Langenprozelten

"Speziesismus": Veganerin protestiert gegen die Nutzung von Tieren

Ines Höfling nimmt mit der Gruppe "Aktiv gegen Speziesismus" an Aktionen gegen "das System der Tierausbeutung" teil. Bratwürste bei einem Tierheimfest findet sie absurd.
Ines Höfling aus Langenprozelten (Zweite von links) setzt sich für Tierrechte und gegen den Konsum von tierischen Produkten ein. Foto: Aktiv gegen Speziesismus

Ines Höfling würde kein Leder tragen. "Das ist die Haut von einem toten Tier", sagt die 28-jährige Langenprozeltenerin, die jetzt in Frankfurt lebt. Fleisch isst sie auch nicht, auch keine Milchprodukte oder Eier. Sie findet es absurd, wenn es bei einem Fest im Tierheim Bratwürste gibt. Würden stattdessen Hunde oder Katzen geschlachtet, wäre der Aufschrei groß, meint sie. Die Veganerin nimmt Woche für Woche an Aktionen teil, die sich gegen den Konsum tierischer Produkte oder das Halten von Nutztieren – "das System der Tierausbeutung" – richten.

Am Wochenende war Erntefest auf dem Frankfurter Roßmarkt. Es gab einen Bauernmarkt mit Spezialitäten aus Hessen, mit Musik, Volkstanzvorführungen und Showkochen. Auch Bauernhoftiere wie Schweine, Kühe und Ziegen wurden ausgestellt. "Nebendran wurden die Würste verkauft oder Federkissen mit den Daunen von den Gänsen, die nebenan standen, gefüllt", berichtet Höfling.

Aktion der Gruppe "Aktiv gegen Speziesismus" auf dem Frankfurter Roßmarkt. Foto: Aktiv gegen Speziesismus

Die 28-Jährige hielt mit ihrer Gruppe "Aktiv gegen Speziesmus" dagegen und bot an ihrem Stand "Dackelwürstchen" und "Käse aus Katzenmilch" an. Die Besucher des Fests seien verwirrt gewesen. "Was? Das könnt ihr doch nicht machen. Ist das in Deutschland erlaubt?", hätten sie zu hören bekommen. Die Leute hätten aber schnell durchschaut, dass die Produkte nicht echt waren und es nur das aus Sicht der Gruppierung widersprüchliche Verhältnis der Menschen zu Tieren zeigen sollte. Denn: "Bei anderen Tieren hätte es niemand hinterfragt, wo das Fleisch für die Bratwürste herkam."

Was ist Speziesismus?

Für Höfling ist die Grenze zwischen Haustieren, die man hätschele, und Nutztieren, die man esse, willkürlich gezogen. Sie sieht einen Konflikt darin, wenn Leute zu Hause ihren Hund streicheln und daneben auf dem Teller ein Schnitzel liegen haben. Für sie ist das "Speziesismus", worunter sie die Unterdrückung oder Benachteiligung von Lebewesen aufgrund ihrer Art (Spezies) versteht. Tiere sollten nicht in der Landwirtschaft oder für die Bekleidungsindustrie, im Zirkus oder im Zoo ausgebeutet werden, findet sie.

Meist mache die Frankfurter Gruppe aus Veganern stumme Mahnwachen, etwa vor der Internationalen Fleischerfachausstellung oder regelmäßig vor einem Steakhaus in Frankfurt. Manchmal mache die Gruppe Infostände oder zeige auf Bildschirmen Videos aus Tierhaltungsbetrieben oder Schlachthöfen. Ihre Mitstreiter kämen aus Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet, manchmal auch aus dem Raum Lohr. Vom Schüler bis zum Rentner seien alle Altersschichten und auch alle Bevölkerungsschichten bei den Aktionen vertreten. Ziel seien nicht Einzelpersonen. "Wir möchten das Bewusstsein der Menschen wandeln und das System in Frage stellen, das auf Ausbeutung beruht." Manche Leute reagierten zwar aggressiv, aber zumeist seien die Reaktionen positiv.

"Ich würde keinem Metzger vertrauen, der Tieren das Leben nimmt."
Tierrechtlerin Ines Höfling

Sie könne zwar verstehen, warum manche Fleischesser auf Bio oder regionale Produkte zurückgreifen, aber sie ist der Meinung: "Bio ist gut fürs eigene Gewissen, aber nicht für die Tiere." Denn wenn ein Tier ein glückliches Leben hatte, solle man ihm das auch lassen. Auch der Metzger des Vertrauens töte Tiere. Höfling: "Ich würde keinem Metzger vertrauen, der Tieren das Leben nimmt."

