Marktheidenfeld

Selbstversuch: Drei Wochen ohne Plastikmüll – ist das möglich?

Drei Wochen will ich ohne Plastikmüll leben. Dafür muss die Plastik-Zahnbürste gegen eine plastikfreie eingetauscht werden. Foto: Lucia Lenzen

Schon morgens begegnet mir Plastik gleich mehrmals: Zahnbürste, Zahnpasta, Duschgel und Shampoo sind aus Plastik oder darin verpackt. Genau wie meine Paprika, der Frischkäse und der Joghurt. Der Deckel meines Deos und das Spülmittel. Mein Backpapier ist mit Plastik beschichtet, die meisten Konservendosen innen auch.

Wie die drei Wochen ohne Plastikmüll ablaufen, können Sie im Liveblog auf unserer Homepage verfolgen.  Foto: Lucia Lenzen, Marina Weigand

Ganz schön viele Gegenstände, obwohl Plastik schädlich für die Umwelt und die Gesundheit ist. In einem Selbstversuch möchte ich drei Wochen darauf verzichten und schauen, ob man im Landkreis Main-Spessart gut leben kann, ohne Plastikmüll zu produzieren: Ist es möglich, dass ich für Fleisch und Käse in den Supermärkten meine eigene Dose mitbringe? Wie groß ist das Angebot auf den grünen Märkten? Gibt es noch weitere Geschäfte in der Region, in denen ich plastikfrei einkaufen kann? 

Vor meinem Experiment telefoniere ich mit Nadine Schubert. Sie wohnt in Neuschleichach, einem kleinen Dorf im Landkreis Haßberge, versucht seit 2013, plastikfrei zu leben, schreibt einen Blog und hat zwei Bücher zum diesem Thema herausgebracht.

Alternativen gibt es schon lange 

Nadine Schubert präsentierte in Gerolzhofen ihr neues Buch „Noch besser leben ohne Plastik“. Foto: Norbert Finster

"Der Auslöser war ein Fernsehbericht darüber, welche Auswirkungen unser Plastikmüll auf die Umwelt und die Gesundheit hat", erzählt sie. Sie entschied sich dafür, keine Lebensmittel mehr zu kaufen, die in Plastik verpackt sind. Schritt für Schritt habe sie dann den Plastikverbrauch in ihrem Bad und in der Küche reduziert. "Das hat gut funktioniert, mein Mann und meine zwei Kinder waren von Anfang an dabei", sagt sie. Alternativen, zum Beispiel Milch im Glas zu kaufen oder mit eigenen Behältern zum Metzger zu gehen, gäbe es schon lange, "ich habe es nur nie gemacht".  

Ganz plastikfrei waren ihre Einkäufe trotzdem nicht. Kaffeebohnen habe sie noch sehr lange in Plastik gekauft, bis sie herausfand, dass ihr der Bäcker aus dem Nachbarort Kaffee aus einer Schweinfurter Rösterei in einer mitgebrachten Dose abfüllen kann. Für ihren Sohn habe sie noch einmal im Monat Cornflakes gekauft, "bis ich einmal Knuspermüsli selbst gemacht habe". Das habe ihm so gut geschmeckt, dass sie ab diesem Zeitpunkt keine Cornflakes mehr kaufen musste. 

Mitbewohnerinnen machen mit

Ich lebe in einer WG mit sechs Mitbewohnerinnen. Als ich ihnen von meinem Experiment erzählt habe, wollten fünf von ihnen sofort mitmachen – die sechste wird zum Vergleich ganz normal Müll produzieren. Als wir darüber redeten, wurden uns immer mehr neue Probleme bewusst: "Wie gefrieren wir dann ein?", "Wo bekomme ich den Quark für meinen Kuchen her?", "Total viele Tiefkühlprodukte sind in Plastik eingepackt", "Dann müssen wir uns ein frisches Brot teilen, statt das in Plastikverpackungen zu kaufen". Es scheint, als müssten wir uns ziemlich einschränken – und deutlich mehr Geld als vorher ausgeben. 

Ist plastikfrei leben teurer? 

Nadine Schubert sagt dagegen, dass ihr plastikfreies Leben nicht teurer ist: "Ich gehe bewusster einkaufen, eigentlich kaufe ich immer die gleichen Produkte", sagt sie. Von vermeintlichen Angeboten lasse sie sich nicht verführen – "die meisten sind sowieso in Plastik eingepackt". Ihr Waschmittel mache sie selbst und zahle nur zwei Cent pro Ladung – das werde ich in den nächsten Wochen auch mindestens einmal ausprobieren.  

Hier im Liveblog poste ich in den nächsten drei Wochen täglich Updates – verfolgen Sie, ob es mir gelingt, in dieser Zeit komplett auf Plastikmüll zu verzichten.

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