HOMBURG

Sehnsucht, Liebe und politische Kritik

Ein seltenes Instrument: Am Samstag stellte Michael Günther (links) in Schloss Homburg den Giraffenflügel vor, den Sibylle Höller in seine Sammlung abgab. Jan Kobow sang Rückert-Lieder.
Ein seltenes Instrument: Am Samstag stellte Michael Günther (links) in Schloss Homburg den Giraffenflügel vor, den Sibylle Höller in seine Sammlung abgab. Jan Kobow sang Rückert-Lieder. Foto: Martin Harth

Ein seltener Giraffenflügel, das vertonte Werk des fränkischen Dichters Friedrich Rückert und die Kompositionskunst des musikalischen Genies Franz Schubert standen im Mittelpunkt eines Homburger Schlosskonzerts.

Hausherr Michael Günther hätte den historischen Stucksaal des Gebsattel-Schlosses um ein gutes Stück erweitern können, so viel Interesse hatte diese Konstellation unter Freunden klassischer Musik aus Nah und Fern hervorgerufen. Unter den Gästen befand sich der Geschäftsführer der Rückert-Gesellschaft Rudolf Kreutner und die oberbayerische Künstlerin Sibylle Höller.

Die Tochter des 1987 verstorbenen, früheren Präsidenten der Münchner Musikhochschule Karl Höller hatte jüngst den wertvollen Giraffenflügel, der um 1825 in der Werkstatt des Bamberger Instrumentenbauers Christoph Ehrlich entstanden war, in die Homburger Sammlung historischer Tasteninstrumente übertragen. Das Instrument hatte sich seit seiner Entstehung im Besitz der Dynastie Würzburger und Bamberger Kirchenmusiker befunden.

Der Flügel, der durch seine Bauart das umfassende Klangbild eines Hammerflügels mit den raumsparenden Vorzügen eines Tafelklaviers vereinen wollte, zeigte vor allem in den tiefen Lagen seine Vorzüge. Zur Demonstration spielte Michael Günther Auszüge aus Franz Schuberts (1797-1829) bekanntem Klavierwerk „Moments Musicaux“ und aus den „Drei Klavierstücken“ (D 946).

Allerdings zeigte sich dabei das knapp 200 Jahre alte Instrument als recht launische Diva. Mit sechs Pedalen konnte das Klangbild im virtuosen Spiel zwar vielfältig variiert werden. Nur manchmal knarrte die Mechanik durchaus etwas störend und unter den gegenwärtigen klimatischen Bedingungen litt die Stimmung gerade der höheren Saiten doch ziemlich deutlich.

Tenor Jan Kobow machte mit seiner angenehmen Stimme als Gast dieses Konzert zu einem besonderen Ereignis. Zur Begleitung Günthers am Giraffenflügel stellte er mit bester Artikulation und darstellerischem Vermögen Vertonungen des einstigen Stettiner Kantors und Organisten Carl Loewe (1796-1869) der Gedichte seines literarischen Zeitgenossen Friedrich Rückert (1788-1866) vor.

Dabei wurde die große Spannbreite im Werk des in Schweinfurt geborenen, bedeutsamen Sprachgelehrten an Einzelbeispielen deutlich. Die kurzen Lieder drehten sich bisweilen romantisch um das Thema Liebe wie im vertonten Gedicht „Des Glockenthürmers Töchterlein“, mit dessen Titel Kobow und Günther ihren gemeinsamen Liederabend überschrieben hatten.

Kobow konnte sein komisches Talent außerdem bei dem politisch-satirischen Lied „Der Papagei“ ein wenig ausleben. Mit dem zugrundeliegenden Gedicht kritisierte Rückert wie in seinen frühen „Geharnischten Sonetten“ die napoleonische Besatzungspolitik.

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Martin Harth
  • Carl Loewe
  • Franz Schubert
  • Friedrich Rückert
  • Jan Kobow
  • Michael Günther
  • Rudolf Kreutner
  • Tasteninstrumente
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!