Ines Höfling lebt vegan und protestiert gegen die Nutzung von Tieren. Foto: Aktiv gegen Speziesismus

Seit rund sieben Jahren ist sie Veganerin, erzählt die studierte Kulturwissenschaftlerin. Inzwischen arbeitet sie in Frankfurt im Büro einer Firma, die interkulturelle Schulungen und Begleitung für Auslandseinsätze anbietet. Der Prozess hin zur veganen Ernährung sei "über mehrere Wochen, Monate hinweg" gegangen. Als Tierfreundin habe sie sich schon immer gesehen, hatte als Kind verschiedene Haustiere.

Richtig angefangen habe es, als sie für zwei Jahre als Au-pair in den USA war und dort für ihre Gastfamilie gelegentlich etwas typisch Deutsches gekocht hat. "Das war mir so unangenehm, Fleisch zuzubereiten und zu zerschneiden. Ich habe irgendwie das Lebewesen dahinter gesehen und konnte das dann einfach nicht mehr." Erst wurde sie zur Vegetarierin, dann habe sie sich weiter informiert und verstanden, dass auch für Milch und Eier "Tiere sterben müssen", etwa männliche Küken, die geschreddert werden. Also ließ sie auch Milch und Eier weg.

"Ich habe irgendwie das Lebewesen dahinter gesehen und konnte das dann einfach nicht mehr."
Warum Ines Höfling zu fleischloser Ernährung überging

Heutzutage brauche der Mensch in unserer Gesellschaft mit leicht verfügbaren Produkten im Supermarkt keine tierischen Lebensmittel mehr, sondern könne alle Nährstoffe durch Pflanzen zu sich nehmen. Der Mensch entwickele sich eben weiter. "Früher hat man auch in der Höhle gelebt." Wer den Geschmack von Fleisch nicht missen möchte, könne gern auf Ersatzprodukte zurückgreifen. Eine Ernährung ohne Fleisch sei zudem besser für das Klima.

Erstmals aktiv wurde Ines Höfling bei einer Demonstration gegen einen Zirkus mit Tieren an ihrem Studienort Passau. Dort hat sie mit einer Freundin vor sechs Jahren auch die Facebook-Gruppe "Foodsharing Passau" gegründet, um etwas gegen die Verschwendung von Lebensmitteln zu tun.

Mit veganen Würstchen zum Grillfest

Was sie macht, wenn sie zum Grillen eingeladen wird? Da bringe sie eben vegane Würstchen oder Burger mit. Sie lasse es sich vielleicht nicht unbedingt anmerken, aber wenn andere dort tierische Bratwürste äßen, fühle sie sich unangenehm: "Ich fühle mich so, wie Sie sich vielleicht bei Bratwürsten von Hunden fühlen würden." Sie verurteile aber niemanden, der Fleisch isst, sie habe ja selbst lange Zeit tierische Produkte gegessen.

Eigentlich wäre es konsequent, wenn man Pferde nicht mehr zum Reiten benutzt, so Höfling. Bekannte von ihr seien etwa der Meinung: "Das Pferd ist nicht für uns gemacht, dass wir uns auf den Rücken setzen." Sie würde sich nie ein Tier von einem Züchter holen, allenfalls aus dem Tierheim, "einfach weil diese Tiere in die Welt geboren wurden, um einen Zweck zu erfüllen und als Haustier zu dienen". Sie findet sogenannte Lebenshöfe, auf denen "Kühe nicht gemolken und Hühnern nicht die Eier weggenommen werden", toll.

"Meine Eltern dachten am Anfang erst, das ist nur eine Phase, es ist nur die Ernährung", sie seien aber sehr offen gewesen, erzählt die 28-Jährige. Inzwischen trinke ihre Mutter ihren Kaffee mit Mandelmilch. "Die Leute müssen selber darauf kommen, irgendwann macht es dann Klick." Man könne zwar die Welt nicht von heute auf morgen ändern, aber durch sein Verhalten seinen Beitrag leisten, findet sie. Ihr selbst gehe es mit veganer Ernährung "besser als zuvor", sie nehme lediglich Tabletten gegen B12-Mangel.

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