Gemünden

Sexuelle Belästigung in Wombach und Schläge: 20-Jähriger muss vier Jahre absitzen

Erst zwei Jahre Entziehung, dann Jugendhaft. Junger Mann mit reichlich Vorstrafen wird mehrerer Körperverletzungen und weiterer Vergehen für schuldig befunden.
Symbolbild Foto: Oliver Berg

Genügend Zeit und Gelegenheit sich "an Regeln zu halten" bekommt ein 20-Jähriger aus dem Raum Marktheidenfeld. Er wurde vom Jugendschöffengericht zu einer vierjährigen Einheitsjugendstrafe verurteilt. Etwa die erste Hälfte davon wird er in einer Entziehungseinrichtung verbringen müssen, was für ihn kein Spaziergang werden wird. Richter Volker Büchs meinte sogar, dass die Zeit im Jugendknast leichter für ihn würde.

Der junge Mann, der im April 21 Jahre alt wird, hat schon sieben Voreinträge im Bundeszentralregister, darunter Körperverletzung, Sachbeschädigung, Beleidigung, Bedrohung, Urkundenfälschung, sexuelle Nötigung und sogar Vergewaltigung. In dem jetzt gefällten Urteil wurden Körperverletzungen in sechs Fällen, Beleidigung, Sachbeschädigung und eine sexuelle Belästigung gewürdigt.

Fünf Flaschen Wodka pro Woche

Insgesamt fünf Anklagepunkte hielt der Staatsanwalt dem Mann, der bisher jede Schul- und Berufsausbildung abgebrochen und zuletzt seinen Lebensunterhalt als Mitarbeiter einer Objektschutzfirma verdient hat, vor - alle zwischen März 2018 und Mai 2019 begangen. Straftaten aus der davor liegenden Zeit waren vom Amtsgericht Gemünden in 2019 bereits mit einer Jugendstrafe von zwei Jahren und neun Monaten geahndet worden. Diese Strafe wurde in das neue Urteil einbezogen. Ebenso wie eine bereits zuvor verhängte Geldauflage.

Stets war reichlich Alkohol im Spiel, wenn bei dem Angeklagten die Fäuste flogen. "So drei bis fünf Flaschen Wodka", erklärte er dem Gericht, war sein Wochenverbrauch. Bereits mit sechs Jahren sei er das erste Mal damit in Kontakt gekommen. Mit 16 dann regelmäßiger Konsum, zudem habe er mehr oder weniger regelmäßig Joints geraucht. Besonders seine letzte Tat vom Januar 2019 ist unbegreiflich. Nach einer Musikveranstaltung in Wombach, als alle Teilnehmer in einer Reihe vor der Garderobe standen, um ihre Jacken und Mäntel abzuholen, berührte er eine vor ihm stehende junge Frau längere Zeit an deren Gesäß. Als sie sich beschwerte, erhielt sie von ihm Faustschläge ins Gesicht.

Vernichtende Gutachten

Eine "Störung des Sozialverhaltens, krankhafte seelische Störung, eine gestörte Steuerungsfähigkeit und eine Impulskontrollstörung" bescheinigte ein Gutachter dem Angeklagten in einem forensisch-psychiatrischen Gutachten. Dennoch hielt er den Mann für schuldfähig und hielt eine Unterbringung in einer Entziehungseinrichtung für angeraten. Weitere Maßnahmen schienen ihm "nicht mehr zielführend".

Nicht viel Gutes wusste auch die Bewährungshelferin über den Angeklagten zu berichten. Den angebotenen Therapiemaßnahmen sei er ferngeblieben. In ihrer mittlerweile 30-jährigen Tätigkeit habe sie lediglich zwei Mandanten gehabt, bei denen sie davon ausgehen musste, dass sie mit Gewalt auch vor Frauen nicht zurückschrecken. Der Angeklagte sei einer davon, sagte sie aus.

Lediglich das Eingeständnis der vorgeworfenen Straftaten konnte der Staatsanwalt positiv für den Angeklagten werten. Er sah bei dem jungen Mann eine deutliche Reifeverzögerung und darum die Anwendung von Jugendstrafrecht für angebracht. Trotz verminderter Schuldfähigkeit beantragte er für den 20-Jährigen eine Gesamtfreiheitsstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten sowie die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt. "Es ist für sie die letzte Chance, ihr Leben in den Griff zu kriegen", schloss der Staatsanwalt sein Plädoyer.

Bereits zum Entzug

In einem Gespräch vor der Hauptverhandlung hatte der Verteidiger gegenüber Richter Volker Büchs erklärt, dass sein Mandant jetzt bereit wäre, den harten Weg einer Entziehung zu gehen, wenn er gerichtlich dazu verurteilt würde. Dies wiederholte er in seinem Antrag. Dabei wies der Verteidiger auf ein höchstrichterliches Urteil hin, nach dem jugendliche Täter, die noch nie eingesessen haben, aus erzieherischen Gründen zu höchstens vier Jahren Jugendstrafe zu verurteilen sind. Dies war dann auch sein Antrag. Die ersten etwa 24 Monate soll er "das harte Programm" einer Entziehung durchlaufen.

Das Schöffengericht schloss sich in seinem Urteil vollumfänglich dem Antrag an. Zudem muss der Angeklagte noch die Kosten des Verfahrens tragen. Verteidiger und Angeklagter nahmen das Urteil an. Der Staatsanwalt gab noch keine Erklärung ab.

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