Gemünden

Sozialarbeit in Gemünden: Konflikte unter Schülern nehmen zu

Grundschule und Mittelschule Gemünden haben jetzt Schulsozialarbeiter. Bürgermeister Lippert ärgert, dass die Stadt den Löwenanteil finanzieren muss.
v.l. Anne-Dorothee Kade, Rektorin der Grundschule Gemünden, Marius Veith, Jugendsozialarbeiter an der Grundschule, Sarah Krüger, Jugendsozialarbeiterin an der Mittelschule Gemünden, Joachim Nöth, Rektor der Mittelschule, und Bürgermeister Jürgen Lippert. Foto: Björn Kohlhepp

An der Grund- und an der Mittelschule in Gemünden gibt es, wie an anderen Schulen auch, immer mehr Konflikte unter den Schülern. Gleichzeitig lässt die Fähigkeit der Schüler, diese selbst zu lösen, stetig nach. Die Lehrer mussten deshalb zuletzt immer mehr Zeit für Streitschlichtung aufwenden – Zeit, die ihnen und den Schülern im Unterricht fehlte. Seit diesem Schuljahr gibt es nach Beschlüssen des Stadtrats Gemünden deshalb mit der Caritas als Träger Jugendsozialarbeit an der Grund- und an der Mittelschule.

Die Grund- und Mittelschule in Gemünden hat seit diesem Schuljahr Jugendsozialarbeiter. Foto: Björn Kohlhepp

Seit Februar hat die Mittelschule Gemünden mit Sarah Krüger halbtags eine Jugendsozialarbeiterin. Seit April arbeitet Marius Veith halbtags an der Grundschule Gemünden. In einem gemeinsamen Pressegespräch mit Bürgermeister Jürgen Lippert informierten die Schulleiter und die beiden Sozialpädagogen über ihre Arbeit. Den Bedarf an Jugendsozialarbeit an den Schulen sieht Lippert wohl, aber dass die Stadt Gemünden über ein Drittel der Kosten tragen muss, "stinkt mir ganz extrem", sagt er.

Bedarf an Schulsozialarbeit steigt stetig

"Die Lehrer sind viel entspannter", sagt Joachim Nöth, Rektor der Mittelschule, über die Wirkung der Jugendsozialarbeit. Sie fühlten sich vom Druck befreit, Konflikte unter den Schülern lösen zu müssen. Betroffen seien Schüler aus allen sozialen Schichten. Die Grundschulleiterin Anne-Dorothee Kade erzählt, dass sie mit dem Jugendsozialarbeiter im täglichen Austausch steht. "Das ist sehr gewinnbringend", sagt Kade. Der Bedarf steige stetig.

"Wir sind der lange Arm der Jugendhilfe vor Ort", sagte Sozialpädagoge Veith. "Da wir in der Schule sind, ist die Hemmschwelle der Schüler oft nicht so hoch, zu uns zu kommen." Das Angebot ist für Schüler und Eltern kostenlos, freiwillig und vertraulich. Es solle auch benachteiligten Schülern Chancengleichheit gewährleisten. Die beiden Jugendsozialarbeiter sind bei der Caritas angestellt. Kade stellt klar: "Sie sind uns nicht unterstellt." Auch gegenüber den Schulleitern hätten die beiden eine Schweigepflicht.

Ein einmaliger Streit oder schon Mobbing?

Bei Streit oder Problemen kämen die Schüler entweder auf Anraten von Lehrern oder auch von sich aus auf die beiden zu, die sich als Vertrauenspersonen sehen. Bei Konflikten sprechen die Sozialarbeiter mit den beteiligten Schülern und eventuell auch Lehrern und versuchen herauszufinden, ob es sich um einen einmaligen Streit handelt oder ob ein Konflikt schon länger schwelt und womöglich in Richtung Mobbing geht. Auch Cybermobbing, also Mobbing etwa über soziale Netzwerke, komme vor.

Oft auch schon präventiv können die Sozialarbeiter Antimobbingtrainings oder Maßnahmen machen, die den Zusammenhalt in den Klassen stärken sollen. Kommendes Schuljahr soll die polizeiliche Beratungsstelle in die Mittelschule kommen und die Schüler darüber aufklären, was im Internet erlaubt sei und was nicht. "Dieses Bewusstsein ist absolut nicht da."

Vernetzung mit Vereinen und Behörden

Die beiden Würzburger Krüger und Veith erzählten, dass sie sich auch mit Vereinen und anderen Stellen vernetzen. So könnten sie beispielsweise Informationen über Angebote in Gemeinden und Vereinen weitergeben, etwa was Freizeitangebote in den Ferien anbelange. Wenn beide Eltern berufstätig sind, fehle diesen selbst häufig die Zeit zu so etwas.

Schüler, so habe die Grundschulrektorin beobachtet, hätten keine Scheu, auf Marius Veith zuzugehen, und akzeptierten ihn als Autorität. Sarah Krüger erzählt über ihr Verhältnis zu den Mittelschülern: "Die nehmen mich als Person wahr, respektieren mich und hören auf mich." Die Schüler seien dankbar über das Angebot. Der Betreuungsbedarf von Kindern mit Migrationshintergrund sei höher als der von Kindern ohne, was aber nicht heiße, dass es mit ihnen mehr Probleme gebe.

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