Marktheidenfeld

So soll eine neue Homepage die Integration erleichtern

Mit "Guide Yourself" ist eine Informationsplattform für Flüchtlinge in der Region online gegangen. Jetzt wird ein Betreiber gesucht, der die Informationen aktualisiert.
So sieht die neue Plattform für Flüchtlinge aus.
So sieht die neue Plattform für Flüchtlinge aus. Foto: Screenshot: guide-yourself.de

Internetseiten, die Flüchtlingen bei der Integration helfen sollen, gibt es einige. Aber die, die am Dienstag in Marktheidenfeld vorgestellt wurde, ist etwas Besonderes. Die Plattform "Guide Yourself" soll Flüchtlinge im Raum Marktheidenfeld unterstützen, indem sie alle vorhandenen Informationen vernetzt: vom Ablauf des Asylverfahrens bis hin zu Bäckern in der Region.

Die Punkte sollen so übersichtlich und einfach wie möglich erklärt werden: Auf der Homepage, die auch als App verfügbar ist, sind zwei Pfade abgebildet. Auf dem linken wird der Prozess des Asylverfahrens Schritt für Schritt anhand von Checklisten, Videos und Beispielen erklärt. Außerdem werden wichtige Dokumente zum Download bereitgestellt oder erklärt, wo man sie bekommen kann. Der rechte Pfad stellt mit Symbolen verschiedene Einkaufs- und Freizeitmöglichkeiten in der Region vor und erklärt kurz das politische System und die kulturellen Besonderheiten in Deutschland.  

Einfache Homepage mit lokalen Inhalten 

Das Projekt war eine Zusammenarbeit der Firma Cummins mit der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt (FHWS), dem Esselbacher Pfarrer Alexander Eckert, der Caritas und der Helferkreise. 

"Wir wollten eine Art Wegweiser schaffen, damit neue Bürger sich besser zurechtfinden können", erklärt Alexandre Branco, der Geschäftsführer von Cummins in Marktheidenfeld. Nicht nur das Anerkennungsverfahren sei schwierig zu verstehen und müsste besser erklärt sein, vor allem im ländlichen Raum würden viele Einkaufs- oder Freizeitmöglichkeiten nicht im Internet stehen und deshalb nicht von Flüchtlingen wahrgenommen werden.

Als die Plattform vorgestellt wurde, konnten die Gäste die Seite selbst ausprobieren.
Als die Plattform vorgestellt wurde, konnten die Gäste die Seite selbst ausprobieren. Foto: Rebecca Wolfer

Zweieinhalb Jahre Entwicklung  

Für die inhaltliche Entwicklung war der Masterstudiengang  "Innovation im Mittelstand" der FHWS zuständig. Die Studenten haben damit im Mai 2016 im Rahmen einer Projektarbeit begonnen. 

In der Flüchtlingsunterkunft in Bischbrunn haben sie zehn Flüchtlinge zu ihrer Lebenssituation befragt. Dabei kam heraus, dass viele ihren aktuellen Stand im Asylverfahren nicht wissen und ihnen nicht klar ist, welche Dokumente sie wann einreichen müssen. 

Homepage wird in vier Sprachen angeboten 

Um die Einkaufs- und Freizeitmöglichkeiten zusammenzufassen, haben die Studenten bei den Bürgermeistern der Gemeinden der Verwaltungsgemeinschaft Marktheidenfeld und Kreuzwertheim, des Markts Triefenstein und der Stadt Marktheidenfeld nachgefragt und eine Karte erstellt, auf der alle Händler in der Region aufgelistet werden – ob sie im Internet zu finden sind, oder nicht.   

"Viele Seiten, die Flüchtlinge unterstützen sollen, sind auf Deutsch", sagt Ashley Gibbons, der als Student an der Entwicklung der Homepage beteiligt war. Um die Sprachbarriere auf der Plattform zu überwinden, wird sie auf Deutsch, Englisch, Hocharabisch und Farsi, der Amtssprache im Iran, in Afghanistan und Tadschikistan, angeboten. Die Übersetzungen kamen von Cummins-Mitarbeitern von Standorten im Nahen Osten.

Arbeit der Helfer soll nicht ersetzt werden 

Nach den Befragungen in der Flüchtlingsunterkunft führten die Studenten Interviews mit der Caritas und verschiedenen Helferkreisen. In diesen ging es darum, welche für den Asylprozess wichtigen Dokumente bereits online zur Verfügung stehen und welche nicht.  

"Die Plattform wird die Arbeit der Helfer natürlich nicht ersetzen", betont Ulrich Müller-Steinfahrt, der das Projekt an der FHWS als Dozent begleitete. Sie soll durch die Plattform eher noch erleichtert werden: Flüchtlinge können ihr Konto für ihren Betreuer freischalten, damit er sehen kann, an welchem Punkt des Asylverfahrens sie sich befinden und wo sie Hilfe brauchen. 

Wer aktualisiert die Homepage?

Die Zukunft des Projekts steht noch nicht fest: "Wir brauchen einen Betreiber, der dafür verantwortlich ist, dass die Seite gepflegt wird: Wenn sich zum Beispiel wichtige Dokumente ändern oder der Bäcker im Ort schließt, müsste das aktualisiert werden", sagt Müller-Steinfahrt. Er fände es am besten, wenn der Landkreis sich darum in Zukunft kümmern würde. 

Landrat Thomas Schiebel ist skeptisch: "Das wird viel Zeit und Geld kosten", wirft er ein. Bürgermeisterin Helga Schmidt-Neder ergänzt, dass die Stadt Marktheidenfeld auf ihrer Homepage bereits viele Informationen für Neubürger anbieten würde und dort alle Schulen und Ärzte aufgelistet seien. "Die Infos sind aber auf Deutsch und beziehen sich nur auf Marktheidenfeld", sagt Gibbons, "hier arbeiten ein Industrieunternehmen, die Hochschule und mehr Beteiligte zusammen – es wäre schade, wenn die Politik das nicht unterstützt." 

"Ich nehme es mit in den Kreisausschuss für gesellschaftliche Entwicklung", schlug Schmidt-Neder vor. Auch Schiebel möchte die Seite ein halbes Jahr laufen lassen und in dieser Zeit wissen, wie oft sie angeklickt wurde: "Danach unterhalten wir uns nochmal." 

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