Oberndorf

Spessart-Bauern fordern: "Redet mit uns, statt über uns"

Landwirte aus der gesamten Republik protestierten in Berlin für eine bessere Agrarpolitik: Das Bild zeigt ein Protestplakat von Daniel Kosian aus Eschau-Wildensee. Durch seine Veröffentlichung in der BILD-Zeitung erlangte es deutschlandweite Beachtung. Foto: dpa/Paul Zinken

Innerhalb von drei Wochen veranstaltete die Landwirte-Vereinigung "Land Schaft Verbindung" (LSV) und der Bayerische Bauernverband (BBV) bereits das zweite Mahnfeuer in Oberndorf. Dazu kamen Landwirte, Winzer, Schäfer und Bio-Bauern mit etwa 25 Schlepper und rund 50 Teilnehmern aus der ganzen Region. Von Remlingen, Eußenheim-Obersfeld, Eschau-Wildensee oder dem Main-Tauber-Kreis fuhren sie mit ihren Schleppern in einer abendlichen Sternfahrt zum Veranstaltungsort an der Staatsstraße 2312 und machten mit ihrem Konvoi auf sich aufmerksam.

Ganze Familien ließen sich von Schnee und Regen nicht abhalten

Ganze Familien waren dabei und ließen sich auch von Schnee und Regen nicht abhalten. Sie machten ihrem Unmut und Ärger über die Gängelungen und Schuldzuweisungen an die Landwirtschaft Luft. Dabei wollten sie ihre Höfe so erhalten, dass auch künftige Generationen davon leben können. Viele der Anwesenden sind mittlerweile "demonstrationserprobt", geht es doch um ihre nackte Existenz. Sie waren schon in Würzburg, Berlin und zahlreichen Orten in der Region aktiv. Ihre Sprecher kündigten an, mit ihrem Protest so lange weiterzumachen, bis sie bei der Politik in Berlin und Brüssel Gehör finden. 

Wolz: "Die Landwirte sind nicht für alle Einträge in das Grundwasser verantwortlich."

Kreisbauernobmann Reinhard Wolz, der zu den Demonstranten gehörte, verwahrte sich gegen das ständige Bauern-Bashing, mit denen die Landwirtschaft schlecht geredet werde und als Allein-Schuldige für Klimaschutz und Grundwasserverunreinigungen hingestellt werde. "Die Landwirte sind nicht für alle Einträge in das Grundwasser verantwortlich." Auch Privatpersonen, Städte, Gemeinden, Firmen und staatliche Institutionen seien Mitverursacher von Klimaveränderung und Grundwasserverunreinigung. Sie, die Landwirte, würden in der Öffentlichkeit als die Alleinschuldigen hingestellt. Dabei wollten sie nur zu marktgerechten Bedingungen und Preisen produzieren, die ihren Lebensunterhalt und ihre Existenz sichern.

Zum zweiten Mal innerhalb von drei Wochen organisierten die Bauern in der Region ein Mahnfeuer in Oberndorf. Die Bauern wollen nicht weiter die Sündenböcke bei Bodenverunreinigungen, Klimaproblemen und Tierhaltung sein. Foto: Richard Krebs

Der Remlingen Bauernobmann Walter Schwab zeigte sich "bitterlich enttäuscht" von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner, die er als schlechte Vertreterin der Bauerninteressen in Berlin und Brüssel sieht. Weinbauer Elmar Engelhorn aus Karbach verwies darauf, dass selbst Bio-Winzer, Landwirte mit Sonderkulturen und Bio-Bauern nicht ohne Pflanzenschutzmittel auskämen. Nur so könnten sie Ertrag und Lebensunterhalt sichern. Pflanzenschutzmittel kosteten viel Geld. Schon deshalb gehe man sehr sparsam damit um. Weitere Verschärfungen der Düngemittelverordnung, Auflagen beim Naturschutz und der Tierhaltung seien existenzgefährdend, da man schon derzeit "am Limit" sei.

Nicht nachgeben, bis die Politik Sorgen und Anliegen ernst nimmt

"Redet vor Ort mit uns, statt über uns" lautete die Aufforderung der Landwirte-Vereinigung. Einziger Politiker an diesem Abend war der CSU-Landtagsabgeordnete Berthold Rüth (Eschau-Hobbach), der es sich nicht nehmen ließ, auf dem Heimweg von München den Demonstranten die Solidarität zu beweisen. Daniel Lambrecht aus Obersfeld und Daniel Kosian aus Wildensee waren die Mitorganisatoren des Mahnfeuers. Kosian war der "Spessartbauer", der durch die Veröffentlichung seines Plakates in der BILD-Zeitung vor dem Brandenburger Tor bekannt wurde. Beide Bauern waren bei den Demonstrationen in Berlin und Würzburg dabei und versprachen wie alle anderen Demo-Teilnehmer: "Wir werden nicht nachgeben, bis die Politik unsere Sorgen und Anliegen ernst nimmt". 

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