Lohr

Stadt Lohr hat neues Altlastenproblem

Böse Überraschung: Auf einem städtischen Grundstück am Eisenhammerweg sind arsen- und bleihaltige Altlasten im Untergrund aufgetaucht. Foto: Johannes Ungemach

Eigentlich sollte es eine Bereicherung für die Umwelt werden: Die Stadt Lohr wollte unterhalb des Eisenhammerweges entlang der Lohr die vorgeschriebene ökologische Ausgleichsfläche für den Bau eines Parkplatzes und des Radwegs in den Sendelbacher Mainauen anlegen. Geplant waren mehrere Tümpel und eine Ausbuchtung des Flüsschens.

Doch die Baggerschaufeln förderten eine böse Überraschung zutage. Im Untergrund schlummern Altlasten. Wie der städtische Umweltbeauftragte Manfred Wirth bei einem Ortstermin des Umweltausschusses am Dienstagabend erklärte, handelt es sich um Schlacke. Sie enthält unter anderem Bauschutt, Glasgranulat und Glasscherben.

Was die Sache brisant macht: Die ersten Ergebnisse einer Untersuchung zeigen, dass das Material auch Arsen und Blei beinhaltet. Deswegen könne der Aushub, anders als geplant, nicht einfach in eine Sandgrube gefüllt werden, sondern müsse aufwendig entsorgt werden, so Wirth.

Die Ablagerungen seien offensichtlich sehr alt. In der Diskussion wurde mehrfach der Verdacht geäußert, dass sie aus der um 1950 stillgelegten alten Glashütte stammen könnten, die einst unweit vom Fundort an der Partensteiner Straße angesiedelt war.

Die Ablagerungen direkt neben der Lohr gegenüber dem Werk II der Bosch Rexroth AG seien zwischen 60 und 90 Zentimeter mächtig, so Wirth. Insgesamt handle es sich wohl um rund 935 Kubikmeter, etwa 90 Lastwagenladungen. Was die Entsorgung kosten könnte, ist laut Wirth derzeit noch nicht absehbar.

Die Stadt haben den unliebsamen Fund bereits dem Landratsamt gemeldet. Nun seien mehrere Behörden mit im Boot, so Wirth.

Heck: Fahrlässiger Kauf

Die Stadt hatte das betreffende Grundstück vor vielen Jahren von einem Privatmann gekauft. Weswegen man vorher nicht Proben gezogen habe, fragte Uli Heck (Freie Wähler) und sprach von "fast fahrlässigem" Vorgehen der Verwaltung. Wirth sagte, dass der Kauf schon Jahre her sei. Man habe das Grundstück erworben, weil man immer wieder solche Flächen für ökologischen Ausgleich benötige. Es sei "unser Schicksal in Lohr", sagte Wirth mit Blick auf die Liste der Altlasten, die bei vergangenen Projekten aufgetaucht waren und teils bis heute Probleme machen.

Eric Schürr (Bürgerverein) warf die Frage der Haftung auf. Ob man nicht denjenigen zur Rechenschaft ziehen könne, dem die Fläche zum Zeitpunkt des Ablagerns gehört habe, fragte er. Wirth sagte, dass man dies juristisch prüfen müsse, wobei es aber mehr um den Verursacher als um den Eigentümer gehe. Allerdings ließen seine Aussagen erkennen, dass er offenbar wenig Hoffnung hat, dass die Stadt die Kosten der Entsorgung auf irgendwen abwälzen kann. Die Ablagerungen erstreckten sich wohl auch auf ein benachbartes Privatgrundstück, vermutete Wirth. Wie dort zu verfahren sei, müsse das Landratsamt entscheiden.

Die Stadt will die ökologische Ausgleichsmaßnahme auf ihrer Fläche trotz der Altlasten durchziehen. Zum einen, so erklärte Bürgermeister Mario Paul, sei der Ausgleich für die Bauprojekte in Sendelbach vorgeschrieben. Zum anderen tue man mit der Beseitigung der Ablagerungen etwas für die "Bodenverbesserung im Auenbereich". Klar sei allerdings, dass man das dafür erforderliche Geld "kein zweites Mal ausgeben können wird".

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