Wachmannschaft begonnen, danach kam er in die Mannschaftszüge, damals wurden die Männer noch exakt nach der Größe aufgestellt. Später wurde Baumann zum Feldwebel gewählt und wurde so Vorstandsmitglied. Im Laufe der Jahre rückte er dann über Oberfeldwebel und Leutnant vor bis zum Oberleutnant. 2004 wurde er zum Ehrenmitglied ernannt.

Vor 70 Jahren, 1950 war das zweite Sebastianifest nach dem zweiten Weltkrieg, bei dem die Kirchenparade mit Waffen, Gehröcken, Zylindern und dem Mitwirken der Musikkapelle Schwerthöfer stattfand, erinnerte Aschauer. Von 1943 bis 1947 hat kein öffentliches Sebastianifest stattgefunden. 1948 fand es ohne Ausrüstung statt, da die amerikanischen Besatzungsmacht die alten Vorderlader beschlagnahmt hatte. Erst lange Verhandlungen des damaligen Hauptmann Edmund Väth brachten die Wende und der Sebastiani-Wehr ihre Gewehre zurück.

Es folgten besondere Dankesworte von Oberleutnant Thomas Hahmann an Hauptmann Aschauer, der jetzt noch ein Jahr lang die Amtsgeschäfte für den St.Sebastianus-Verein leiten wird. Das JBO ("junge Blasorchester") der MKL ließ bei seinem letzten Auftritt – es wird bald unter neuem Namen neu formiert-  mit konzertanter Musik Ehrenabend und Festsonntag ausklingen.

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