GEMÜNDEN

Sport siegt über Handicap

Steuert die Paralympics an: Matti Wetzel von der WSG Kleinheubach (vorn) mit einem Begleiter beim Paracanoeing-Rennen des KSC Gemünden auf der Saale. Foto: Herbert Hausmann

Viele strahlende Gesichter gab es bei den Siegern und Platzierten des zweiten Paracanoeing-Kanuwettbewerbs des Kanu- und Skiclub Gemünden (KSC) am vorigen Wochenende zu sehen. Doch zwei junge Sportler übertrafen mit ihrer Freude das Strahlen der anderen um ein Vielfaches: Matti Wetzel von der WSG Kleinheubach und Maximilian Jäger vom KSC Gemünden. Die beiden Zwölfjährigen haben nicht nur die Herzen der Zuschauer im Nu erobert, beide sind auch deutsche Hoffnungsträger für kommende Paralympics-Wettbewerbe, die Olympischen Spiele für Menschen mit Behinderung.

Maximilian Jäger startete im Kanu für den KSC Gemünden, und war damit Lokalmatador – auch wenn er in Bad Brückenau wohnt. Für ihn ist das Fahren auf dem Wasser eine gute sportliche Ergänzung, denn eigentlich ist der Wassersport nur seine zweite große Leidenschaft. Die erste gilt dem Skifahren.

Der Junge hat noch vor seiner Geburt im Mutterleib einen Schlaganfall erlitten. Dabei trug das Gehirn leichte Schäden davon. Linksseitig ist Maximilian gelähmt und leidet unter Spastik und Sensibilitätsstörungen. Das hindert ihn aber nicht, seinen geliebten Sport auszuüben. Drei Mal in der Woche ist er während der Sommermonate mit seinem Kanu auf dem Wasser zu finden.

Doch damit wird schon bald Schluss sein. Dann wird Maximilian die Sportart wechseln. „Im Oktober beginnt bereits das Training auf dem Gletscher“, berichtet sein Vater Thomas Jäger. Die Parade-Sportart ist das Skifahren. Hier gehört Maximilian zum fünfköpfigen Landeskader. Bei den Bayerischen Meisterschaften 2011 kam er auf der „Götschen-Abfahrt“ (bei Berchtesgaden), ein FIS-Hang, auf dem Wettbewerbe des internationales Skiverbands ausgetragen werden, auf den dritten und im Slalom auf den vierten Platz.

Von der Rhön nach Pyeongchang

Im Alter von fünf Jahren stand der Junge aus der Rhön zum ersten Mal auf Skiern. Im Jahr 2009 entdeckten die Trainer einer Skischule in Österreich sein Talent. Es folgte für den Herbst 2010 die Einladung zu einem Sichtungslehrgang. Hier fiel er sofort der Nationaltrainerin für die paralympische A-Mannschaft auf, dem Nachwuchsteam für das Deutsche Paralympics-Skiteam alpin, in das er aufgenommen wurde. Weil seine linke Hand nicht richtig greifen kann, ist Maximilian als Einstockfahrer unterwegs. Beim Kanu kompensiert er das Handicap durch Kraft, die aus der Schulter kommt.

Der große Traum von Maximilian Jäger ist die Teilnahme an den Paralympics 2018. Hier möchte er gerne im Slalom und im Riesenslalom antreten. Ausgetragen werden die zwölften Paralympischen Winterspiele vom 9. bis 18. März 2018 in der südkoreanischen Stadt Pyeongchang.

Fährt Maximilian Jäger einmal kein Ski oder Kanu, besucht er eine Schule für Kinder mit körperlichen Behinderungen in Schonungen. Um Sport und Schule noch besser miteinander verknüpfen zu können, möchte Maximilian Jäger gerne auf ein speziell eingerichtetes Gymnasium in München wechseln. „Der Bezirk Unterfranken hat aber die Übernahme der Kosten dafür angelehnt“, zeigte sich Thomas Jäger am Rande des Kanuwettbewerbs in Gemünden enttäuscht über die bisherige ablehnende Haltung. Er will weiter für seinen Sohn kämpfen, um ihm den Schulbesuch zu ermöglichen, denn er weiß: „Durch den Sport wird unser Kassensystem entlastet und spart eine Menge Geld, das sonst für Therapien ausgegeben werden müsste.“

Ebenfalls ein Kandidat für die Paralympics ist der zwölfjährige Matti Wetzel aus Kleinheubach. Im Gegensatz zu Maximilian Jäger hat er sich völlig dem Kanusport verschrieben.

Im Kanu nach Rio

Deshalb ist sein Augenmerk auch schon auf die Paralympischen Sommerspiele 2016 gerichtet, die vom 7. bis 12. September im brasilianischen Rio de Janeiro ausgetragen werden. Hier werden zum ersten Mal überhaupt Kanu-Wettbewerbe ins olympische Programm aufgenommen – für Matti Wetzel eine enorme Motivation. Darum will er bis dann noch viele Kilometer auf dem Wasser zurücklegen.

Weil Matti Wetzel seit seiner Geburt an einer Lähmung leidet, sollte er eine Förderschule für Behinderte besuchen. Stattdessen hatten sich seine Eltern für eine „normale Schule“, die Grundschule in Kleinheubach entschieden. Sehr gute Noten bestätigten, dass das die richtige Entscheidung war. Und mit seinen sehr guten Noten kann Matti nun auch auf das auf das Johannes-Butzbach-Gymnasium in Miltenberg gehen.

Matti Wetzel leidet unter einer Tetrazerebralparese, bei der alle vier Gliedmaßen in ihren motorischen Fähigkeiten eingeschränkt sind. Menschen mit Zerebralparese können ihre Muskeln nicht vollständig kontrollieren, wodurch die Betroffenen fast immer auf einen Rollstuhl angewiesen sind.

Matti Wetzel
Maximilian Jäger. Foto: Herbert Hausmann

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